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Segeberg Mit diesen Tricks sind Kriminelle in Segeberg erfolgreich
Lokales Segeberg Mit diesen Tricks sind Kriminelle in Segeberg erfolgreich
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16:52 26.04.2019
Die Zahl der Einbrüche im Kreis Segeberg ist wieder gestiegen. Quelle: Irene Burow
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Bad Segeberg

Sie klingeln an der Haustür: Sie sehen aus wie Polizisten, sie tragen Schutzkleidung wie sie, haben den Ausweis dabei und formulieren ihr Anliegen täuschend echt. Falsche Polizisten schaffen es immer wieder, fünf- bis sechsstellige Beträge zu ergaunern.

„Bei einem älteren Segeberger hieß es, die Polizisten vom Bundeskriminalamt überwachen kriminelle Banden in der Gegend; es sei besser, sein Geld auf einem gesicherten Konto zu lagern“, weiß Wolfgang Schürer, Außenstellenleiter des Weißen Ringes im Kreis Segeberg. Der Verein kümmert sich um Kriminalitätsopfer. In diesem Fall wurden 180000 Euro erbeutet. Dass weitere 80000 Euro verloren gehen, konnte durch die Bank verhindert werden.

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Wolfgang Schürer vom Weißen Ring, Außenstellenleiter Kreis Segeberg. Quelle: Irene Burow

Erst jüngst sorgte ein Prozess für Furore, bei dem falsche Polizisten wegen versuchten Betrugs verurteilt wurden: Sie hatten dafür gesorgt, dass ein Demenzkranker Goldbarren im Wert mehrerer Hunderttausend Euro an falsche Polizisten übergab.

Im Kreis sind es zudem vermeintliche Kontrolleure für Rauchmelder, die an der Tür klingeln. „Ich weiß auch von einem Fall, wo sich zwei Personen als städtische Mitarbeiter ausgegeben haben. Sie wollten angeblich den Keller überprüfen, ließen aber bewusst Türen offen, um Zugang zur Wohnung zu bekommen“, sagt Christoph Lübke, Versicherungsberater aus Bad Segeberg.

Infotag im Rathaus Bad Segeberg

Egal ob Trickdieb, Einbruch oder beides in einem: Die Kriminalpolizei, der Weiße Ring, die Sicherheitsfirma Mebo und Versicherer laden am 6. Mai Bad Segeberger und Menschen aus der Region zu einem Infotag ins Rathaus ein. Es wird aufgeklärt, wie man Trickdiebe erkennt, wie der Ablauf nach einem Einbruch ist, wie Technik zum Schutz gefördert wird, wie man mit wenigen Dingen vorbeugen kann. Denn die Folgen sind fatal.

Das Programm am Infotag

Der Termin ist am Montag, 6. Mai, von 16.30 bis 20 Uhr im Bürgersaal des Rathauses von Bad Segeberg. Bürgermeister Dieter Schönfeld eröffnet die Veranstaltung. Sicherheitsfirmen und Versicherer informieren, wie man sich schützen kann.

Kurzvorträge erläutern die Problematik und geben Hilfe. Um 16.40 Uhr: „Trickdiebstahl“, 18 Uhr Vorstellung der Einbruchstatistik durch die Polizei, 18.15 Uhr „Versicherungsschutz“, 18.25 Uhr „Folgen des Einbruchs“ durch den Verein Weißer Ring, 18.35 Uhr „mechanische Sicherheit“, 18.45 Uhr „Notfallmanagement“. Zwischendurch und anschließend ist Zeit für den Messebesuch und Gespräche. Der Eintritt ist frei.

Infos: www.infotag-sicherheit.de

„Kriminelle mit Sturmhaube sitzen im Garten und spähen das Haus aus. Und dann gehen sie in dieser Kluft in die Häuser“, sagt Wolfgang Scherer. Er weiß: Die meisten Betroffenen erholen sich davon nur schwer. Manche nie. Wenn dreckige Fußspuren in den eigenen vier Wänden zeigen, wo die Fremden überall gesucht haben. Wenn private Sachen durchwühlt wurden. Wenn ein Fremder mit Sturmhaube im Garten steht: „Nicht selten wird das Haus verkauft und die Menschen ziehen um“, so Schürer.

Markierungen an Häusern in Klein Gladebrügge

Bei der jüngsten Einbruchserie in Klein Gladebrügge sind im Februar Diebe in drei Gebäude eingestiegen. „In der Straße hat es vorher Markierungen an den Häusern gegeben, wo Hunde leben und wo nicht“, sagt Marlis Stagat.

Sie weiß auch aus eigener Erfahrung, wie schmerzlich Einbrüche sind. Vor einigen Jahren ist in ihrem Versicherungsbüro in Bad Segeberg zwei mal eingebrochen worden. „Wir Mitarbeiter hatten damit gut zu tun. Der materielle Schaden ist geringer als der emotionale. Mir wäre es lieber gewesen, sie hätten alle Laptops mitgenommen, als alles durchgewühlt.“ Auch ihre jahrelange berufliche Erfahrung hat gezeigt: „Psychische Schäden lassen sich mit keinem Geld der Welt bezahlen.“

Zahl der Einbrüche in Segeberg wieder gestiegen

Die jüngst vorgestellte Kriminalstatistik ist Auslöser für den Infotag am 6. Mai. „Bundesweit sind die Einbruchszahlen rückläufig. Doch Segeberg ist noch immer kein sicheres Pflaster. Wir wollen die Region sicherer bekommen“, sagt Marlis Stagat. „Selbst wenn von hundert Menschen nur einer zu Schaden kommt, ist das grausam. Das ist immer noch einer zu viel.“

577 mal ist 2018 in Segeberg eingebrochen worden. Ende März hatte Segebergs Polizeidirektor Andreas Görs die Statistik vorgestellt. Besonders schmerzhaft ist der Anstieg bei diesen Zahlen: Nachdem es zunächst so ausgesehen hatte, als würde das Jahr 2017 eine Trendwende einläuten, gingen die Zahlen 2018 wieder nach oben – um 117 Fälle.

Wolfgang Schürer (Weißer Ring), Steffi Wulf (Mebo Sicherheitstechnik), die Versicherer Christoph Lübke, Marlis Stagat (Bad Segeberg), Gunnar Lassen (Nahe) und Santo Hampel (Wahlstedt, v. l.). Quelle: Irene Burow

Eine wesentliche Besserung sei auch nicht in Sicht: „Dieses Thema wird uns noch für viele Jahre sehr stark beschäftigten“, sagte Görs. Die Soko „Wohnung“ bleibe das wichtigste Werkzeug. Am Infotag wird die Polizei neben anderen Vorträgen die Zahlen noch einmal für die Bürger vorstellen und aus dem Alltag ihrer Arbeit berichten.

Das Abfotografieren der eigenen Wertgegenstände kann Helfen, den Schaden zu regulieren. Auch kann man Wertsachen beim Juwelier schätzen lassen. „Jeder Versicherer fordert da das gleiche“, sagt Fachmann Gunnar Lassen, Versicherer aus Nahe.

Ohne Brecheisen: Gaunerei durch Internetbetrug

Er will an dem Montag weitere Hinweise zu Einbrüchen und Stehlgutlisten geben, zum Beispiel, dass Firmen Hebelspuren inzwischen ausbessern können. Beraten werden soll auch zu dem großen Feld Internetbetrug. „Menschen schaffen es immer noch, nach zweifelhaften Mahnbescheiden oder Inkassoforderungen Zehntausende Euro zu überweisen. Dafür braucht man nicht mal ein Brecheisen“, so Lassen.

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Irene Burow