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Segeberg Nach Baupfusch: Frisches Geld für Vicelinkirche in Bornhöved
Lokales Segeberg Nach Baupfusch: Frisches Geld für Vicelinkirche in Bornhöved
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18:00 29.07.2019
Der nächste Bauabschnitt kann beginnen, die Finanzierung steht. Die Pastorinnen Annett Weinbrenner und Ulrike Egener mit Wolfgang von Ancken (Stiftung Denkmalschutz), Claudia Kerlen (Nordwest Lotto) und Jochen Hildebrandt vom Kirchengemeinderat (v.l.). Quelle: Irene Burow
Bornhöved

Sie gehört zu den ältesten Gebäuden Schleswig-Holsteins. Nachdem das Gotteshaus St. Jakobi in Bornhöved vor 20 Jahren Baupfusch durch Materialschaden zum Opfer gefallen war, gibt es nun wieder eine gute Nachricht: Die Finanzierung des zweiten, neuen Bauabschnitts steht.

Die Finanzierung steht – zweiter Bauabschnitt beginnt

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz spendiert 25 000 Euro. Aus Bundesmitteln sind 250 000 Euro zugesagt. „Projekte werden bis zu 50 Prozent gefördert, wir haben 44 Prozent gekriegt“, freut sich Pastorin Ulrike Egener.

Wäre die Geschichte der Sanierung – bis hin zur Einsturzgefahr – nicht so tragisch, könnte die Freude am Bauwerk längst größer sein. „Mit mir fing das Chaos an“, sagt Jochen Hildebrandt, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates.

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1998 wurde er in das Gremium gewählt. Damals gab es Salzausblühungen an den Wänden der Kirche. „Wir dachten, abbürsten und eine Kalktünche würden reichen. Dann wollten wir aber doch einen namhaften Architekten.“ Damals dachten die Macher, mit Kalkmörtel alles richtig zu machen. Im Sprühverfahren wurde das Material aufgetragen. „Es sah wunderbar aus“, erinnert sich Hildebrandt.

Jahrelanger Rechtsstreit folgte

Doch dann nahm das Drama seinen Lauf. Schon nach einem Jahr wurden feine Haarrisse entdeckt. „Wir nahmen an, der Muschelkalkmörtel sei nicht in Ordnung. Doch der reagierte mit Gips. Die Südseite zuerst“, sagt der Bauingenieur. Mit einem Hochdruckreiniger seien die Wände zunächst gesäubert worden. Der Mörtel war bei dieser Feuchtigkeit nicht richtig ausgehärtet.

„Wir standen vor einem Scherbenhaufen“, sagt er. Ein Schlichtungsverfahren scheiterte, ein jahrelanger Rechtsstreit folge. 2013 wurde beim Landgericht Kiel Klage gegen den Kieler Architekten eingereicht. Für viel Geld wurden Gutachter und Fachleute beauftragt. 

Entstehung von Vicelinkirche St. Jakobi

Die einschiffige Landkirche wurde um 1150 geweiht. Von St. Jakobi ist das flachgedeckte, im Gipsmörtelgussverfahren errichtete Feldsteinschiff erhalten. Diese Technik ist noch in der Kirche Bosau zu finden. Zwischen 1661 und 1664 wurde das Schiff verlängert. Backsteinstützpfeiler, Fachwerkgiebel und Sakristeianbau im Süden stammen aus der Zeit um 1735. Der neuromanische Backsteinturm im Westen entstand 1866. An der dahinterliegenden Westwand des Schiffes haben sich Spuren eines Rundturmes erhalten, den man durch eine Grabung nachweisen konnte. Das Gotteshauses beherbergt eine Rokokokanzel von 1770 mit bauchigem Korb.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat seit 1985 etwa 5500 Denkmale in Deutschland gefördert, 200 davon in Schleswig-Holstein. Möglich wird das durch Spenden von rund 200 000 Förderern und Mitteln der Lotterie Glücksspirale, der Rentenlotterie von Lotto. In 2019 wurden landesweit bisher 15 Projekte unterstützt, unter anderem die Bornhöveder Kirche.

Im Zuge des Beweissicherungsverfahrens musste der Altarraum gesperrt werden, weil sich die Wände wölbten. Bis zu 25 Zentimeter große Hohlräume entstanden. Beulen und Risse waren über die Jahre immer größer geworden – erst 14 Jahre nach der Sanierung. „Der Architekt wurde schuldig gesprochen. Der ganze Prozess hat uns viel Zeit gekostet“, sagt Jochen Hildebrandt.

Inzwischen wurde neues Material gefunden. Hochbrandgips aus dem Nordharz schien geeignet. So wurde vor zwei Jahren damit begonnen, die schadhafte Schicht abzutragen und mit dem Gipsmörtel wieder neu aufzubauen. „Das wird bombenfest“, so Hildebrandt. Lediglich eine minimale Schicht würde sich lösen: „Wir suchen derzeit nach einer Tünche, die haften bleibt.“

So geht es weiter

180 000 Euro wurden im ersten Bauabschnitt 2017 verbaut. Die anstehende zweite Teilsanierung kostet 570 000 Euro. Die Differenz steuert die Gemeinde aus Eigenmitteln bei. Startschuss für die Ost- und Nordwand sowie den Westgiebel ist im Frühjahr 2020. Mit der Fertigstellung wird 2021 gerechnet. In den Jahren 2022 und 2023 soll der dritte Bauabschnitt folgen. Restauriert werden dann die Südwand und der südliche Westgiebel am Kirchturm. Dann ist die Außenwand fertig. Im Innenraum der Kirche soll es 2024 und 2025 weitergehen. Kosten dafür: 600 000 Euro.

Millionenkredit von damals noch nicht getilgt

Wolfgang von Ancken, Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Quelle: Irene Burow

„Wir fördern nur Denkmale aller erster Klasse. Bedingung ist auch, dass die alte Bausubstanz erhalten bleibt“, sagt Wolfgang von Ancken. Der Kieler Ortskurator Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) hatte sich jüngst über die Restaurierungsmaßnahmen erkundigt. „Die 900 Jahre alte Kirche gehört zu den wichtigsten Kulturdenkmalen in Schleswig-Holstein“, begründet er die erneute Unterstützung der Stiftung. Bereits 2017 wurde ein Zuschuss von 60 000 Euro gewährt.

Die Finanzierung ist ein hartes Stück Brot für die Gemeinde. Denn den Kredit von vor 20 Jahren, damals 1,3 Millionen D-Mark, zahlt sie bis heute ab.

Irene Burow

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