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Segeberg Segebergs Mitfahrbänke kaum genutzt
Lokales Segeberg Segebergs Mitfahrbänke kaum genutzt
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11:46 04.09.2018
Kattendorf hat zwei Haltepunkte: eine Bank und so ein Wartehäuschen. Quelle: HFR
Bad Segeberg

Die Idee ist gut, doch die Umsetzung hinkt noch: Mitfahrbänke werden kaum genutzt, das Mitfahrnetz des Kreises ist noch in den Startlöchern. Die Dörfer haben teils selbstständig, teils in Verbindung mit dem Netzwerk Bänke aufgestellt. Die Initiativen verschmelzen langsam.

In der Südstadt ging alles los

„Das ist ja auch gewollt, weil es Sinn macht“, sagt Michael Ehlers, der im Frühjahr 2017 mit der Südstadt-Initiative drei hellblaue Bänke in dem Stadtteil installiert hat. An der Südstadtkirche steht eine, am „West-Tor“ gegenüber der Bäckerei Jansen und in der Falkenburger Straße. Nutzung? Hm. „Ich bin noch nicht zufrieden“, gesteht er. Ehlers möchte noch mal die Werbetrommel rühren und sich dafür einsetzen, dass die 20 Teilnehmer, die bisher bei dieser Initiative mitmachen, sich auch im Mitfahrnetz Segeberg mit Fahrten registrieren. Dort kann man sich anmelden, Fahrten eintragen oder finden.

In der Region gibt es immer mehr Mitfahrbänke. Klicken Sie sich durch die Galerie

„Es wird Zeit, dass wir dort reinkommen. Je enger die Menschen vernetzt sind, desto besser“, so Ehlers. Gemeinden und Dörfer im Kreis haben die Idee bereits selbstständig umgesetzt – mit oder ohne Förderung des Kreises.

Idee wird vielfältig umgesetzt

Sie heißen „Mitfahrbank“ oder „Mitnahmebank“, mit oder ohne Haltestelle, sie sind grün, weiß, blau oder braun: Der Strauß ist derzeit bunt. Eine ganze Mitfahr-Haltestelle steht in Schieren. Die Gemeinde Neversdorf hat bereits mit eigenen Mitteln eine Mitfahrbank installiert – in der Hauptstraße. Kattendorf hat eine Bank und ein Mitfahrhäuschen. In Högersdorf steht eine am Anfang des Dorfes in der Dorfstraße. Angenommen werde sie noch nicht so gut, sagt Bürgermeisterin Renate Wieck. „Irgendwie passt es immer nicht.“ Es sei schon ein echter Zufall, wenn die Leute in dieselbe Richtung wollen. „Aber wir wollen das weiter im Gespräch halten, weil wir ein Interesse daran haben, so umweltfreundlich wie möglich zu sein.“

Kreis verlost Mitfahrgelegenheit mit dem Landrat

„Auf Landfahrt mit dem Landrat“: Das Mitfahrnetz Segeberg soll wachsen. Um auf die Plattform aufmerksam machen, verlost der Kreis in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Kreises, der WKS, eine Mitfahrt mit Landrat Jan Peter Schröder. Es geht am Mittwoch, 5. September, nach Kaltenkirchen zum Segeberger Wirtschaftstag.

Wer gewinnen will, registriert sich beim Mitfahrnetz und wählt die vom Landrat für den 5. September eingestellte Fahrt aus. In der dazugehörigen Nachricht muss der gewünschte Abholort in oder um Bad Segeberg angegeben werden. Die Teilnahmefrist endet am Dienstag, 4. September, um 12 Uhr. Dann zieht das Team des Mitfahrnetzes den Gewinner, der direkt informiert wird.

Doch alle sollen von der Aktion profitieren: Durch die Registrierung im Mitfahrnetz kann jeder die Gemeinschaft nutzen und sich über das Portal oder telefonisch unter der kostenlosen Hotline 04551/951555 zu gemeinsamen Fahrten verabreden.

Das Mitfahrnetz wird getragen vom Kreis Segeberg und den regionalen Kommunen. Gefördert wird es mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) über die „AktivRegionenHolsteins Herz, Holsteiner Auenland und Alsterland.

