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Segeberg Musikvideo „Wir sind mehr!“: Sülfeld steht auf und singt gegen Rechts
Lokales Segeberg Musikvideo „Wir sind mehr!“: Sülfeld steht auf und singt gegen Rechts
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21:30 26.11.2019
Musikvideo gegen Rechts Mitten auf der Straße in Sülfeld drehte der einheimische Musiker Manuel Baldermann jetzt ein Musikvideo gegen rechtsextreme Umtriebe im Dorf. Quelle: F
Sülfeld

Eine Gemeinde zeigt Flagge gegen rechte Umtriebe. Sülfeld singt, rappt und tanzt gegen den aufkommenden Neofaschismus. Seit dort vor einigen Wochen Bewohner von mutmaßlich Rechtsradikalen tätlich angegriffen wurden, geht ein Ruck durch das 3000 Einwohner zählende Dorf, sich dagegen zu wehren.

Jetzt hat der Sülfelder Musiker Manuel „Baldikin“ Baldermann mit rund zwei Dutzend Menschen ein Musik-Video als Rap im Ort gedreht, dessen Kernaussagen klar und deutlich lauten: „Sülfeld wird stets zusammenhalten. Ein Dorf. Eine Einheit. Wie ein Hort für unabhängige Freiheit . . . Wir sind mehr, das ist unsere Weisheit . . . Wir werden unser Verhalten gegen euch verstärken. Rechtsextremismus wird hier sterben.“

„Wir müssen unser Gesicht zeigen“

Unter den Mit-Rappern ist auch Sülfelds Pastor Steffen Paar. Auch wenn er sonst eher klassische Musik höre, habe er sich sofort bereiterklärt mitzumachen, als ihm „der kreative Kopf“ Baldermann von dieser Idee erzählte. „Für die Gemeinde ist das eine wichtige Sache“, sagt Paar. „Wir müssen unser Gesicht zeigen und so öffentlich machen, dass wir uns als Dorfgemeinschaft nicht unterkriegen lassen.“

Sülfeld Musikvideo gegen Rechts ; Gedreht vor in der Remise, draußen vor der Kirche und mitten auf der Straße in Sülfeld. Quelle: Fuchs

Zwar scheine die größte Gefahr gebannt zu sein, da einer der in Sülfeld aufgetretenen Neonazis jetzt in Untersuchungshaft sitzen solle und seine beiden Kumpane womöglich auch das Dorf verlassen hätten, sagt der Pastor. „Aber wir müssen weiter Flagge zeigen gegen Rechts. „Die Leute müssen lernen, dass wir nur in Freiheit leben können, wenn wir etwas dafür tun. Das ist Demokratie. Freiheit fällt nicht vom Himmel.“

Musikvideo eine „absolute Bereicherung“

Er wisse aber auch, dass manche im Dorf dies anders sähen und meinten, jetzt, wo die Neonazis anscheinend weg seien, brauche man nichts mehr zu tun. „Aber wir müssen weiter wachsam bleiben“, fordert Pastor Paar, der das Musik-Video für eine „absolute Bereicherung“ für die Dorfgemeinschaft hält.

 Sülfelds Pastor Steffen Paar sagt: Wir müssen unser Gesicht zeigen und so öffentlich machen, dass wir uns als Dorfgemeinschaft nicht unterkriegen lassen.  Quelle: Fuchs

Initiator Baldermann zeigte sich zufrieden mit dem Anklang, den seine Aktion fand. Es hätten ein paar mehr Teilnehmer sein dürfen. „Aber einige im Dorf haben regelrecht Angst“, weiß der Musiker, der seit 25 Jahren in Sülfeld lebt und sich auch für die Flüchtlinge einsetzt. Keiner lasse seine Kinder mehr unbeobachtet und abends allein auf der Straße. Aber die Menschen dürften sich nicht damit abfinden und sollten es nicht tatenlos hinnehmen, dass ein paar Neonazis ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken versetzten. „Ich bin schon immer dagegen angegangen, wenn ich etwas für ungerecht hielt“, erklärt Baldermann seine Motivation. Das sei schon als Kind so gewesen, als er in der Schule als klein und rothaarig gehänselt und gemobbt worden sei. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.“

Viel Zuspruch auch aus der Region

Die Aktion hat sich im Kreis Segeberg und darüber hinaus herumgesprochen. Ingolf Seiss aus Leezen, der lieber Rockmusik als Hip-Hop hört, war sofort klar, als er davon hörte: „Solidarität zu zeigen, ist jetzt das Wichtigste. Rassistisches Gedankengut ist von gestern und sollte es bleiben.“ Detlef Mielke aus Elmenhorst hält es „für wichtig, gegen Neonazis und Faschismus aufzustehen und aufzupassen, dass nicht wieder so ein menschenverachtendes Zwangssystem hierzulande Platz greift“. Alle Menschen auf der Welt hätten dieselben Rechte. „Ich will dahin fahren können, wohin ich will. Diese Freiheit gilt für alle.“

Auch „Omas gegen Rechts“ mit dabei

Jung und Alt beteiligten sich an der Aktion, die mit den Dreharbeiten in der Kirchen-Remise, aber auch auf der Straße und vor der Kirche für jedermann öffentlich zu sehen war. Ein 86 Jahre alter Rentner, den der Pastor gleich beim Namen nannte, wollte „als Opa gegen Rechts“ sofort mitmachen, als er die „Omas gegen Rechts“ mit ihren Plakaten sah. Und der Kurde Ahmed Jaf hatte gleich seine Frau und drei Kinder zum Mitsingen gegen Rechtsextremismus mitgebracht.

Ingo Singelmann, der sich als einer der ersten ans Mikrofon traute, war sogar aus Ahrensburg nach Sülfeld gekommen, um Solidarität zu zeigen. Dort zeige der politische Fußballverein „Roter Stern Kickers“ seit Jahren Flagge gegen Rechts. „Ich finde diese Aktion sehr gut. Rechtsradikale Parolen dürfen sich nicht verfestigen.“

In Bad Segeberg treffen sich die „Omas gegen Rechts“ das nächste Mal am Donnerstag, 28. November, um 18 Uhr in der Kneipe Olive in der Oldesloer Straße 53. Weitere Mitstreiterinnen seien herzlich willkommen, sagt Oma Irene aus der Kreisstadt.

Wer das Musik-Video „Wir sind mehr!“ von Manuel Baldermann, Steffen Paar und ihren Mitstreitern aus Sülfeld sehen und hören möchte: Wenn es in einigen Tagen als etwa dreiminütiger Clip fertig sei, werde er es auf dem Streamingkanal YouTube im Internet hochladen, kündigt Initiator Baldermann an.

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Von Burkhard Fuchs

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