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Segeberg Grüner Korridor an der A-20-Wildbrücke wächst
Lokales Segeberg Grüner Korridor an der A-20-Wildbrücke wächst
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07:00 08.11.2019
Gepflanzte Eichen: Martin Reuter von der Baumschule Stoldt in Osterstedt, Landwirt Malte Henck und Michael Ott von der Stiftung Naturschutz (v.l.) schließen eine Vielzahl von Maßnahmen an der A20 ab. Quelle: Irene Burow
Strukdorf

Die einst umstrittene Grünbrücke über die A20 bei Strukdorf ist wohl am sichtbarsten, wenn es um den Schutz der Natur in der Gegend geht. Während Autofahrer drunter durch fahren, herrscht auch darüber reger Verkehr. Die Wildbrücke wird gut genutzt. Insekten, Frösche, Rehe, Hirsche – die Jäger wissen das. Rehwild, Damwild und Schwarzwild und Abertausende Kleintiere ziehen so sicher zu Feldern und Waldstücken.

Ziel der Stiftung Naturschutz: ein grüner Korridor rund um Wildbrücken

„Dafür dient nicht nur die Grünbrücke. Das ganze Gebiet ist wichtig“, erklärt Michael Ott von der Stiftung Naturschutz. Auch am Rande passiert viel. Die Metropolregion Hamburg nennt das „ökologische Hinterlandanbindung“. An der Autobahn bei Strukdorf entsteht ein entscheidender grüner Korridor in Schleswig-Holstein. Nun ist dort auf 150 Hektar ein ganzes Maßnahmenpaket abgeschlossen worden, um die Natur besser zu schützen.

Wildbrücke bei Strukdorf war umstritten

Damals gab es große Bedenken, ob das funktioniert – eine Kreisstraße direkt neben der Grünbrücke. Ein Hang führt die Tiere direkt darauf zu. Naturschützer und Jäger kritisierten das 2,5 Millionen Euro teure Bauwerk. Auch der Bund der Steuerzahler übte heftige Kritik.

Früher, als dieAutobahn 20 noch nicht eröffnet war, seien rund 30 000 Fahrzeuge pro Tag auf der alten B-206-Trasse registriert worden, erklärt der Strukdorfer Bürgermeister Götz Leonhardt. Entsprechend hoch war die Zahl der Unfälle mit Tieren auf der viel befahrenen Straße. Doch die Kritik habe sich nicht bewahrheitet. „Die Wildunfälle sind jetzt verschwindend gering.“ Nicht nur weniger Fahrzeuge, auch Warnreflektoren am Straßenrand tun ihr Übriges.

Neue Knicks wurden angelegt, alte aufgewertet. Insgesamt finden Arten auf fast zwei Kilometern Länge weiteren Schutz und Lebensraum. Fünf Gewässer, alte Sölle, wurden renaturiert und drei neu geschaffen. Es handelt sich um Gruben, eiszeitliche Toteislöcher, in denen sich Wasser gesammelt hat. „Die Landwirte haben tolle Biotope, die oft nicht ganz optimal sind“, sagt Ott. Das Ziel: Zwischen diesen Trittsteinen weitere schaffen.

Alte Hechtkuhle von Strukdorf aufgewertet

In dieser Woche wurden zum Projektabschluss an einem Soll vier kleine Eichen gepflanzt – rund 800 Meter von Wildtierbrücke entfernt. Die Grube war durch Pappeln zugewachsen und ausgetrocknet. Nun kommt das Wasser zurück. So wie einst, als die Strukdorfer in der „Hechtkuhle“ noch Hechte angelten oder gar gebadet haben. Doch es sei wichtig, dass keine Fische angesiedelt werden, mahnt die Stiftung. Sie fressen den Laich der Frösche auf.

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Der Laubfrosch soll sich hier ansiedeln. Nördlich der A 20 kommt er vor. „Für Amphibien brauchen wir Wasser“, so der Flächenmanager. Dafür ist südlich der Schnellstraße nun die Grundlage geschaffen. Vielleicht gebe es schon im kommenden Jahr erste Erfolge. Die ebenfalls europaweit geschützte Haselmaus profitiert von der Knicklandschaft. Im zukünftigen Eichenhain können später unter anderem Goldammern ein Zuhause finden.

