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Segeberg Mit Blutbären gegen das Jakobskreuzkraut
Lokales Segeberg Mit Blutbären gegen das Jakobskreuzkraut
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06:00 11.07.2019
Das Jakobskreuzkraut auf seinen Wiesen hat Andreas Frahm im Griff. Quelle: Petra Dreu
Neuengörs

Andreas Frahm ist stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Neuengörs, ein rastloser Geist, für den es ein „geht nicht“ nicht gibt. Probleme sind nur dazu da, gelöst zu werden. So handhabt er es auch mit dem giftigen Jakobskreuzkraut (JKK), das fast zu einem Problem für seine 30 Rinder geworden wäre. Er recherchierte so lange, bis er einen Lösungsansatz hatte: „Blutbären“. Die Raupen des nachtaktiven Schmetterlings haben nämlich nur eine Pflanze auf ihrem Speisezettel – und die heißt Jakobskreuzkraut.

Besonders betroffen sind extensiv genutzte Weiden

Nebenberuflich züchtet Andreas Frahm Welsh Black Robustrinder. Ganzjährig weiden sie auf 25 Hektar renaturierter Ackerfläche zwischen Söhren und Steinbek. Eigentümerin des Areals ist die Bundesrepublik Deutschland, die verbunden mit dem Bau der Autobahn 20 zur Ausgleichsfläche geworden ist. Gepachtet hatte er sie vor rund elf Jahren vom Landesstraßenbauamt. „Zwei Hektar waren flächendeckend gelb. Zu 90 Prozent bestanden sie aus Jakobskreuzkraut“, erzählt Andreas Frahm. Er ist davon überzeugt, dass die Samen der giftigen Pflanze durch Erdarbeiten beim Bau des Regenrückhaltebeckens eingeschleppt und dann verteilt wurden. „Vorher gab es sie hier nämlich nicht.“

Die Verwendung von Unkrautvernichtungsmitteln kam auf der Ausgleichsfläche nicht in Frage, und das sonst übliche Rupfen war für ihn keine Alternative. „Beides funktioniert zwar, ist aber nicht nachhaltig“, sagt Frahm, der sich auf die Suche nach natürlichen Lösungen machte. Er durchpflügte das Internet, nutzte Suchmaschinen, die hierzulande kaum jemand kennt, und fand einen kleinen amerikanischen Zeitungsartikel aus den 1960-er Jahren. „Darin stand, dass das Jakobskreuzkraut mit Blutbären erfolgreich bekämpft worden sei. Mehr nicht“, erzählt Andreas Frahm.

Ein kleiner Artikel weckte den Forschergeist

So klein der Artikel auch war, sein Forschergeist war geweckt. In Absprache mit dem Landesstraßenbauamt begann er vor sieben Jahren damit, Raupen des Blutbärs auf der Ausgleichsfläche auszusetzen, sie zusammen mit dem Jakobskreuzkraut zu beobachten und später die Raupen zu verteilen. Außerdem experimentierte er mit Mulchhöhen. Im ersten Jahr ist die zweijährige Pflanze nur zehn bis 20 Zentimeter hoch, ein Jahr später dann bis zu 100 Zentimeter. Bei seinen Experimenten kam Andreas Frahm zu dem Schluss, dass eine Mulchhöhe von 20 bis 30 Zentimetern optimal ist. „Dadurch bekomme ich dichteres Untergras. Das spart Sprit und Klingen. Das sieht zwar eine Woche lang wüst aus, danach aber nicht mehr.“

Von niedrigeren Mulchhöhen rät er ab. „Der Blutbär legt seine Eier auf der Blattunterseite der einjährigen Pflanze ab. Das Gelege würde ich damit zerstören. Aber das Mulchen muss sein. Würde man darauf verzichten, bleiben einzelne Pflanzen stehen, die wieder aussamen, und der ganze Kreislauf fängt von vorne an“, hat er herausgefunden. Mit seiner Methode hat er Erfolg. Bereits im dritten und vierten Jahr ging das Jakobskreuzkraut auf seiner Fläche deutlich zurück.

Video zu Blutbär-Raupe

Das überzeugte auch das Landesstraßenbauamt, das Andreas Frahm damit beauftragte, das Jakobskreuzkraut auf weiteren 100 Hektar Fläche mit Blutbären zu bekämpfen. Unglaublich ist die Anzahl der Raupen, die er dafür braucht. „Geschätzt sind es auf 125 Hektar 200 bis 400 Millionen“, sagt Frahm. In ganz Deutschland dämmt er das Jakobskreuzkraut auf weiteren 2000 Hektar von privaten Pferdehaltern ein.

Kompetenzzentrum lobt seine Arbeit

Viel Lob für seine Arbeit bekommt Andreas Frahm auch vom Kompetenzzentrum Jakobskreuzkraut der Stiftung Naturschutz, das 2015 eröffnet wurde. So manchen Tipp konnte er den Fachleuten bereits geben, weil er einen Schritt weiter war. „Was er macht, funktioniert. Das bringt im Kampf gegen das Jakobskreuzkraut wirklich was“, bestätigt Nicola Brockmüller vom Kompetenzzentrum, auf dessen Homepage viele weitere Infos zu finden sind.

Sein Erfolg bei der Bekämpfung des Krauts hat sich herumgesprochen. Fachzeitschriften und Fernsehteams klopfen bei ihm an, er wird zu Vorträgen eingeladen, Betroffene fragen telefonisch um Rat, „und jeden Abend beantworte ich 20 bis 25 Mails“. Zuerst hat er Ratsuchende eingeladen, eine Hand voll Raupen bei ihm abzuholen. Inzwischen verschickt er seine Raupen mit Anleitung per Nachtkurier. Was das kostet? Porto- und Versandkosten und zehn Euro Spende für die Feuerwehr Stubben. Weitere Infos gibt es bei ihm unter der Telefonnummer 01 72/268 91 08.

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Petra Dreu

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