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Segeberg Nach dem Tod einer Elfjährigen: ADFC fordert Konsequenzen
Lokales Segeberg Nach dem Tod einer Elfjährigen: ADFC fordert Konsequenzen
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10:21 27.10.2019
An der Unfallstelle stehen Lichter und Blumen: Der Unfalltod einer elfjährigen Schülerin hat Trauer und Wut ausgelöst. Quelle: Herbst
Kisdorf

„Wir trauern um die Elfjährige. Die Schülerin war mit dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg. Sie befuhr den vorgeschriebenen Radweg und wurde von einem Autofahrer getötet, als er ihr die Vorfahrt nahm. Wir sind erschüttert und leiden mit der Familie und wir sind voller Wut.“ Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen äußert in seiner Pressemitteilung heftige Vorwürfe gegen Verantwortliche, die den Schülern „seit Jahren nicht den nötigen Raum geben, um sicher zur Schule zu kommen“. Wütend ist Jens Daberkow, Leiter der ADFC-Ortsgruppe in Henstedt Ulzburg auch, weil „die Zustände seit langem bekannt sind und nichts getan wird, obwohl es für sichere Radwege auch Fördermittel gibt, die aus Untätigkeit nicht abgerufen werden“.

Mädchen starb noch an der Unfallstelle

Nicht nur in Kisdorf und Umgebung, sondern kreisweit und bis Hamburg hinein hat der Tod der elfjährigen Fahrradfahrerin für Entsetzen gesorgt. Wie berichtet, hatte ein 85-jähriger Segeberger in Kisdorf mit seinem Mercedes ML 500, einem SUV, beim Abbiegen von der Henstedter Straße in den Mühlenredder die junge Radfahrerin, die sich auf dem Schulweg befunden haben soll, mit seinem schweren Wagen erfasst. Das Mädchen aus Henstedt-Ulzburg starb noch an der Unfallstelle.

Trauernde Menschen weinten am Unfallort

  Kerzen, Stofftiere und Blumen haben die trauernde Menschen an der Unfallstelle abgelegt. Wie es zu dem tödlichen Unfall mit dem Kind kam, ist immer noch nicht vollständig geklärt. Es seien zwei Mädchen mit dem Rad unterwegs gewesen, berichtet Jens Daberkow, der kürzlich auch eine Gedenkfahrt zu dem Unfallort organisiert hat. Trauernde Menschen setzten sich für eine Schweigeminute mitten im tosenden Verkehr auf den Asphalt am Unfallort. Jens Daberkow, selbst Vater, musste wie auch andere Trauernde weinen.

Auffällige Ghost Bikes als Mahnung

Ein weißes „Ghost Bike“ soll an der Kreuzung in Kisdorf zur Mahnung für die Autofahrer aufgestellt werden. Jens Daberkow vom ADFC Henstedt Ulzburg kündigte an, dass es am Sonntag, 27.Oktober, um 12 Uhr an der Unfallstelle am Mühlenredder der Elfjährigen zu Gedenken eine Veranstaltung geben werde.

Ghost Bikes sind Fahrräder, die dadurch auffallen, dass sie vollständig weiß sind. Nicht nur der Rahmen, sondern auch Reifen, Speichen, Lichtanlage und Kette – das ganze Fahrrad ist weiß lackiert und sieht dadurch fast gespenstisch aus. Der ADFC mahnt bei der Gelegenheit alle Radfahrer, auch tagsüber mit Licht zu fahren. Sie sollten immer helle Farben oder Signalwesten tragen. „Macht es dem Autofahrer nicht zu leicht, euch zu übersehen.“ Radfahrer sollten sich nicht an den Fahrbahnrand drängen lassen.

