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Segeberg Masern-Gefahr: Schüler dürfen Abi-Prüfungen nicht mitschreiben
Lokales Segeberg Masern-Gefahr: Schüler dürfen Abi-Prüfungen nicht mitschreiben
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16:12 03.04.2019
Nur mit Masernschutz in die Grundschule: Am Dienstag führte das Gesundheitsamt des Kreises Segeberg auch Kontrollen an der Theodor-Storm-Schule in Bad Segeberg. Quelle: Heike Hiltrop
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Bad Segeberg

Bei der Kontrolle an der Theodor-Storm-Schule sind am Dienstag nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes etwa 20 Betretungsverbote ausgesprochen worden, weil ein Masernschutz von den Schülern nicht nachgewiesen werden konnte. Bisher bleibt es aber bei drei gemeldeten Masernfällen im Kreis Segeberg.

Am Freitag war bekannt geworden, dass ein Schüler der Dahlmannschule an Masern erkrankt ist. Seit Montag gab es Kontrollen des Impfschutzes durch das Kreisgesundheitsamt bei allen, die in die Schule wollten – 775 Schüler, 58 Lehrer und andere Mitarbeiter. 151 Schüler waren daraufhin gar nicht erst zum Unterricht erschienen.

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Acht Lehrer und 14 Schüler wurden nach den Kontrollen zu Wochenbeginn wieder nach Hause geschickt. Darunter auch sechs Gymnasiasten, für die die erste Abiturklausur am Dienstag anstand (die LN berichteten).

Erleichterung bei drei der betroffenen Dahlmannschüler: Sie konnten nach einem Schnelltest an den Prüfungen im Profilfach teilnehmen.

Nachdem ein Schüler sich mit Masern infiziert hat, kontrollierte das Gesundheitsamt am nächsten Schultag die Impfpässe der Schüler an der Dahlmannschule. Quelle: Heike Hiltrop

Zwei Schüler müssen Abi-Klausur nachholen

Bei der sogenannten Titer-Bestimmung durch ein Labor werden die Anzahl der Antikörper im Blut festgestellt. „Das Angebot haben wir gemacht, um die Schüler zu unterstützen. Wir sind froh, dass wir diese Hilfe anbieten konnten“, sagt Dr. Boris Friege, Leiter des Fachbereichs Gesundheit beim Kreis Segeberg.

Friege ergänzt: Wenn jemand, der nicht gegen Masern geimpft sei oder die Erkrankung noch nicht gehabt habe Kontakt mit einem Erkrankten habe, „dann gilt er als ansteckungsverdächtig“. Offenbar trifft dies auf drei Schüler zu, die auch nach den Tests keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen konnten. Sie müssen ihre Klausuren am Mittwoch, 8. Mai, nachschreiben, sagt Konrektor Thorsten Glaser.

20 Betretungsverbote an der Theodor-Storm-Schule

Auch für Dienstag und Mittwoch waren Kontrollen vom Gesundheitsamt angesetzt. An der Dahlmannschule, aber auch an der Theodor-Storm-Grundschule, an der es laut Friege eine „ansteckungsfähige Person“ gegeben habe, nach LN-Informationen ein Geschwisterkind des Dahlmannschülers. Rund 250 Jungen und Mädchen werden hier unterrichtet. Auch Lehrkräfte und andere Mitarbeiter mussten den Impfschutz darlegen. Rund 20 Betretungsverbote haben die Amtsärzte des Kreises aussprechen müssen.

Am Donnerstag beginnen die Osterferien. „Ein großes Glück für uns“, sagt Friege, denn dann ist an den Schulen kein Betrieb, der gestört werden müsse. Vor weiteren Masernfällen schütze das jedoch nicht. Jeder Raum mit vielen Menschen sei ein guter Übertragungsort. Darum geht der Fachdienst des Kreises von weiteren Fällen aus, die noch kommen können. „Die Ansteckungsphase beginnt noch vor dem Masernausschlag. Auch wenn man noch nichts sieht, kann jemand hoch ansteckend sein und die Krankheit verbreiten.“

2014 gab es 20 Masernfälle im Kreis Segeberg

Im Jahr 2014 hatte es letztmalig einen größeren Masernausbruch gegeben. Damals gabe es laut Friege gut 20 Fälle im Kreis Segeberg. „Wir haben damals fleißig Subtypen-Bestimmung vorgenommen, und für einen Moment sah es so aus, als ob der hier ein neuer war.“

Das Masern-Virus hätte den Namen „Bad Segeberg“ bekommen. „Aber dann stellte sich heraus, dass der Subtyp schon in Südostasien beschrieben war.“ In Berlin war es zwischen Herbst 2014 und Spätsommer 2015 mit rund 1000 Fällen sogar zum größten Ausbruch seit dem Bestehen der Meldepflicht gekommen. Friege: „Aber das war ein anderer Subtyp, der mit dem in Bad Segeberg nichts zu tun hatte.“

Heike Hiltrop