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Segeberg Naher befürchten 500 zusätzliche Lkw-Fuhren am Tag
Lokales Segeberg Naher befürchten 500 zusätzliche Lkw-Fuhren am Tag
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22:39 16.09.2014
Auf der L 75 zwischen Wakendorf II und Nahe ist die Geschwindigkeit wegen des schlechten Zustandes der Fahrbahn schon auf 50 km/h limitiert worden. Jeder weitere Lkw ist da eine zusätzliche Belastung.
Nahe

Wenn die Schleswig-Holstein-Straße in Norderstedt asphaltiert wird, droht ein Verkehrschaos, dessen Folgen auch die Bürger von Nahe spüren werden. Das war die Befürchtung der Gemeindevertreter auf ihrer jüngsten Sitzung. Ihnen schwant Böses, wenn Norderstedts Hauptverkehrsader im Oktober zwei Wochen voll gesperrt werden soll. „Dann fahren über unsere Wakendorfer Straße bis zu 500 Kieslaster am Tag“, wurde befürchtet. Am Ende ihrer Sitzung haben die Gemeindevertreter eine Resolution dagegen verabschiedet.

„Die L 75 in Nahe ist nicht in der Lage, zusätzlichen Verkehr, insbesondere Schwerlastverkehr, aufzunehmen. Die Straße ist in einem desolaten Zustand und zurzeit nur noch mit Tempo 30 befahrbar“, heißt es in dem Text, mit dem die Umleitung des Verkehrs von der Schleswig-Holstein-Straße über die L 75 (zwischen Wakendorf II und Nahe) verhindert werden soll.

Aufgeschreckt wurden die Gemeindevertreter von einem Text in der Norderstedter Zeitung über die beabsichtigte Vollsperrung der Schleswig-Holstein-Straße. In den Ferien soll sie einen neuen Belag erhalten. Das werfe nicht nur für die dort ansässigen Unternehmen enorme logistische Probleme auf. Hunderte von Lkw-Ladungen müssten anderweitig ihr Ziel finden. Nur wie? Während nach einer Infoveranstaltung die meisten betroffenen Unternehmen die anstehenden Arbeiten auf der fünf Kilometer langen Strecke scheinbar recht entspannt zur Kenntnis nahmen, waren die Naher Gemeindevertreter nach dem Zeitungsartikel wie von der Tarantel gestochen.

Denn: Als offizielle Umleitung wurde ein 47 Kilometer (!) langer Bogen über Kayhude, Nahe und Henstedt-Ulzburg angegeben. Diese Strecke sei für Schwerlastverkehr klassifiziert. „Rund 500 Lastwagen werden dann über unsere Wakendorfer Straße fahren“, lamentierten die Naher. „Dabei ist die jetzt schon in katastrophalem Zustand“, sagte Marc-André Ehlers (SPD). Zudem würden derzeit dort Wasserrohre ausgetauscht, weil es immer wieder zu Leitungsbrüchen gekommen sei.

Heino Strehle (CDU) befürchtete in Folge der Lkw-Invasion weitere Wasserrohrbrüche. Besonders gekniffen von den Bauarbeiten an der Schleswig-Holstein-Straße dürfte die Firma Eggers aus Tangstedt sein, sollte die Chaussee komplett gesperrt werden. Etwa 400 bis 600 Lkw-Ladungen mit Kies liefert die Firma jeden Tag von Tangstedt auf Baustellen nach Hamburg. Bernd Hachmeister, Leiter der Disposition bei Eggers, sagte den LN: „Würden wir unsere Lastwagen den 47 Kilometer langen Umweg über Nahe schicken, würden sich die Kosten dafür ganz erheblich erhöhen.“

Er habe inzwischen Gespräche mit dem zuständigen Planungsbüro geführt. Seine Firma sei nämlich zu der Infoveranstaltung nicht eingeladen worden — man habe sie wohl nicht auf dem Zettel gehabt, weil der Firmensitz im Kreis Stormarn liege, vermutet Hachmeister. Sollte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) dem Kompromiss zustimmen, könnte jeweils eine Spur der Schleswig-Holstein-Straße während der Bauarbeiten befahrbar bleiben.

Die Straßensperrung wäre dann nur halbseitig. Auf Nachfrage bestätigte der LBV den LN, dass er damit einverstanden wäre, vorausgesetzt, die ausführende Baufirma könne dies realisieren. „Damit wäre uns sehr geholfen. Das würde uns vermutlich vor Vertragsstrafen durch unsere Kunden bewahren“, sagte Hachmeister, der selbst schon an rechtliche Schritte gedacht hatte. Bei einer Vollsperrung der wichtigen Straße durch Norderstedt würden seiner Firma Aufträge verloren gehen, weil man die Baustellen dann nur eingeschränkt würde beliefern können.

Den Umweg über Nahe hätte er schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht gewählt — insofern können die Naher wohl beruhigt sein, was die Lkw der Firma Eggers angeht. Diese würden notfalls den Weg durch Tangstedt auf die B 432 nehmen. Dann hätten die Bürger dort die „A-Karte“ — und die Naher wären fein ‘raus.

„Die L 75 ist nicht in der Lage, zusätzlichen Verkehr aufzunehmen.“
Aus dem Resolutionstext der Gemeindevertreter von Nahe.

Christian Spreer