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Segeberg Nach dem Gas-Unfall: Wehr will neue Daten-Software einsetzen
Lokales Segeberg Nach dem Gas-Unfall: Wehr will neue Daten-Software einsetzen
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00:16 10.09.2014
Der Fahrer starb bei der Explosion seines mit Gas betriebenen Autos. Zehn Feuerwehrleute wurden verletzt, zum Teil schwer.
Der Fahrer starb bei der Explosion seines mit Gas betriebenen Autos. Zehn Feuerwehrleute wurden verletzt, zum Teil schwer. Quelle: Glombik
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Rohlstorf

Der schreckliche Unfall vom 15. August in Rohlstorf, bei dem der Fahrer eines gasbetriebenen Autos zu Tode kam und zehn Feuerwehrleute zum Teil schwer verletzt wurden, lastet immer noch auf den Feuerwehren des Kreises. Lange beschäftigte man sich beim turnusmäßigen Treffen der Wehrführer am Montagabend mit den Folgen dieses Unfalls. Eine erste Abhilfe ist in Sicht: Der Kreisfeuerwehrverband hat eine Software beschafft, mit der die Daten eines Unfallautos sekundenschnell bei der Rettungsleitstellen auflaufen und sofort an die Einsatzleiter weitergegeben werden können.

Zum Thema: Kreis Stormarn sieht Segeberger Unfall-Software skeptisch

„Es reicht das Autokennzeichen zur Anfrage, und dann spuckt der Computer sofort die Daten aus“, sagte Kreiswehrführer Rolf Gloyer den LN. Nicht nur, ob das Auto einen Gastank hat, wird dann sofort offenbar, sondern auch andere Daten, zum Beispiel welcher Art der Antrieb ist und wie man ein solches Auto im Einsatzfall am besten auftrennen kann. Gloyer: „So ein Dossier kann bis zu vier Seiten umfassen und per Knopfdruck von den Disponenten in der Leitstelle sofort auf die Notebooks oder Faxgeräte der Einsatzfahrzeuge geschickt werden.“

So sind die Retter rasch über Gefahrenlagen informiert und können entsprechend reagieren. Der Kreisfeuerwehrverband empfiehlt den Einsatzleitern in solchen Fällen eine Absperrung von 20 Metern Entfernung zum verunglückten Fahrzeug in jede Richtung. Innerhalb dieser Zone dürfen dann nur Feuerwehrleute hinein, die unmittelbar mit dem Löschen des Wagens und dem Bergen des Fahrers zu tun haben. Und diese Feuerwehrleute, so empfiehlt der Kreisfeuerwehrverband, dürfen nur unter vollem Atemschutz samt Brandschutzhaube agieren.

Beim Rohlstorfer Unfall waren zwar auch die mit Atemschutz versehenen Helfer durch die Druckwelle der Explosion durch die Gegend geschleudert worden, kamen aber wegen ihrer Schutzausrüstung mit leichteren Verletzungen davon. Wer weiter weg stand, aber keine Schutzkleidung trug, erlitt schwere Verbrennungen. Ein Rohlstorfer Feuerwehrmann befindet sich heute, fast einen Monat nach dem Unfall, immer noch in einer Reha-Maßnahme. So hat der Feuerwehrband seine wichtigsten Abhilfemaßnahmen getroffen. „Anordnen“, so Gloyer, „können wir gar nichts. Dies sind nur dringende Empfehlungen an den jeweiligen Einsatzleiter bei Unfällen.“

Der Unfall lässt die Wehren weiter nicht zur Ruhe kommen. „Das bisherige Gutachten zur Unfallursache reicht uns nicht“, sagt Gloyer. Ein von der Polizei beauftragter Gutachter hatte erklärt, dass durch den fehlerhaften Einbau eines nachgerüsteten Gastanks eine Ablagerung im Überdruckventil entstanden sei. Ein Kautschukteil des Schlauches, der das Ventil verschließen sollte, habe dazu geführt, dass der Druckanstieg im Tank nicht ausgeglichen werden konnte und es zur Explosion kam.

„Dieser Fall ist bundesweit ein Novum. Deshalb muss noch eine tiefer gehende Untersuchung erfolgen“, fordert Gloyer nach dem Abend mit seinen Wehrführer-Kollegen aus Segebergs Städten und Ämtern.

„Welche Ablagerungen waren das vor diesem Tank? Und wie sind sie hineingekommen?“, das seien nur einige der Fragen.

„Wir haben gelernt, dass auch Gas-Autos nicht explodieren können und haben das in der Ausbildung auch immer so weitergegeben“, erklärte Bad Segebergs Gemeindewehrführer Mark Zielinski. „Nun hat man erstmals erlebt, dass dies doch geschehen kann.“ Das unterstreicht Kreiswehrführer Gloyer: „Wenn im ,Tatort‘ oder in anderen Krimis zwei Autos in einem gewaltigen Feuerball explodieren, sobald sie zusammengestoßen sind, ist das reine Fiktion.“ Nun gelte es, bis ins kleinste Detail zu untersuchen, warum dies in Rohlstorf doch habe geschehen können. Zu überlegen sei auch, so Zielinski, ob der Tüv künftig Ventile und andere technische Details bei gasbetriebenen Wagen anders oder häufiger kontrollieren solle. „Das Ganze hat eine Dynamik bekommen. Da müssen wir reagieren. ,Zwei B-Schlauch-Längen‘ als Abstand reichen da zur Abwehr nicht aus.“

Noch Bedenken in Stormarn
Die neue Software sei zwar bekannt, doch müsse sie ihre Vorzüge noch beweisen, sagt Stormarns Kreiswehrführer Gerd Riemann. Bereits vor 18 Monaten habe „eine unserer Wehren“ die Anschaffung vorgeschlagen. Der Haken sei, dass die Brandschützer über einen Tablet-PC selbst an die Daten des Kraftfahrbundesamtes kommen wollten. Das dürfte allenfalls die Leitstelle. So sei das Vorhaben, bedingt auch durch einen personellen Wechsel in der Führung der Leitstelle, auf Eis gelegt worden. Das Thema dürfte bei der nächsten Zusammenkunft der Brandmeister von Ostholstein, Lauenburg und Stormarn mit den Vertretern ihrer Leitstelle in Bad Oldesloe neu auf der Tagesordnung stehen. Die Einführung solcher Technik würde einen Diskussionsmarathon um Datenschutz nach sich ziehen, sagt dagegen Stormarns Ordnungsamtsleiterin Anja Kühl. uk

Lothar Hermann Kullack