Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Auf den Spuren von Heinrich Rantzau
Lokales Segeberg Auf den Spuren von Heinrich Rantzau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:28 28.01.2019
Detlef Dreessen von der „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ stellt den Entwurf des informativen Stadtplans vor. Quelle: .  Wolfgang Glombik
Anzeige
Bad Segeberg

 Ein Heinrich-Rantzau-Stadtplan mit reichlich Informationen über den einflussreichsten Mann der Geschichte in Bad Segeberg. Nicht nur für Touristen, sondern auch für Bad Segeberger Bürger, die sich mit der Historie ihrer Stadt auseinandersetzen möchten, ist dieser Plan gedacht. Er wird von der „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ herausgegeben.

Von der Stadt darf das neue Info-Blatt offiziell nicht gefördert werden, weil der Arbeitskreis kein Verein ist, ja bewusst auf derartige aufwendige Strukturen verzichtet. Ein entsprechender Förderantrag im städtischen Kulturausschuss sei mangels eines Vereinsstatus’ gescheitert, erklärte Detlef Dreessen vom Arbeitskreis den LN. Die Konzeption für den Plan ist fertig, auch die redaktionelle Gestaltung mit sehr informativen, aber auch locker geschriebenen Texten von Dreessen. Nun werden Sponsoren für die Kosten der grafischen Druckvorbereitung und den Druck von 1000 Exemplaren gesucht.

Anzeige
Der Obelisk in der Hamburger Straße erinnert seit 1590 an König Friedrich II. Rantzau. Quelle: GLOMBIK

Der Umgang Bad Segebergs mit seiner spannenden Geschichte ist nicht immer vorbildlich. Das zeigt sich zum Beispiel am berühmten Rantzau-Keller-Gewölbe von 1558, dem letzten Überbleibsel des prachtvollen Palais, nördlich des Kleinen Segeberger Sees gelegen. Wer den Keller besichtigen möchte, steht vor verschlossenen Toren an einem Privatgelände. Schlimmer: Nicht einmal ein kleines Schild weist darauf hin, dass hier einst Segebergs einflussreichster Mann der Geschichte Heinrich Rantzau (1526 bis 1598) residierte. Bei dem gaben sich einst Könige und Gesandte die Klinke in die Hand.

Denn Rantzau war Statthalter und Amtmann dreier dänischer Könige: Christian III., Friedrich II. und Christian IV. Die herrschten damals in Kopenhagen, ein großer Machtfaktor in Europa. Rantzau galt als extrem reich, sehr gebildeter und einflussreicher Mann in Nordeuropa. Dieses wäre für das heutige kleine Bad Segeberg neben den Karl-May-Spielen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, mit dem man punkten könnte. Mit dem Stadtplan wird man sich auf Spurensuche begeben können. Den Obelisken kennen vielleicht einige, auch die Rantzaukapelle in der Hamburger Straße – aber wer weiß schon, dass in der Heinrich-Rantzau-Schule ein Original-Ölgemälde des berühmten Mannes mit dem „Elefantenorden“ hängt. Das war die höchste Auszeichnung, die ihm König Friedrich II. im Jahre 1580 verliehen hatte. Die Schüler an der Grundschule kennen den schulischen Namensgeber mit dem Rauschebart sehr wohl. In der zweiten Klasse soll Rantzau dort Pflichtstoff sein, weiß Dreessen.

Heinrich Rantzau bekam den Elefantenorden verliehen. Der hängt ihm hier, in der Grundschule auf dem Ölgemälde abgebildet, um den Hals. Quelle: GLOMBIK

Mit dem Infoblatt können sich bald alle Bürger auf Spurensuche begeben. Zu den Stationen in dem Plan zählen auch das Alt-Segeberger Bürgerhaus, die letzte erhaltene Immobilie Heinrich Rantzaus in Bad Segeberg. An der Westseite der Marienkirche in Bad Segeberg zeigt ein von Rantzau in Auftrag gegebenes Ölgemälde den Mord an Grafen Adolf VI. sehr plastisch wie ein Comic. Hin und wieder verlieren sich auch heute historisch interessierte Dänen in die Stadt, die nach den Spuren dieses, so Dreessen, „höchst gebildeten Humanisten“ und ihrer Könige suchen. Die Lübecker hatten Segeberg fast komplett zerstört, „es standen nur noch drei Häuser“. Rantzau machte den Flecken, der zu Beginn seiner Amtszeit nur aus 50 Häusern um die Siegesburg bestand, „zu einer europaweit bekannten Stadt“. Bad Segeberg müsste Rantzau mehr in den Vordergrund rücken, fordert Dreessen. Der Rantzau-Stadtplan ist ein wichtiger Schritt dafür.

Wolfgang Glombik

28.01.2019
28.01.2019