Segeberg – Kreis der grünen Brücken

In Schleswig-Holsteingibt es bisher fünf Grünbrücken. 2005 wurde die erste über die A 21 zwischen Kiebitzholm und Negernbötel (Kreis Segeberg) fertiggestellt. Es folgten 2007 die Grünbrücke Hainholz über die A 20 bei Strukdorf (Segeberg) sowie 2012 die Grünbrücke über die A 24 bei Gudow (Kreis Herzogtum Lauenburg). Jüngst kamen eine Querung über die A 7 bei Brokenlande, südlich von Neumünster, hinzu sowie eine bei Bad Bramstedt (beide Segeberg). Hinzu kommen größere Wildtier-Tunnel oder kleinere Durchlässe. Im Falle des Weiterbaus der A 20 sind Grünbrücken bei Todesfelde und bei Mönkloh geplant.

Ohne die Landwirte geht es nicht

„Wir machen es nicht für zwei Arten, sondern für alle“, sagt der Bürgermeister von Strukdorf, Götz Leonhardt. Er hat, genau wie Landwirt Malte Henck und Biolandwirt Hans-Peter Kruse aus Strukdorf, die Flächen zur Verfügung gestellt. „Aus Freude an der Natur“, sagt Leonhardt. „Wir sehen die Umwelt nicht als Gegenspieler, wir arbeiten mit ihr zusammen. Wo es Sinn macht, setzen wir solche Maßnahmen gern um. Nicht nur als Landwirte, auch als Jäger und Bewohner der Region wollen wir unsere Umgebung als lebenswert erhalten.“

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Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist besonders. „Ohne die Grundeigentümer geht es nicht“, sagt Ott. Sie tragen aktiv zum Naturschutz bei, lassen zudem Grünstreifen an den Knicks stehen und versehen es mit insektenfreundlichem Saatgut.

Grüner Korridor vom Osten Hamburgs Richtung Dänemark

Die Stiftung Naturschutz konzentriert sich beim „Grünen Metropolnetz“ auf die nördliche Metropolregion Hamburg mit Schwerpunkt auf den Grünbrücken im Bereich der A7, A20, A21 und A24. Bei Strukdorf wurde in Kooperation mit drei Landwirten 2000 Quadratmeter Gewässer und 1700 Meter Knicks neu angelegt, fünf Gewässer saniert, 300 Meter Ufer abgeflacht und 250 Meter verrohrte Gräben geöffnet. Kosten: rund 67000 Euro.

Nördlich von Hamdorfsind zum Schutz des Fischotters viele Kleingewässer angelegt und alle Entwässerungseinrichtungen entfernt worden. Im Kreis Stormarn sind zuvor 4000 Meter neue Knicks und Hecken, sieben Kleingewässer sowie artenreiches Grünland angelegt worden. Und vieles mehr.

Götz Leonhardt hatte 2016 einen Antrag auf Aufforstung eines 1,3 Hektar großen Waldstücks gestellt. Die Stiftung wurde aufmerksam. Eine Quelle wurde renaturiert und ein Betonrohr aus der Erde geholt, um einen Graben wieder in seine Ursprungsform zu versetzen. Die Nachbar-Landwirte wurden einbezogen, weitere Vorhaben kamen – finanziert durch Bundes- und Landesmittel, die Kreisjägerschaft und die Stiftung.

„Es geht darum, das Netz enger zu ziehen. Deshalb ist es besonders wichtig, was hier passiert“, sagt Naturschützer Ott. Die Metropolregion Hamburg sorge viel für den Ausbau der Verkehrswege. Gleichzeitig gebe es ein Bewusstsein dafür, grüne Korridore zu schaffen oder zu erhalten. „Auf so einem stehen wir hier. Dieses Projekt trägt zur großräumigen Vernetzung der Landschaft bei.“

Von Irene Burow

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