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Segeberg Ganz einfach: So entfernen Sie illegale Aufkleber richtig
Lokales Segeberg Ganz einfach: So entfernen Sie illegale Aufkleber richtig
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17:03 02.11.2019
So geht es am besten: Aufkleber erst feucht machen und dann abziehen. Quelle: hil
Bad Segeberg

Illegale Aufkleber verschandeln ähnlich wie Graffiti auch im Kreis Segeberg zunehmend Laternenmasten, Stromkästen oder Hauswände und Fenster von Privathäusern. Meist sind darauf politische Botschaften gedruckt, oder Fans aus der Ultra-Szene der Fußballvereine markieren damit ihr Revier.

Zuletzt sorgten zahlreiche Aufkleber aus der sich wieder ausbreitenden rechten Szenefür Ärger in der Kreisstadt und vielen umliegenden Orten. In Sülfeld kam es sogar zu einer Attacke durch einen mutmaßlichen Neonazi, als Bürger versuchten, die dünnen Papieraufkleber zu entfernen.

Aufkleber werden Spuckies genannt

Wer versucht, die rechtsradikalen oder andere Aufkleber vor seiner Haustür zu entfernen, hat es gar nicht so leicht. Die dünnen Aufkleber aus Papier werden auch „Spuckies“ genannt, weil sie nicht wie herkömmliche Aufkleber eine selbstklebende Fläche haben, sondern so wie Briefmarken befeuchtet werden müssen, um dann auf eine möglichst glatte Oberfläche geklebt zu werden. Die billigen Sticker selbst sind dabei nur aus Papier, verkleben aber gerade deshalb so stark, dass sie nicht einfach abgezogen werden können.

Mit warmen Wasser einweichen

Der Sülfelder Pastor Steffen Paar war selber betroffen. Nachdem er auf Facebook gegen die Rechtsradikalen Stellung bezogen hatte, war am nächsten Morgen die Scheibe seines Pastorates ebenfalls mit den Aufklebern, die für das rechtsextreme Netzwerk „Aryan Circle“ werben, beklebt.

„Da nimmt man dann die erste Ecke, versucht, die abzuziehen und merkt dann, dass das gar nicht geht“, erzählt der Pastor. Er hat dann jede Menge Tipps von Bekannten bekommen, funktioniert hat aber nur eines: „Ganz einfach nur mit Wasser anfeuchten, und dann ging das ruckzuck ab“, erklärt Steffen Paar.

Im Südstadtpark in Bad Segeberg finden sich immer wieder Aufkleber mit rechtextremen Inhalten. Quelle: WGL

Im Notfall hilft Lösungsmittel

Eine Erfahrung, die auch Peter Stoltenberg von den Bad Segeberger Grünen gemacht hat, denn auch dort waren die Scheiben der Geschäftsstelle beklebt. Er hat noch einen zusätzlichen Tipp. „Das Wasser sollte etwas warm sein und man kann ein bisschen handelsübliche Haushaltsseife dazugeben. Dann nach dem Anfeuchten vorsichtig mit einem Spachtel oder einer Klinge unter den Aufkleber gehen und ihn abmachen.“

Die Sülfelder Bürger, die in einer gemeinsamen Aktion die Aufkleber in ihrem Ort von Laternenmasten und Schildern entfernt haben, haben zum Einweichen der Aufkleber übrigens Schwämme benutzt, beim Abnehmen sollen Kochfeldschaber gut funktioniert haben.

Richtig schwierig wird das Entfernen aber, wenn die Aufkleber nicht auf glattem Glas oder Metall kleben, sondern zum Beispiel an Mauern oder auf Beton. Dort kann der Kleber in die Poren des Gesteins einziehen. „Da kommen Sie dann mit Prilwasser nicht weit“, sagt der Experte Matthias Hartwig von der Reinigungsfirma Bockholdt.

„Dann muss man zuerst das Papier abkratzen, so gut es geht, zum Beispiel mit einem Scheuerschwamm“, sagt Hartwig. Danach könne man die verbleibenden Klebereste mit einem Lösungsmittel wie Nitroverdünnung einweichen, die auch zum Reinigen von Pinseln benutzt wird.

„Dabei am besten Gummihandschuhe anziehen und am Ende alles mit einem Tuch aufnehmen. Das Ganze wiederholt man so oft, bis die Rückstände komplett weg sind.“ Und wenn alles nicht funktioniert, hat die Bad Segebergerin Dominique Swoboda einen ganz besonderen Tipp: „Einfach mit einem Sticker mit einer positiven Botschaft, zum Beispiel für den Klimaschutz, überkleben.“

Vorsicht vor Rasierklingen

Wer Aufkleber der rechten Szene entfernen will, sollte jedoch vorsichtig sein. Die Attacke in Sülfeld zeigt, dass die Rechtsradikalen offenbar nicht vor Gewalt zurückschrecken. Einige Beobachter gehen zudem davon aus, dass einige Mitglieder der rechten Szene einige Aufkleber gezielt in der Nähe ihrer Wohnungen geklebt haben, um sie im Auge zu haben.

Besonders perfide: „Hinter einigen Aufklebern sollen gezielt Rasierklingen versteckt gewesen sein, damit Menschen sich beim Abmachen verletzten“, erzählt ein Sülfelder, der anonym bleiben möchte. In Sülfeld dominieren derweil bald ganz andere Aufkleber. Eine Initiative lässt 3000 Exemplare mit dem Slogan „Wir sind Sülfeld! Wir sind mehr!“ drucken, die sich die Bürger auf das Auto kleben können, um so die Aktion für ein weltoffenes und buntes Sülfeld zu unterstützen.

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Von LN

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