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Segeberg Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft
Lokales Segeberg Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft
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21:36 18.04.2018
In der Boostedter Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Neumünster (Kreis Segeberg) soll es nach LN-Informationen zu einer Massenschläger mit 150 Beteiligten gekommen sein.
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Boostedt

Der Vorfall war am Mittwoch Thema im Innenausschuss des Landtags. CDU-Innenstaatssekretär Torsten Geerdts hatte die Politiker sofort über die ersten Meldungen der Polizei vor Ort informiert. Darin war noch von 150 Beteiligten die Rede gewesen. Diese Zahl zog die Polizei später zurück.

Es habe sich aber in jedem Fall „wieder einmal bewährt, dass wir direkt vor Ort in der Ex-Kaserne eine Polizeistation haben“, sagte Schleswig- Holsteins Leitender Polizeidirektor Joachim Gutt. Die Kollegen hätten sofort beherzt und mutig eingegriffen. Aus Neumünster, Bordesholm und Kiel rückte schnell Verstärkung an. Schließlich erreichte auch eine Einsatzhundertschaft aus Eutin Boostedt. Die Flüchtlingsgruppen wurden voneinander getrennt. Vier Rädelsführer des Streits seien vorläufig festgenommen und nach Bad Segeberg ins Gewahrsam gebracht worden.

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Konflikt schwelte schon lange

Beamte durchsuchten in Boostedt und in der Flüchtlings-Erstaufnahme Neumünster die Räume der Beteiligten. Dort, in der rund vier Kilometer entfernten Einrichtung in Neumünster, hätten sich die Flüchtlinge aus Somalia eigentlich aufhalten müssen. „Es gab schon seit einiger Zeit Konflikte zwischen den beiden ursprünglich gemeinsam in Boostedt untergebrachten Nationalitätengruppen“, berichtete Gutt.

Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten hätte die Somalier deshalb vor einigen Tagen schon nach Neumünster gebracht und dort einquartiert, sagte Geerdts. Offensichtlich hätten sich einige von ihnen dann aber gestern Mittag zu Fuß auf den Weg zurück nach Boostedt gemacht und seien die Flüchtlinge aus dem Jemen bei der Essenausgabe in der Kantine der Einrichtung angegangen. Die Stimmung soll sich schnell aufgeheizt haben.

Polizei hatte Lage schnell im Griff

Somalia im Nordosten Afrikas und der Jemen auf der Arabischen Halbinsel sind quasi Nachbarländer, getrennt nur durch das Arabische Meer. In beiden Ländern herrschen bittere Armut und Bürgerkrieg. Die meisten Somalier sind sunnitische Muslime. Im nur mehrheitlich sunnitischen Jemen führt eine schiitische Minderheit einen bewaffneten Kampf gegen die Regierung. Ob dieser Konflikt in die Auseinandersetzungen in Boostedt hineingespielt hat, kann das Ministerium noch nicht sagen.

Zu kleineren Konflikten in Flüchtlingsunterkünften komme es immer wieder einmal, heißt es in Kiel. Diesmal sei die Dimension größer gewesen. Dennoch habe die Polizei die Lage schnell befrieden können, sagt Geerdts. Gleichwohl werde man solche Vorfälle auf keinen Fall dulden. „Wer bei uns als Gast aufschlägt, hat sich an unsere Regeln zu halten und sich zu benehmen.“ Die Polizeipräsenz in den Einrichtungen in Boostedt und Neumünster werde jetzt erst einmal erhöht, kündigte Gutt an. Insgesamt sind in der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt derzeit 960 Flüchtlinge untergebracht.

Von Wolfram Hammer