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Segeberg Neuer Datenschutz bereitet Probleme
Lokales Segeberg Neuer Datenschutz bereitet Probleme
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22:49 24.05.2018
Nicht nur ein Digitalfoto, sondern Datenverarbeitung: So könnte es aussehen, wenn nur das Einverständnis des Hochzeitspaares vorliegt.
Nicht nur ein Digitalfoto, sondern Datenverarbeitung: So könnte es aussehen, wenn nur das Einverständnis des Hochzeitspaares vorliegt.
Segeberg/Ostholstein

„Ach du Sch . . .“, bricht es aus Sven Sacknieß heraus, wenn er auf die DSGVO angesprochen wird. Er ist nicht nur Betreiber des Hotel- Restaurants Schwanensee in Bosau, sondern auch Vorsitzender der DLRG und des Tourismusvereins Bosau. „Natürlich bin ich vorbereitet“, sagt Sacknieß. Man glaubt es ihm, wenn er loslegt. „Das betrifft uns bei der DLRG extrem. Wir haben so viele Daten, mit denen wir umgehen.“ Gleiches gilt für das Hotel. Da sind die Listen für die Schwimmkurse, die Liste der Zimmer, und dann noch die Kurkarten. „Ich streite mich gerade mit der Gemeinde, ob ich noch Kurkarten ausstellen darf. Sie gelten auch als Meldeschein. Da muss eine Datenschutzerklärung draufstehen.“ Dafür sei es aber jetzt zu spät, die Karten seien schon gedruckt.

Die große Herausforderung heißt DSGVO. Die Datenschutzgrundverordnung der EU ist heute in Kraft getreten. Sie legt allen, die Daten verarbeiten, erhebliche Pflichten auf. Betroffen sind nicht nur Firmen und Fotografen, sondern auch Vereine und Feuerwehren.

Personen-Daten

Die neue Datenschutz-Grundverordnung regelt, wie Unternehmen, Behörden, Vereine und Verbände mit personenbezogenen Daten umgehen müssen. Das sind alle Informationen, aus denen Rückschlüsse auf die Person gezogen werden können.

Die IHK Schleswig-Holstein bietet auf ihrer Homepage eine Broschüre zum Download an, in der die Neuerungen zusammengefasst sind.

Mehr Infos im Internet unter www.ihk-schleswig-holstein.de

„Ich stelle sie aus und bin dafür haftbar“, gibt Sacknieß zu bedenken.

Hoher Aufwand, hohe Kosten

Zudem bedeute das alles hohen Aufwand und hohe Kosten, ergänzt Matthias Karsten, Geschäftsführer beim Pferdesportverband Schleswig-Holstein in Bad Segeberg: „Jeder Wertungsrichter, jeder Ausbilder, alle müssen angeschrieben werden und ihr persönliches Einverständnis geben. Und das ist noch lange nicht alles. Wir beschäftigen uns seit Ende 2017 mit dem Thema, haben uns einen externen Dienstleister als Datenschutzbeauftragten geholt.“ Karsten und Sacknieß haben Verständnis für die neuen Regelungen und dafür, dass Menschen nachvollziehen können müssen, wo und wofür ihre Daten gespeichert werden.

Beim Verein für das Bad Segeberger Kindervogelschießen will man sich erst zur Mitgliederversammlung in zwei Wochen entscheiden, wie weiter verfahren werden soll, heißt es aus dem Vorstand. Bisher wurde die Homepage, die auch etliche Festumzugsfotos schmückt, nicht verändert.

DSGVO: Für manche Vereinsvorsitzenden ein Fremdwort. „Nie gehört“, sagt Roland Günzer, Vorsitzender des Wandervereins Ostholstein. Er versichert aber: „Datenschutzmäßig sind wir sehr umsichtig. Wir haben von allen, die auf unserer Homepage genannt werden, das Einverständnis.“ Nachdem er sich in die Verordnung eingelesen hat, stellt er fest: Das meiste davon erfüllen wir schon.“ Die hohen Strafandrohungen bei Verstößen – 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes, je nachdem, was höher ist – schrecken Günzer nicht. „Bei uns ist nicht allzu viel zu holen.“ Dann aber schiebt er nach. „Obwohl, als Vorsitzender bin ich persönlich haftbar...“.

Problem Fotografie

Die neue Verordnung gilt auch für Bilder, denn mit ihnen werden Metadaten wie Ort und Zeitpunkt erfasst. Fotografin Kerstin Hagge (47) aus Bad Segeberg hat sich zwar bisher nicht weiter mit der DSGVO auseinandergesetzt, sieht aber ihre Auftraggeber in der Pflicht: „Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass jemand auf seine Hochzeitseinladung schreibt: ,Wer kommt, stimmt automatisch zu, dass er auf Fotos ist – wer das nicht will, bleibt zu Hause’, aber sie sind es, die dafür sorgen müssen, dass ein Fotograf seine Arbeit machen kann.“ So ganz abwegig ist ihre Befürchtung, dass ab heute die Abmahnanwälte auf der Matte stehen, nicht. Sicher auch deshalb ist die neue Datenschutzverordnung bei kleinen Betrieben ein großes Thema, der Unternehmensverband Nord gab Einweisungen. „Man muss sich einlesen, aber es ist kein Hexenwerk“, sagt Hannes Wendroth, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Ostholstein-Plön.

Es mache enorm viel Arbeit, sagt Wolfgang Jungkuhn, Datenschutzbeauftragter des Kreises Ostholstein. Die Verordnung sei schwierig umzusetzen, weil es darum gehe, Informationspflichten zu erfüllen. Jeder Vordruck müsse überprüft werden. Aber: „Wir sind relativ gut aufgestellt.“

Auch Feuerwehren müssen Verordnung beachten

Die Vorschriften treffen auch die Freiwilligen Feuerwehren. „Wir können maximal Hinweise geben, worauf zu achten ist“, sagt Dirk Prüß, Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Ostholstein. „Wie die das umsetzen, liegt nicht bei uns.“ Er weiß, dass sich viele Feuerwehren von ihren Mitgliedern unterschreiben lassen, dass sie mit der Verarbeitung persönlicher Daten einverstanden sind. Außerdem heißt es im Brandschutzgesetz: „Die Feuerwehren, die Gemeinden, Ämter und die Kreise, die Aufsichtsbehörden, die Kreis- und Stadtfeuerwehrverbände sowie die Landesfeuerwehrschule dürfen die für die Einsatzplanung und Mitgliederverwaltung sowie die Lehrgangsdurchführung notwendigen personenbezogenen Daten ... im jeweils erforderlichen Umfang verarbeiten.“ Das, sagt der Sprecher des Kieler Innenministeriums, Dirk Hundertmark, ändere sich auch in Zeiten der DSGVO nicht. Der Landtag habe lediglich das Datenschutzrecht angepasst. Damit sei sichergestellt worden, dass die Feuerwehren Daten über die körperliche Eignung der Einsatzkräfte verarbeiten dürfen. Gleiches gelte für personenbezogene Daten der von einem Einsatz betroffenen Personen.

 Susanne Peyronnet und Heike Hiltrop