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Segeberg Nahverkehrspläne: Mit S21 und Expresszug schneller am Arbeitsplatz
Lokales Segeberg Nahverkehrspläne: Mit S21 und Expresszug schneller am Arbeitsplatz
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12:14 13.11.2019
CDU-Wirtschaftsrat - Pendlerströme entlang der A7 BU: Mehr Menschen sollen mit der Bahn statt mit dem Auto zur Arbeit nach Hamburg fahren, ist das Ziel des S21-Projektes auf der AKN-Strecke Kaltenkirchen – Eidelstedt. Foto: Fuchs Quelle: Burkhard Fuchs
Kaltenkirchen/Norderstedt

Müssen sich die Stadtväter und –mütter in Norderstedt von der Idee einer U1-Verlängerung verabschieden? Land und AKN favorisieren jedenfalls stattdessen ein Expresszug-Konzept, das Norderstedt schneller mit den Städten entlang der A 7 bis Neumünster verbinden würde.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP): „Eine Verlängerung der U1 klingt ja hübsch, aber bringt keine Fahrtzeitverkürzung.“ Quelle: Foto: Burkhard Fuchs

Das wäre bei der Expresszug-Variante anders: Wenn die AKN-Linie A2 künftig montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr einmal pro Stunde zusätzlich nur noch an fünf (Quickborner Straße, Ulzburg Süd, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt) statt 17 Stationen entlang der Strecke von Norderstedt bis Neumünster halten würde, gebe es eine Zeitersparnis von zwölf Minuten für die Fahrgäste, sagte AKN-Vorstand Wolfgang Seyb. Dann wäre der Fahrgast aus Norderstedt in 54 statt 66 Minuten in Neumünster beziehungsweise in 13 statt 16 Minuten in Henstedt-Ulzburg.

Innerhalb von ein bis drei Jahren umsetzbar

Und das wäre relativ kurzfristig umsetzbar, so der AKN-Vorstand: innerhalb von ein bis drei Jahren. Und die Expresszug-Idee wäre mit Kosten von drei bis fünf Millionen Euro „überschaubar und realisierbar“, sagte Minister Buchholz. Über die Umsetzung entscheide das Land über seine Nah.SH-Verkehrsgesellschaft. „Der Expresszug würde die ganze Region stärken“, sagt Jochen Kiphard von Nah.SH. Das Land würde den Expresszug auch finanzieren. Das sei bei der U1-Verlängerung, die ja nur auf Norderstedter Gebiet wäre, nicht der Fall.

Der CDU-Wirtschaftsrat hatte den Minister und AKN-Chef sowie den HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann und den Hamburger Verkehrs-Staatsrat Andreas Rieckhof, eingeladen, um darüber zu sprechen, wie sie die vielen Tausend Pendler entlang der A7-Trasse von der Straße auf die Schiene bekommen wollen. Die meisten der mehr als 300 000 Ein- und Auspendler blieben aufs Auto angewiesen, weil die Bahnverbindungen nur suboptimal seien, führte Gastgeber Michael Hannemann vom CDU-Wirtschaftsrat-Segeberg ins Thema ein.

Buchholz: Enorme Qualitätsverbesserung für Fahrgäste

Pendlerströme entlang der A7 BU: CDU-Wirtschaftsrats-Vertreter Michael Hannemann (2.v.l.) im Gespräch mit Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof (v.l.), HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann und Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz. Quelle: Foto: Burkhard Fuchs

Und es bedeute einen erheblichen Image-Gewinn für alle Kommunen entlang der S-Bahnstrecke, ist Staatsrat Rieckhof überzeugt. „Die S-Bahn ist gefühlt eine Großstadtbahn.“ Die Schätzungen der steigenden Fahrgastzahlen, als die S-3 von Hamburg nach Stade verlängert wurde, „wurden ständig über den Haufen geworfen“, so der ehemalige Bürgermeister von Stade. Um ein Drittel seien sie seitdem gestiegen, sagte HVV-Chef Hartmann.

Anwohner fürchten Elektrosmog und Wertverlust

Allerdings regte sich auch Widerstand im Zuschauerraum. Stefan Grawitter aus Henstedt-Ulzburg von der Interessengemeinschaft Nahverkehr, die bereits den zweispurigen Ausbau der AKN-Strecke zwischen Ellerau und Quickborn erfolgreich verhindert hat, äußerte sich kritisch zum S21-Projekt. Vor allem die Strommasten an der Strecke, der mögliche Elektrosmog und ein angeblicher Wertverlust ihrer Grundstücke machten den Anwohnern zu schaffen. Aber das Land und die AKN als Vorhabenträger gingen in keiner Weise auf die IG und ihre Forderungen ein. „Das verhindert den Dialog. Uns bleibt nur das Klagerecht“, sagte Grawitter.

Dafür hätte er als Betroffener ja sogar Verständnis, erwiderte Minister Buchholz. Er würde auch keine Bahntrasse in seinem Vorgarten haben wollen. Aber letztlich müsse immer zwischen dem Interesse des Einzelnen und der Allgemeinheit abgewogen werden. Das gelte auch für den Wunsch der Unternehmerin Cornelia Weiß, die sich für ihren Aluminiumhersteller Gleich frühere Züge als 5 Uhr nach Kaltenkirchen wünschte, damit die Mitarbeiter der Frühschicht nicht mehr mit dem Auto kommen müssten.

„Nur heiße Luft befördern ist nicht wirtschaftlich“

Da sollte sich das Unternehmen mit anderen Firmen zusammentun, die das auch wollten, damit das „Nutzen-Kosten-Verhältnis“ im akzeptablen Rahmen bliebe, riet der Minister. Das Land bezuschusse schon heute den Zugverkehr in Schleswig-Holstein mit 400 Millionen der 700 Millionen Euro Kosten im Jahr (bei Fahrerlösen von 300 Millionen Euro). „Wenn wir nur heiße Luft befördern, ist das nicht wirtschaftlich.“

Grundsätzlich müsse sich seiner Ansicht nach ohnehin das Planungsrecht in Deutschland ändern. „Sonst beißen wir uns an Großprojekten die Zähne aus“, sagte Buchholz und nannte ein Beispiel aus der aktuellen Fehmarnbelt-Querungs-Planung: „Aus Dänemark liegen uns 44, aus Deutschland 12 660 Einwendungen dazu vor.“ Acht Klagen aus Deutschland stünde keine einzige aus Dänemark gegenüber.

Von Burkhard Fuchs

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