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Segeberg Gutachten: „Ehemann ist voll schuldfähig“
Lokales Segeberg Gutachten: „Ehemann ist voll schuldfähig“
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19:09 13.12.2018
Der Angeklagte soll seine Frau am 1. November 2017 im Beisein des Sohnes erschlagen haben – die Leiche wurde später am Schackendorfer Ortsrand gefunden. Quelle: Nadine Materne
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Kiel/Schackendorf

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bezeichnete die Persönlichkeit des Angeklagten, der im November vergangenen Jahres seine trennungswillige Ehefrau (34) bei einem Spaziergang in der Feldmark bei Schackendorf mit einem Zaunpfahl erschlagen haben soll, als durchaus auffällig. Volker L. sei „paranoid strukturiert“, sagte Bachmann. Sein Verhalten weise narzisstische und dissoziale Züge auf.

So neige der Angeklagte dazu, „mehr aus sich zu machen als das, was er ist“. Auch sein Hang zur Eifersucht sei „nicht normal“. Doch alle diese Eigenheiten hätten keinen Krankheitswert, der dem Angeklagten im Fall einer Verurteilung eine erhebliche Einschränkung seiner Steuerungsfähigkeit bescheinigen und damit eine Strafmilderung einbringen könnte.

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Der 48 Jahre alte Angeklagte beim Auftakt des Mordprozesses im Schwurgerichtssaal mit seinem Verteidiger. neben seinem Anwalt Jonas Hennig. Quelle: dpa

Der Gutachter stützte seine knapp zweistündigen Ausführungen auch auf die Beobachtungen zahlreicher Zeugen, die das Verhalten des Mannes und die Beziehung zu seiner Ehefrau an bisher sieben Verhandlungstagen ausführlich und detailliert aus nachbarschaftlicher und kollegialer Sicht beschrieben hatten. Der Sachverständige selbst hatte zu seinem Bedauern keinen Zugang zu Volker L. gefunden.

Angeklagter verhält sich verschlossen

Weil Volker L. sich ihm nicht geöffnet habe, sei es leider bei einem einzigen Vier-Augen-Gespräch in der Justizvollzugsanstalt Neumünster geblieben, sagte Bachmann. Nur zwei Stunden dauerte die Exploration des in U-Haft sitzenden Beschuldigten. Ihm habe sich der Gutachter mit den Worten „Ich bin nicht Freund, ich bin nicht Feind“ als neutraler Sachverständiger vorgestellt, der sich ein Bild machen müsse.

Der erste Eindruck des Psychiaters: Volker L. stellte seine körperlichen Beschwerden stark in den Vordergrund. Er habe extreme Atemnot gezeigt und von seinem Herzschrittmacher berichtet, der in Wirklichkeit ein Defibrillator sei. Volker L. habe sich zunächst nicht zum Gespräch hinsetzen wollen. „Er betonte, nie in psychiatrischer Behandlung gewesen zu sein.“ Er habe jedoch Panikstörungen und depressive Phasen eingeräumt – etwa nach dem Tod seines Vaters.

Volker L. erwies sich für den Gutachter offenbar als harte Nuss. Er sei misstrauisch und unnahbar gewesen, so Bachmann, habe keine Nachfragen zugelassen und abgeblockt, wenn die Sprache auf persönliche Beziehungen in Familie und Ehe kam. Testpsychologischen Untersuchungen habe er sich verweigert.

Nachbarn im Zeugenstand

Trotzdem kam Bachmann unter Einbeziehung der umfangreichen ärztlichen Dokumentation der 20-jährigen Krankengeschichte mit schwerer Darmerkrankung (Morbus Krohn), fortschreitender Herzschwäche und Schlaganfällen zu dem Ergebnis, Volker L. zeige aus psychiatrischer Sicht „keinen klinischen Befund“.

Der Angeklagte weise keine schweren hirnorganische Störungen, keine Zwangssymptomatik, keine kognitiven Einschränkungen und keine schwere seelische Abartigkeit auf. All diese Eigenschaften könnten bei einer positiven Feststellung eine verminderte Schuldfähigkeit begründen.

Bevor der psychiatrische Sachverständige das Wort hatte, hörte das Gericht eine ehemalige Nachbarin des Ehepaars. Wie andere Zeug(inn)en berichtete die Krankenpflegerin von massiven Streitigkeiten. Von einer körperlichen Auseinandersetzung jedoch habe auch sie nichts mitbekommen – weder direkt noch vom Hörensagen.

Eine Kollegin (54) der Getöteten bestätigte, Volker L. sei extrem eifersüchtig gewesen. Immer wieder habe er während ihrer Dienstzeit auf der Station angerufen, um zu kontrollieren, was sie macht. Nadine habe dann ihr Handy hochgehalten und „Sagt mal Hallo!“ gerufen. „Damit er weiß, wer da ist.“ Die Frau habe sich „definitiv endgültig von ihm trennen“ wollen, sagte die Zeugin. „Und das wusste er auch. Nadine hat es ihm erzählt.“

Thomas Geyer

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13.12.2018
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