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Segeberg Neue Fahrzeughalle ist Klassenraum und Werkstatt
Lokales Segeberg Neue Fahrzeughalle ist Klassenraum und Werkstatt
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20:10 01.06.2018
Technik, die begeistert: Azubi Kevin Ohle hebt per Knopfdruck den schweren Traktor an. Quelle: Fotos: Glombik
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Bad Segeberg

Ein dreiviertel Jahr haben die Bauarbeiten gedauert, rund 1,8 Millionen Euro hat der Kreis Segeberg ausgegeben: Jetzt ist die „Lernstatt“ für die Auszubildenden in den Ausbildungsberufen Land- und Baumaschinenmechatroniker sowie Kfz-Mechatroniker am Berufsbildungszentrum (BBZ) fertiggestellt. „Lernstatt“ steht für das „Lernen in der Werkstatt“. Dementsprechend hat man sich Gedanken gemacht, die neue, 615 Quadratmeter große Fahrzeughalle mit Werkstätten für Land- und Baumaschinenmechatronik, drei Montageplätzen für Großmaschinen, einen Montageplatz für Pkw, einen Motorenprüfstand, Hebebühnen und, und . . . etwas gefälliger auszustatten: An die Seiten der Halle hat man auf Anregung von Kreisarchitektin Michaela Lexau farbige Paneelteile angebracht, an der hohen Decke mit großem Oberlicht hängen fächerartig schmale Platten, die auch schallschluckende Wirkung entfalten. Hier sollen Azubis an modernster Technik lernen und gleichzeitig das Rüstzeug an Theorie erhalten.

Mit der „Lernstatt“, einer großen Ausbildungshalle für angehende Mechatroniker, wird auch eine Wende zur praxisnahen und problemlösenden Ausbildung von Technikern beim BBZ in Bad Segeberg eingeleitet. Der Kreis will so als Schulträger Fachkräfte optimal ausbilden.

Per Fingerdruck fährt Kevin Ohle, Landmaschinenmechatroniker im dritten Lehrjahr, die Hebebühne mit einem schweren Traktor in die Höhe. Bis zu 15 Tonnen lassen sich so heben, sogar schwere Mähdrescher. „Früher haben wir das mit dem Wagenheber gemacht“, berichten Niklas Greßmann und sein Kollege Ohle.

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Horst Kühn, stellvertretender Obermeister der Innung Landbau Technik Nord, spricht auf zum Rednerpult umfunktionierten Hebebühne von einer „zweckmäßig schönen Halle“. Eines sei sicher, Landwirtschaft werde angesichts steigender Weltbevölkerung immer wichtiger, folglich auch die Instandhaltung modernster Landmaschinen. Das Zeitfenster für die Bestellung der Felder werde immer kleiner. Kühn: „Da brauchen wir Top-Technik und Top-Leute, die diese Technik pflegen können.“ Und dann sind da auch noch die jährlich 100000 Studienabbrecher, die der Staatsekretär beklagte. „Die brauchen wir unbedingt im Handwerk“, sagt Kühn. Handwerker würden knapper. Und Mechatroniker, das sei schon „ein anspruchsvoller, geiler Beruf“. Vor 80 Jahren gab es noch den Ackergaul, „heute fahren die Schlepper auf den Feldern nahezu autonom“.

Staatsekretär Thilo Rohlfs lobt das BBZ in Bad Segeberg als „vorbildlich für das ganze Land“. Er verweist darauf, dass die Abbrecherquote in der beruflichen Ausbildung insgesamt bei 26 Prozent liege, bei der Landbautechnik aber nur bei 5,5 Prozent. Und Arbeitslosigkeit sei in dieser Branche nahezu unbekannt.

Den kleinen Wermutstropfen gab es offenbar durch langwieriges Vorgeplänkel – bis endlich schnell und zügig gebaut werden konnte. Auch die Nerven der Nachbarn seien in den vergangenen Monaten arg strapaziert worden, sagt Landrat Jan Peter Schröder zu den Gästen, von denen einige aufstöhnen. „Aber wir kriegen hier bestimmt Ihre Rasenmäher repariert“, verspricht er schmunzelnd Wiedergutmachung.

Neues Konzept

Mit der neuen Halle kann auch ein neues Lernkonzept verwirklicht werden. Schulleiter Heinz Sandbrink strebt einen praxisbezogenen Unterricht an. In der „Lernstatt“ sollen Fachlehrkräfte (Meister), die praktischen Inhalte vermitteln, gemeinsam mit den Lehrkräften (Studienräte), die den Auszubildenden die Fachtheorie nahebringen, in der Werkstatt an der Problemlösung arbeiten und nicht mehr im Klassenraum, so Sandbrink.

Wolfgang Glombik