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Segeberg „Unprofessionell und mit rosaroter Brille“
Lokales Segeberg „Unprofessionell und mit rosaroter Brille“
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20:04 15.10.2018
Fransenfledermäuse am Kalkberg. Quelle: Foto: Stefan Lüders
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Bad Segeberg

Schon im Juli, zum Startschuss der Managementplanung für das Flora-Fauna-Habitat Segeberger Kalkberghöhlen hatten die Naturschützer bei einer Auftaktveranstaltung, wie berichtet, heftige Kritik an dem engen Zeitplan geäußert. Zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises hatte damals das Umweltministerium angekündigt, den von der EU geforderten Plan für die Höhlen im europaweiten Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“ selbst zu erarbeiten. In nur einem halben Jahr unter mächtigem Zeitdruck soll der Plan für Deutschlands wichtigstes Winterquartier (30 000 Tiere) für Fledermäuse aufgestellt werden. Auf den letzten Drücker.

Es drängt, denn die Bundesrepublik hat ein Vertragsverletzungsverfahren der EU am Hals, weil es die Managementpläne für die europaweit wichtigen FFH-Gebiete „nicht zeitgerecht“ umgesetzt hat. Jetzt soll es die Zusage geben, spätestens im Jahr 2020 sämtliche Pläne für Deutschland abzuschließen. Und Schleswig-Holstein will es noch bis zum Ende dieses Jahres bei seinen verbliebenen zehn von insgesamt 311 Natura-2000-Gebieten noch schaffen, hieß es vom Ministerium im Frühjahr.

Für den nun vorliegenden Entwurf zum FFH-Gebiet Kalkberg hagelt es jetzt vernichtende Kritik von dem Referenten für Fledermausschutz Stefan Lüders und Alfred Ortmann von der Nabu-Landesstelle für Fledermausschutz. Von ihnen wird moniert, dass bei einem derart wichtigen FFH-Gebiet, (Flora-Fauna-Habitat) wie dem Kalkberg, der mit seinem Höhlensystem das größte bekannte Fledermausvorkommen Deutschlands beherbergt ein „so unprofessioneller und mehr als schmaler Entwurf“ für einen FFH-Managementplan von den Fachleuten des Umweltministeriums vorgelegt werden konnte. Dabei gäbe es zahlreiche Konfliktpunkte mit den vielfältigen Nutzungen auf den drei Hektar mitten im Stadtgebiet. Weder seien Fachleute mit der Arbeit beauftragt worden, noch seien alle Akteure, wie zum Beispiel die Naturschützer eingebunden worden. Es stelle sich auch die Frage, ob der bisher gewählte Ablauf bei den vorgegebenen Ansprüchen überhaupt „rechtskonform“ sei. Denn fast durchgängig habe man sich auf „veraltete Datengrundlagen oder unplausible Zahlen“ gestützt. Probleme würden in dem Plan „kleingeredet“, betont Lüders auf LN-Nachfrage. Fachbüros seien nicht beauftragt worden. Man vertraue fast blind auf die positiven Zählergebnisse der Lichtschranken.

An zwei Zugängen zu dem Höhlensystem werden die Fledermäuse per Lichtschranke gezählt. Quelle: LN-Archiv

Tatsächlich wird in dem Plan-Entwurf auf die Registrierungen der ein- und ausfliegenden Fledermäuse durch die Lichtschrankenanlagen im Spätwinter und zeitigem Frühjahr der jährliche Gesamtbestand der überwinternden Fledermäuse eingegangen. Noch im Jahr 2016 sei hier eine Anzahl von 28 247 Fledermäuse festgestellt worden. 2017 seien so gar 30 161 überwinternde Tiere ermittelt worden. Lüders zweifelt das an. Man überwache hier „keinen Keller mit zwei Zugängen, sondern einen löchrigen Schweizer Käse mit unzähligen Öffnungen und Zugängen für die Tiere“. Nur zwei Zugänge würden durch Lichtschranken wirklich überwacht. Dort könne allenfalls die Aktivität der Tiere gemessen werden. Auch bei Zählungen innerhalb der Höhle würde die Anzahlen einzelner Arten sehr stark schwanken, habe Lüders bei Höhlen-Begehungen festgestellt. „Die Teichfledermaus ist fast aus der Höhle verschwunden.“  

Lüders und Ortmann sprechen von der „rosaroten Brille“ mit der viele Probleme rund um das FFH-Gebiet betrachtet würden. Tatsächlich besteht das Papier eher aus Allgemeinplätzen und Appellen bisherige Nutzungseinschränkungen am Kalkberg zu erhalten. Konkrete Ideen zum Schutz sind in dem Papier mit nur 24 Seiten (mit Anhang) kaum zu finden.

Demgegenüber fordert der Nabu eine Sperrung der Kalkberghöhlen für Besucher vom 1. September bis zum 15. Mai. Bislang ist die Höhle nur bis zum 31. März gesperrt. Einige seltene störungsanfällige Arten würden die Höhlen erst im Mai verlassen. Für die Stadt sollten die Karl-May-Spiele die höchste Priorität haben, auf die Musikveranstaltungen könne man verzichten, meint Lüders. Auch sollten keine Feuerwerke und Skybeamer im Schutzgebiet erlauben. Die Segeberger Altstadt sollte man vom Veranstaltungszielverkehr schon wegen der kreuzenden Fledermausrouten frei halten. Überhaupt wäre es ideal gewesen, in dem Managementplan bereits erkannte Flugtrassen der Tiere mit Dunkelkorridoren auch planerisch festzuhalten. Das seien nur einige Vorschläge, die der Nabu gerne im Zusammenhang mit dem Managementplan diskutiert hätte. Lüders: „Das Land ist mit diesem Plan überfordert.“ Sie hätten sich von auswärts unabhängige Experten holen können. Der Nabu bliebe aber trotz allen Ärgers „gesprächsbereit“, beteuert Lüders.

Von Wolfgang Glombik

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