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Segeberg Brutale Eifersuchts-Attacke endet vor Gericht
Lokales Segeberg Brutale Eifersuchts-Attacke endet vor Gericht
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22:14 19.06.2019
Die Skulptur der beiden „Streithähne“ vor dem Bad Segeberger Amtsgericht. Quelle: LN-Archiv
Bad Segeberg

Die eigentliche Tat liegt bereits vier Jahre zurück, insofern waren die Erinnerungen an die Nacht des 8. August 2015 bei den Prozessbeteiligten nicht mehr die allerfrischesten. Die Angaben des mutmaßlichen Täters und des mutmaßlichen Opfers waren aber so deutlich verschieden, dass Erinnerungslücken kaum Ursache dafür sein konnten.

Unbestritten ist, dass am Ende dieser Nacht in Trappenkamp der heute 42 Jahre alte Oliver S. ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Kieferfraktur, ein geschwollenes Auge und eine etwa vier Zentimer lange Stichwunde am Arm erlitten hatte. Schwere Verletzungen, die ihm laut Staatsanwalt der Angeklagte Stefan F. (Name geändert) beigebracht haben sollte.

Es sah aus, als hätte er sie geküsst.“

F. und sein Verteidiger Gerhard Tietge räumten am Mittwoch vor Gericht auch ein, dass er auf S. losgegangen war und dabei auch ein illegales Butterfly-Messer mitgeführt habe. „Nach einer Feier hatte S. meine Frau nach Hause begleitet, ich bin ihnen entgegen gegangen. Als ich sie dann zusammen gesehen habe, hatten sie sich umarmt und es sah so aus, als hätte er sie geküsst“, schilderte Stefan F. Er sei wütend geworden, habe S. attackiert. Aber nur mit den Fäusten. „Ich habe zwei Mal mit der rechten Hand zugeschlagen, er hat zurückgeschlagen, mich aber nicht getroffen“, so der 36-Jährige. In dem Handgemenge habe er schließlich versucht, das Messer aufzuklappen, um sich in der Auseinandersetzung zu behaupten. Das sei aber nicht gelungen, das Messer sei zugeklappt geblieben.

Wie denn die Stichwunde am Arm von Oliver S. entstanden sei und dessen DNA-Spuren an die Klinge gekommen waren, konnte Stefan F. auch nach mehrfachen Nachfragen des Staatsanwalts und von Richter Alexander Schmücker nicht erklären. Er beharrte darauf, dass Messer nicht gegen seinen Kontrahenten eingesetzt zu haben. Nachdem ihm bewusst geworden sei, S. anscheinend erheblich verletzt zu haben, habe er ihm sogar aufgeholfen. „Wir haben dann sogar noch zehn Minuten miteinander geredet.“

Angeklagter hatte Affäre mit Frau des Opfers

Wichtig zu wissen: Oliver S. und Stefan F. verbindet eine Vorgeschichte: Der Angeklagte F. hatte sich einzige Zeit vor der Tat „sehr gut mit der Frau von Herrn S. verstanden – wir hatten eine Affäre“, wie er vor Gericht einräumte. Infolgedessen sei er zuvor von S. bedroht worden, er habe ihm aufgelauert, Reifen an seinem Pkw zerstochen. Ein bei der Staatsanwaltschaft anonym eingegangenes Schreiben bezichtige S., der als Nebenkläger in dem Verfahren auftrat zudem, F. unrechtmäßig des körperlichen Angriffs auf ihn zu beschuldigen, um sich für die Affäre zu rächen.

Aus der Perspektive von Oliver S., der unter der Attacke nach wie vor psychisch leide, wie er sagte, stellte sich das Geschehen dann auch deutlich anders dar: „Ich hatte nur einen Schrei gehört, so etwas wie ,Lass’ meine Frau in Ruhe’“, erinnerte sich S an den 8. August 2015. Hinter sich habe er das Geräusch eines sich ausklappenden Butterfly-Messers gehört. „Ich habe mich umgedreht, das Messer dicht vor mir gesehen und versucht, es mit der Hand abzuwehren.“ Dabei sei es zu dem Schnitt gekommen. Er wisse, dass er zurückgewichen, zu Boden gestürzt sei und dann einen Tritt ins Gesicht abbekommen habe. An ein anschließendes Gespräch mit F. konnte er sich nicht erinnern. „Ich bin dann da weg, in einen Hauseingang und habe eine Freundin angerufen“, sagte S. aus.

Als Zeugin wurde auch die Ehefrau von Stefan F. gehört, deren Aussage sich im Wesentlichen mit der ihres Mannes deckte. Als ihr Mann auf S. losstürmte, sei sie aber ins Haus gegangen. Ein Messer in seiner Hand wollte sie nicht gesehen haben.

Zum Zeitpunkt der Tat habe es zwischen ihnen gekriselt, mit Oliver S. sei sie „gut befreundet“ gewesen. „Als mein Mann nach dem Vorfall wieder im Haus war, hat er sich schwere Vorwürfe gemacht. Er war fast abwesend, hat sich immer wieder selbst gefragt, was er getan hat“, sagte die 34-Jährige aus.

Urteil: Ein Jahr Haft auf Bewährung

Auf die Version von Stefan F. ließ sich die Staatsanwaltschaft nicht ein. Dagegen sprächen schon die schweren Verletzungen, die Oliver S. erlitten hatte. Sie sah die gefährliche Körperverletzung mit einem Messer und ebenso den potenziell lebensbedrohlichen Schlag oder Tritt gegen dessen Kopf als erwiesen an. Der Staatsanwalt forderte eine einjährige Haftstrafe zur Bewährung und die Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 2400 Euro an Oliver S.

Verteitger Tietge plädierte dagegen auf eine Geldstrafe wegen einfacher Körperverletzung. Es gebe Widersprüchlichkeiten in der Aussage von Oliver S. Es sei eher von einer „wechselseitigen Körperverletzung“ auszugehen. Das anonyme Schreiben, dass S. der Racheabsichten bezichtige, deute ebenfalls darauf hin.

Richter Alexander Schmücker schloss sich in seinem Urteil jedoch vollumfänglich des Antrag der Staatsanwaltschaft an: Ein Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung und 2400 Euro Schmerzensgeld. „Ich kaufe Ihnen nicht ab, dass Sie das Messer erst während des Handgemenges gezogen haben“, so Schmücker in Richtung des Angeklagten. Er habe S. damit vielleicht nicht vorsätzlich verletzten, ihn aber bedrohen wollen. Zudem sprächen die „furchtbaren Verletzungen“ von Oliver S. eine deutliche Sprache. F. sei gleichwohl „kein Schläger“ und habe ehrlich Reue gezeigt. Das sei zu seinen Gunsten zu werten.

Oliver Vogt

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