Seth und Stuvenborn sind schon konkreter: Die Sether fahren gern in den Nachbarort zum Einkaufen. Die eine Bank steht in der Schulstraße, die andere vorm Supermarkt. Seit diesem Sommer steht zudem in Schmalensee an der Dorfeiche eine bunte Mitfahrbank. Weede hat seit diesem Sommer sogar vier. „In allen Ortsteilen“, sagt Bürgermeister Bernd Sulimma – Söhren, Steinbek, Weede und Mielsdorf. „Sie wurden vom Kreis finanziert“, sagt er, die Gemeinde hatte keine Kosten. Nach seinem Gefühl läuft es eher schleppend an. „Ich habe dort noch niemanden sitzen sehen“, so Sulimma.

Kaum jemand nimmt bisher Platz

„Das ist wie mit dem Bürgerbus, es muss sich erst einspielen“, vermutet er. Gern aufgesprungen sei die Gemeinde dennoch. „Es ist eine gute Sache. Denn verkehrsmäßig sind wir nicht unbedingt auf Rosen gebettet.“ Zudem fördere es die Gemeinschaft.

Die Kommunen wollen werben

Eine Mitfahrgelegenheit über die Plattform des Kreises mitfahrnetz.segeberg.de zu finden – mit oder ohne Bank – ist bisher ebenfalls nicht leicht. Das Portal wächst erst: Wer von Wahlstedt nach Bad Segeberg möchte, wird jedoch fündig. Genauso wie Pendler nach Hamburg von Leezen, Högersdorf, Wittenborn oder Bad Segeberg aus. Vergleichsweise unkonventionelle Verbindungen wären Leezen-Bad Oldesloe, Schwissel-Ammersbek oder Kaltenkirchen-Schleswig. 180 Nutzer gibt es aktuell mit offiziellen Profilen, 40 Gemeinden haben sich verpflichtet, dafür zu werben. „Etliche weitere haben angekündigt, das in ihren Sitzungen im Herbst anzugehen“, sagt Projektleiterin Julia Maßow.

Angebot übersteigt die Nachfrage

23 Bänke sind über den Kreis in der Region installiert worden. Mit dem Levo-Park Bad Segeberg kam im Juli ein erster großer Wirtschaftspartner ins Boot. So soll es weitergehen, es wird mit Firmen verhandelt. Wie oft sich Personen tatsächlich verabredet haben, dazu möchte sie nichts sagen – keine nennenswerte Zahl wohl. Nur so viel: „Wir hatten erwartet, dass Suchende nicht fündig werden würden.“ Doch das Gegenteil sei eingetreten – Angebote gebe es genug. „Doch uns fehlen die Mitfahrer.“ Über die Hotline ist zu erfahren, dass keine handvoll Personen am Tag die Nummer wählt. „Heute waren es zwei, meist sind es weniger“, sagt Bennet Russnak, der ans Telefon geht. Die meisten würden den Weg übers Internet bevorzugen.

EU-gefördertes Projekt

40 000 Mal wurde das Mitfahrnetz seit Beginn Mitte Januar 2018 aufgerufen. Es ist ein Angebot, das die Gemeinden nichts kostet: Das Netzwerk, das per Online-Plattform, App und Telefonzentrale Fahrer und Mitfahrer auch für Kurzfahrten zusammenführen soll, wird mit EU-Fördergeldern in Höhe von knapp 145000 Euro bezuschusst. Insgesamt soll das dreijährige Projekt 250 000 Euro kosten. Die Bänke werden vom Kreis gesponsert.

Doch Julia Maßow würde nicht sagen, dass es schlecht läuft. Es gebe jede Woche Anfragen. „Es ist ein Thema, was beschäftigt. Jetzt wäre es noch schön, wenn es ein Erfolg wird“, sagt sie.

Aufkleber vermitteln Sicherheit

Alle Initiativen können voneinander profitieren: Die Südstadt-Initiative hat zum Beispiel blaue Aufkleber für die Windschutzscheibe entwickelt, was nach außen sicherer und seriöser wirkt. Beim Kreis sind nach der Anmeldung rote Aufkleber zu bekommen. Nicht nur Michael Ehlers und Weedes Bürgermeister Bernd Sulimma finden das sinnvoll. Für niemanden sei es schließlich leicht, sich in ein unbekanntes Auto zu setzen oder fremde Personen mitzunehmen. Sulimma: „Es würde bestimmt etwas besser laufen, wenn alle mehr vernetzt, alles ein bisschen einheitlicher wäre.“ Gerade für ältere Menschen sei das nicht so einfach. Und vielleicht klappt es ja dann auf einmal doch reibungslos: Sich vorher über die Online-Plattform verabreden, die Bänke als Treffpunkt nutzen, und immer wieder gemeinsam fahren. Das ist es zumindest auch, was der Kreis empfiehlt.

Irene Burow