Die Schuldfrage scheint eindeutig zu sein, aber die Polizei ermittelt noch. Der Fahrer des Mercedes habe eine Vorladung bekommen, berichtet Polizeisprecherin Silke Westphal auf LN-Nachfrage. Die Elfjährige war auf dem Radweg unterwegs, der für beide Richtungen zugelassen ist. Nach eigener Analyse des Unfallgeschehens steht Jens Daberkow vor einem Rätsel. „Der Fahrer hätte die beiden Mädchen sehen müssen. Die Stelle ist von Weitem einsehbar.“

Mehr Platz für Fahrradfahrer gefordert

Liegt es am hohen Alter des Fahrers, dass er sie übersehen hat? Ist es der schmale, fast unscheinbare Radweg? „Ich bin sauer darüber, dass hier Radfahrer auf diesen engen Radweg gezwungen werden“, kritisiert der ADFC-Vertreter. Es sei für ihn nur eine Frage der Zeit gewesen, bis dort ein Unfall passiere. „Wir brauchen einfach mehr Platz für das Fahrrad.“ Hier müsse endlich die örtliche Politik und auch die Kreisverkehrsaufsicht reagieren und für breitere Radwege sorgen. „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder auf unzureichenden Radwegen getötet werden.“

Nach einer Gedenkfahrt zum Unfallort setzten sich trauernde Menschen für eine Schweigeminute mitten im tosenden Verkehr auf die Straßeneinmündung. Quelle: Herbst

SPD-Politiker fragt nach Verkehrstauglichkeitsprüfung

Inzwischen hat sich auch Martin Ahrens von der SPD-Kreistagsfraktion brieflich geäußert. Das verunglückte Mädchen sei eine Mitschülerin seines Sohnes. In einem Brief an den ADFC kündigte er an, die Verkehrssituation in Kisdorf bei der Maßnahmenplanung des Kreises zu thematisieren. „Ich erwarte von der Gemeinde Kisdorf, sich intensiv mit der innerörtlichen Radverkehrsplanung auseinander zu setzen und bestehende Fördermittel in Anspruch zu nehmen.“ Ihm stelle sich auch die Frage, warum es keine bundespolitischen Fortschritte bezüglich einer Verkehrstauglichkeitsprüfung für ältere Fahrzeugführer gebe, schreibt er dem ADFC.

Hätte Autofahrer das Mädchen sehen müssen?

Ob der betagte Autofahrer aus dem Kreis Segeberg mit der Verkehrssituation mutmaßlich überfordert gewesen ist, konnte noch nicht geklärt werden. Doch für Daberkow ist klar: Der Autofahrer hätte die Mädchen sehen müssen, als sie ihm auf den Rädern entgegenkamen.

Noch ein Fahrradunfall in Lensahn

Einen Tag nach dem furchtbaren Unglück in Kisdorf, geschah ein ähnlicher Verkehrsunfall mit einer elfjährigen Radfahrerin im ostholsteinischen Lensahn. Im Kreuzungsbereich Eutiner Straße/Lübecker Straße war das Mädchen mit einem Fiat Panda zusammengestoßen. Die elfjährige Radfahrerin wurde dabei schwer verletzt. Die 87-jährige Fahrerin hatte das Mädchen, das auf dem Radweg unterwegs war, übersehen. Die betagte Fahrerin hatte den Unfall offenbar gar nicht bemerkt und wurde nach Polizeiangaben von einer Zeugin später darauf aufmerksam gemacht.

Elterntaxis verschärfen Situation

Segebergs Kreis-Radverkehrsbeauftragter Joachim Brunkhorst befürchtet, dass Eltern jetzt noch mehr Angst haben, ihre Kinder mit dem Rad zur Schule zu schicken. Doch gerade die Elterntaxis verschärften noch die Verkehrssituation an den Schulen. „Wir haben beschlossen, eine Kampagne für sichere Schulwege für radfahrende Kinder in Gang zu setzen und wollen dabei mit den Eltern zusammenzuarbeiten“, teilte Brunkhorst den LN mit. Er möchte im Kreis auch das Bad Segeberger Modell prüfen lassen, älteren Menschen, die ihren Führerschein rechtzeitig abgeben, als Anreiz für ein Jahr die kostenlose Nutzung des ÖPNV zu ermöglichen.

Von Wolfgang Glombik

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