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Segeberg Nach 31 Jahren: Pastor Pommerening verlässt Bad Segeberg
Lokales Segeberg Nach 31 Jahren: Pastor Pommerening verlässt Bad Segeberg
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13:19 16.05.2019
Martin Pommerening (61), Bad Segebergs dienstältester Pastor verlässt nach 31 Jahren die Südstadtgemeinde und tritt eine neue Stelle als Pastor im Pfarrbezirk 1 in Bad Oldesloe an.  Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Die Palette mit Umzugskartons steht schon im Carport bereit. 150 Stück sind es insgesamt. „Die Spedition meinte, dass wir so viele wohl brauchen werden“, sagt Martin Pommerening. Es ist wohl auch kein Wunder, denn innerhalb von drei Jahrzehnten sammelt sich so einiges an im Leben. 31 Jahre hat der heute 61-Jährige als Pastor in der Südstadtgemeinde in Bad Segeberg gewirkt, hat ungezählte Ehen geschlossen, Taufen vollzogen und von lange gekannten Menschen Abschied gefeiert; sein Sohn ist in Bad Segeberg geboren und erwachsen geworden.

Doch dieses Kapitel endet jetzt. Wenige Jahre vor seiner Pensionierung wagt Pommerening noch einen Neustart. Am 31. Mai wird Bad Segebergs dienstältester Pastor seine Gemeinde verlassen und eine neue Pfarrstelle in Bad Oldesloe antreten. Warum, nach so langer Zeit?

Wechsel erfolgt aus persönlichen Gründen

„Das hat einfach nur persönliche Gründe“, stellt Pommerening klar. Seine Frau Ursula arbeitete als Pastorin im Kirchenkreis Hamburg-Ost. Und da liege Oldesloe verkehrlich einfach näher. Zudem sei das 200-Quadratmeter-Pastorat an der Versöhnerkirche für beide inzwischen viel zu groß geworden. „Und ich weiß nicht, ob ich das übers Herz gebracht hätte, hier alles auszuräumen, wenn ich bis zu meiner Pensionierung gewartet hätte.“

Der Sohn lebe mittlerweile in Indien. Und für ihn und seine Frau sei es jetzt der richtige Zeitpunkt für eine solche Veränderung. Seine Gemeinde in der Südstadt und die Menschen liegen ihm gleichwohl am Herzen. „Wenn es nur danach ginge, wäre ich ganz sicher geblieben“, sagt der Seelsorger. „Für die vergangenen Jahre bin ich unglaublich dankbar, ich habe so vieles gelernt, so vieles bekommen und so viele Menschen kennengelernt, die mir Gutes getan haben.“ Natürlich sei das alles nicht leicht zurückzulassen. Andererseits spüre er jetzt auch eine gewisse Aufbruchstimmung. Die Stelle in Bad Oldesloe im Pfarrbezirk 1 sei sehr attraktiv, die Gemeinde ähnlich wie in Bad Segeberg. „Und ich freue mich darauf, alles, was ich hier gelernt habe, dort umsetzen zu können.“ Pommerening tritt in Bad Oldesloe die Nachfolge von Pastor Nikolaj Dušek und wird in der gesamten Kirchengemeinde Oldesloe eingesetzt. Die Stelle war zuvor ein Jahr lang vakant.

„Hätte mir icht vorstellen können, so lange zu bleiben“

31 Jahre am Kalkberg zu bleiben, sei auch gar nicht geplant gewesen. Ursprünglich war es seine Frau Ursula Sieg, die sich als junge Pastorin – „Sie war mit dem Studium ein bisschen früher fertig als ich“ – 1988 für Bad Segeberg entschieden hatte, erzählt der gebürtige Hamburger. Zunächst teilte sich das Paar die Pfarrstelle, 1993 wechselte seine Frau auf eine eigene Stelle in Hamburg. „Unser Vorgänger Otto Heidrich war 30 Jahre und einen Tag Pastor in dieser Gemeinde. Damals hätte ich es mir nicht annähernd vorstellen können, ebenso lange hier zu sein – aber dann fand ich das hier richtig gut.“

150 Kartons liegen für den Umzug von Martin Pommerening (61) und seiner Frau nach Bad Oldesloe bereit.  Quelle: Oliver Vogt

Im Team habe man in der Gemeinde einiges auf den Weg gebracht. Der Bau des Familienzentrums gehört dazu, neue, zeitgemäße Formen des Gottesdienstes wie der Film- oder der Frühstücksgottesdienst wurden aus der Taufe gehoben. „Auch im Südstadtbeirat war es für die Stadt damals ganz selbstverständlich, dass mit mir auch ein Vertreter der Kirche dabei sein würde.“ So habe es intensive Kontakte zu Vereinen und zu Institutionen gegeben. Gute Zusammenarbeit auch mit denen, die vielleicht nicht in die Kirche gehen.

Vor der Zukunft in einer Kirche mit immer weniger Mitgliedern, wie eine Studie vor Kurzem prognostiziert hatte, gibt es für Pommerening keinen Grund zur Panik. „Das ist natürlich besorgniserregend und ich nehme auch vor Ort wahr, wie sich da in den vergangenen Jahren einiges gewandelt hat, wenn auf Beerdigungen die Verstorbenen die letzten Kirchenmitglieder in einer Familie waren.“ Rein organisatorisch könne diese Entwicklung auch kaum aufgehalten werden. „Ich bin aber sicher, dass Kirche auch in Zukunft die Menschen noch durch gute Arbeit überzeugen kann“.

Die ganze Familie liebt Star Trek

Was viele nicht wissen: Pommerening, Frau und Sohn sind begeisterte „Trekkies“, lieben die Star-Trek-Fernsehserien rund um das Raumschiff Enterprise, Kirk, Spock, Data und Picard. „Meine Mutter hat die Folgen früher meinem Sohn gezeigt. Und davon ist dann die ganze Familie angesteckt worden.“ Krimis und dergleichen könne er sich nicht angucken, Düsternis und Gewalttätigkeit gebe es im realen Leben aus seiner Sicht genug. Aber bei Star Trek wisse man eben, dass am Ende alles irgendwie gut ausgehe. „Wie mit Gott und den Menschen. Diese Geschichte wird am Ende auch gut ausgehen, das ist meine tiefe Überzeugung“, sagt Martin Pommerening.

Am kommenden Sonntag, 26. Mai, soll der Pastor bei einem 10-Uhr-Gottesdienst feierlich verabschiedet werden. „Es gibt einige in der Gemeinde, die sind fast böse mit mir, dass ich jetzt gehe, auch wenn sie den Grund verstehen.“ Da sei sicher viel Traurigkeit über seinen Entschluss.

Er selbst denke dann gerne an Worte von Vorgänger Otto Heidrich bei dessen Abschied zurück: „Einem Briefträger wird auch nicht nachgetrauert, wenn die Post auf einmal von einem anderen gebracht wird, hat er damals gesagt.“ Letztlich sei ja auch ein Pastor nur ein Dienstleister, der statt der Post eben nur die christliche Botschaft verbreite. Und das könne auch ein anderer machen. „Ein sehr schönes Bild, wie ich finde. Es macht mir den Abschied etwas leichter.“

Oliver Vogt

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