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Segeberg Nach Vergewaltigung: Polizei startet DNA-Test
Lokales Segeberg Nach Vergewaltigung: Polizei startet DNA-Test
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16:03 21.11.2019
Die Phantombilder der Tatverdächtigen. Im Hintergrund eine Panorama-Aufnahme der Veranstaltung. Quelle: Heike Hiltrop/Polizei / Montage: RND
Hartenholm

Eine Reihe männlicher Besucher des Werner-Rennens auf dem Flugplatz Hartenholm müssen sich in diesen Tagen auf Post von der Polizei einstellen. Nachdem die Veröffentlichung von Phantombildern und die Auswertung von Videoaufnahmen eine große Zahl von Hinweisen auf die beiden Täter erbracht haben, die am letzten Festivaltag am Sonntag, 1. September, eine 19-Jährige vergewaltigt haben, zücken die Ermittler jetzt eine ihrer schlagkräftigsten Waffen: die DNA-Reihenuntersuchung.

Post von der Polizei

Die potenziell Verdächtigen werden in einem Schreiben in den kommenden Tagen zur Abgabe eine Speichelprobe für die Analyse des genetischen Fingerabdrucks aufgefordert, teilte Polizeisprecherin Silke Westphal am Donnerstag mit. Das zuständige Amtsgericht Kiel habe einen entsprechenden Beschluss gefasst. Wie groß der Kreis der angeschriebenen Männer ist und woher sie aus Deutschland kommen, dazu machten Polizei und die Staatsanwaltschaft in Kiel aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben.

Polizei sucht mit Phantombildern nach den beiden mutmaßlichen Vergewaltigern einer 19-Jährigen am Rande des Werner-Rennens Quelle: Polizei SH

Erste Ergebnisse in etwa einem Monat

Man hoffe darauf, dass sich möglichst viele der Männer freiwillig an der Untersuchung teilnehmen, sagt Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Natürlich diene die Reihenuntersuchung in erster Linie dazu, die Täter zu ermitteln, „aber ebenso, Unschuldige von einem falschen Verdacht zu entlasten“, stellt Bieler klar. Denn es sei keineswegs ausgeschlossen, dass mit der Veröffentlichung der Phantombilder auch Festival-Besucher in den Fokus geraten sind, die den beiden Verdächtigen nur ähnlich sehen, mit der Tat aber nichts zu tun haben.

Bieler geht davon aus, „dass wir in etwa einem Monat mit unseren Ermittlungen bereits ein Stück weiter sind“. Zunächst würden die freiwillig abgegeben Proben untersucht. Wer seine Speichelprobe verweigert, könne sich aber kaum darauf verlassen, dass die Sache damit für ihn erledigt sei, erklärt der Oberstaatsanwalt. Die Ermittlungen liefen weiter. Bei hinreichendem Verdacht könne jemand auch per Gerichtsbeschluss zur Abgabe einer Speichelprobe gezwungen werden.

Hintergrund: DNA-Reihenuntersuchung

Bei einer DNA-Reihenuntersuchung (auch „Massengentest“ genannt) wird per DNA-Analyse der genetische Fingerabdruck von Menschen festgestellt. Sie kommt zum Einsatz, wenn DNA-Spuren des Täters vorliegen. Die Teilnahme an einem solchen Test ist freiwillig – auch die Weigerung darf nicht als Verdachtsmoment gewertet werden. Gibt es allerdings darüber hinaus eine begründeten Verdacht, kann ein Gericht auch die zwangsweise Entnahme einer Speichelprobe anordnen.

Mit Hilfe der DNA-Reihenuntersuchung ist es auch möglich, jahrzehntealte Kriminalfälle noch aufzuklären. So konnte im Jahr 2011 der fünffache Frauenmörder Hans-Jürgen S. aus Henstedt-Ulzburgdurch einen Gentest ermittelt und angeklagt werden.

Polizei sucht weiterhin Zeugen der Tat

Ereignet hatte sich die Tat am Sonntag in der Zeit zwischen 1.30 und 2.30 Uhr morgens auf dem Campingplatz C, dem „Breite-Masse-Camp“ nordwestlich des Festivalgeländes auf dem Flugplatz. Das 19 Jahre alte Opfer war dort im Bereich der Toiletten unterwegs, als sie auf die Täter traf.

Beide Männer sollen zwischen 30 und 40 Jahren alt sein. Einer wird als etwa zwei Meter groß und mit schlanker, trainierter Statur beschrieben. Er soll einen Dreitagebart, sehr kurze dunkle Haare und Segelohren haben. Auf dem Phantombild, das die Polizei nach Aussagen des Opfers angefertigt hat, trägt der Mann auch einen auffälligen Ohrschmuck, sogenannte Tunnel. Er war mit einem grauen T-Shirt bekleidet.

Der zweite Mann soll 1,80 Meter groß sein, einen dichten Vollbart tragen und einen dicken Bauch („Bierbauch“) haben. Seine Haare sollen kurz und von blonder/brauner Farbe. Während der Tat trug er ein rotes T-Shirt.

Festivalbesucher konnten nach einem Fahndungsaufruf Bild- und Videomaterial im Internet bei der Polizei hochladen. Es werden aber auch weiterhin Zeugen gesucht, die Angaben zu der Tat oder den Täter machen können oder Personen kennen, die den Phantombildern ähnlich sehen. Hinweise werden bei der Kriminalpolizei in Bad Segeberg unter Telefon 04551/88 40 entgegengenommen.

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