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Segeberg Nachwirkungen der Demo gegen Rechts
Lokales Segeberg Nachwirkungen der Demo gegen Rechts
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19:58 11.11.2019
Die Demo gegen Rechts „Bad Segeberg bleibt bunt“ hatte am 9. November stattgefunden. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Bad Segeberg/Sülfeld

Friedlich ist die Demonstration für Toleranz, Demokratie und Menschenrechte der Initiative „Wir sind mehr – Segeberg bleibt bunt“ verlaufen. Die Teilnehmer, die ein Zeichen gegen die rechten Umtriebe in Sülfeld und Bad Segeberg setzen wollten, waren am Sonnabend durch Bad Segeberg gezogen.

Mit dabei: Etliche Bürger, Vertreter verschiedener Konfessionen, Amnesty International, die Antifa, die Bewegung „Fridays for Future“, „Extinction Rebellion“ aus dem Wendland. Auch die „Omas gegen Rechts“ und „Opas gegen Rechts“ aus Hamburg und Kiel waren dabei, Punks aus Lübeck, Flüchtlinge, der Hospizverein und viel lokale Politprominenz, etwa Landrat Jan Peter Schröder, Bürgermeister Dieter Schönfeld, Kreispräsident Claus Peter Dieck und Bürgervorsteherin Monika Saggau.

Ein Großaufgebot von über 400 Polizisten aus Hamburg und Schleswig-Holstein war vor Ort. Zunächst hatten die Ordnungskräfte die Teilnehmerzahl auf etwa 800 bis 1000 Menschen beziffert, um sie später auf „1500 in der Spitze“ zu korrigieren. Doch nicht nur die Veranstalter, viele andere hatten den Eindruck, es seien viel mehr, knapp 3000, Leute unterwegs gewesen. Dazu die Polizei: „Wir zählen das nach einer bestimmten Formel, dabei zählen wir die Personen pro Quadratmeter und schließlich die Fläche.“

Zivile Einsatzkräfte waren in Sülfeld unterwegs

In Bad Segeberg war vor 18 Uhr Schluss – ohne große Vorkommnisse. In Sülfeld nicht. Nach Angaben der Polizei waren dort zwei Gruppierungen unterwegs. „Eine aus dem linken, die andere aus dem rechten Spektrum“, so eine Polizeisprecherin. Aber man sei vorbereitet gewesen und hätte auch mit zivilen Einsatzkräften die Lage im Blick gehabt, so dass es zu keinen Zwischenfällen gekommen sei. Für die Polizei war der Einsatztag erst am späten Abend beendet.

Wie geht es nun weiter? „Die Demo war eine super Sache. Aber das soll es nicht gewesen sein“, hieß es von den Veranstaltern der Großdemo in Bad Segeberg. „Wir planen weitere Aktionen.“ Ideen würden bereits entwickelt, zum Beispiel könnte ein antirassistisches Fußballspiel im Südstadtpark initiiert werden. „Dort, wo die Nazis sind, wollen wir mit positiven und bunten Aktionen gegensteuern.“

Dürfen Neonazis in Facebookgruppen Rat erteilen?

Für heftige Reaktionen sorgte derweil der mehrfach vorbestrafte Neonazi Bernd T. auch im Internet. Am Sonnabend war er mit seinem Profil der der Facebookgruppe „Bad Segeberg, hier findest Du Rat und Tat“ beigetreten. Viele Mitglieder hatten dafür kein Verständnis, es entbrannte eine heftige Diskussion unter den Mitgliedern. Andere wiederum prangerten eine „Hetzjagd gehen T.“ an. Jeder habe das Recht, dieser Gruppe beizutreten. Der gleichen Ansicht waren offenbar die Administratoren, die jedes Mitglied vor der Aufnahme im Profil überprüfen. Nach 94 Kommentaren wurde die Kommentarfunktion abgeschaltet.

Bürgermeister wehrt sich gegen Kritik

Kommentaren, er habe auf der Demonstration nicht Flagge gezeigt, trat derweil Bürgermeister Dieter Schönfeld entgegen: „Ich bin absolut gegen jede Art von Gewalt – von Rechts genauso wie von Links. Ich war beim Auftakt der Demonstration vor der Volksbank dabei und habe mich erst später zurückgezogen. Als Behördenleiter muss man in einer solchen Situation erreichbar sein.“ Schönfeld dankte allen Ordnungskräften, die für Sicherheit gesorgt hätten: „Ich bin froh, dass bei uns Zeichen gesetzt wurden.“

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