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Segeberg Neue Straße wird jetzt nochmal teurer für die Anlieger
Lokales Segeberg Neue Straße wird jetzt nochmal teurer für die Anlieger
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21:10 01.11.2016
Teures Bauvorhaben: Im Regen verlegten Ingolf Hesse (r.) und Björn Niemann Drainagerohre im Schotterbett der Lornsenstraße. Quelle: Fotos: Wgl/pd(2*)
Bad Segeberg

In der Lornsenstraße und Am Wiesengrund baut die Stadt die Straße aus – und Familien mit kleinen Gehältern und Rentner werden zur Kasse gebeten. 85 Prozent der Baukosten vor ihrer Haustür müssen sie übernehmen. Die Straßenbauvorhaben werden wohl so manchen Anwohner arm machen. Denn im April rechneten die Betroffenen noch mit ohnehin schon hohen Ausbaubeiträgen von 16 bis 20 Euro pro Quadratmeter Grundstück. Jetzt wird’s noch teurer. Grund sind zusätzliche Arbeiten, weil der Boden überraschend nicht die notwendige Tragkraft für die Straße aufweist.

Nach Berechnungen der Stadt betragen die Mehrkosten jetzt für die beiden Straßen rund 240000 Euro mehr. Die Anliegerbeträge werden von 20,60 pro Quadratmeter auf circa 24,88 Euro pro Quadratmeter in der Lornsenstraße steigen und Am Wiesengrund von 16,66 Euro pro Quadratmeter auf 18,11 Euro. Das dürfte selbst landesweit rekordverdächtig sein: Ein Grundstückeigentümer, der ein 1000 Quadratmeter-Grundstück mit eingeschossigen Siedlungshaus in der Lornsenstraße bewohnt, muss mit Kosten von fast 25000 Euro rechnen. Das sind Spitzenwerte, die auch Bad Segebergs Stadtkämmerin Christiane Ostwald so noch nicht erlebt hat. Zum Vergleich: In der Dorfstraße, eine Durchgangsstraße, waren es um die fünf Euro pro Quadratmeter und in Wahlstedts Kronsheider Straße gehen die Leute schon bei Ausbaubeträgen von zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter auf die Barrikaden.

In der Lornsenstraße wohnen in der Mehrzahl Rentner, die froh sind, dass sie keine hohe finanzielle Belastungen mehr durch ihr altes Häuschen haben. Ein Rentner verriet den LN schon im April, dass er jetzt wohl sein Sterbegeld hergeben müsse, „das ich schon für meine Beerdigung beiseitegelegt habe“. Wahrscheinlich wird selbst das nun nicht mehr reichen.

„Mir tut das sehr, sehr leid für die Leute“, macht Stadtkämmerin Christiane Ostwald keinen Hehl aus ihrer Bestürzung über die Summen, die sie den Bürger abverlangen muss. Sie könne sich schon vorstellen, dass angesichts der Beträge um die es hier gehe „Existenzängste aufkommen“. Doch die Stadt habe die gesetzliche Verpflichtung, die vorgeschriebenen Beiträge (85 Prozent der Kosten) von den Grundstückseigentümern zu erheben. „Die Abgabeordnung verlangt, dass sich der Abgabepflichtige schon Jahre vorher darauf einstellt – auch wenn sich das brutal anhört.“ Klar sei aber, dass kaum einer mal so 25 000 Euro binnen zwei Jahren beiseite legen könne. „Wir versuchen jetzt zu helfen und werden die finanzielle Belastung der Bürger berücksichtigen.“

In den kommenden zwei Monaten, möglicherweise noch vor Weihnachten, werde die Stadt per Bescheid Vorauszahlungen verlangen, kündigte Ostwald an. „Es ist wichtig, dass die Leute zu mir kommen, wenn sie sich Sorgen machen.“ Sie möchte die Leute beraten, ob man die Zahlung per Stundung bis zu einem Jahr verzögern kann. Eine andere Variante ist auch eine „Verrentung“, ein langfristiges Zahlungsmodell. „Wir wollen den Leuten auch Ablöseverträge anbieten, damit sie nicht noch weitere Erhöhungen während der Bautätigkeit hinnehmen müssen.“ Zumindest ein kleiner Trost: Vor Weihnachten muss nicht gezahlt werden.

Keine „halben Sachen“ beim Straßenbau

Anders als der Gutachter vorausgesagt hat, ist die Tragfähigkeit des Bodens bei der Lornsenstraße und Am Wiesengrund zu gering. Nun muss mit Geogittern und Vlies teuer nachgebessert werden. „Das ist für Anlieger ohne Zweifel ein hoher Beitrag, aber die Straße ist einfach auf und muss gemacht werden“, sagt Bauamtsleiterin Antje Langethal. Heute müssten Straßen nach dem Stand der Technik gebaut werden, sonst gebe es keine Gewährleistung. „Wir können nicht riskieren, dass es zu Absackungen kommt.“

 Wolfgang Glombik