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Segeberg Neversdorf kämpft gegen Riesenbärenklau
Lokales Segeberg Neversdorf kämpft gegen Riesenbärenklau
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18:00 12.07.2019
Mit einem Bagger wurde der Riesenbärenklau abgestochen, Gemeindevertreter Wolfgang Hagedorn zog sie dann mit dicken Arbeitshandschuhe aus dem Boden. Quelle: Andreas Nixdorf/hfr
Neversdorf

Er ist schön anzusehen, hat weiße, filigrane Blütendolden, die sogar mehrmals im Jahr blühen können, und er hat eine imposante Größe: der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude, Herkuleskraut oder Bärenkralle genannt. Als Neversdorfs Bürgermeister Andreas Nixdorf und Gemeindevertreter Sven Schultze im Frühjahr auf mehreren gemeindeeigenen Flächen in Richtung Bebensee wieder Riesenbärenklau entdeckten, wussten beide, dass sie handeln müssen, denn die Pflanze war im Begriff, sich immer weiter auszubreiten. Inzwischen haben sie ihr Vorhaben in die Tat umgesetzt und die Ansammlung der großen Pflanzen von einer ersten Fläche am Moor entfernt.

Pflanze unterdrückt heimische Flora

Wer schon einmal mit dem Riesenbärenklau in Berührung gekommen ist, wird diese Begegnung so schnell nicht wieder vergessen, denn alle Pflanzenteile enthalten das zu den photosensibilisierenden Substanzen gehörende Gift Furocumarin. Es führt bei Hautkontakt in Verbindung mit Tageslicht bei Menschen und Tieren zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen, die nur schwer heilen und wie Verbrennungen erscheinen. Darüber hinaus aber hat der Riesen-Bärenklau noch eine weitere negative Eigenschaft: Er unterdrückt die heimische Flora und Fauna und verdrängt diese.

Neverdorf kämpft gegen die schmerzhafte Pflanze

So weit wollten es die Neversdorfer jedoch nicht kommen lassen. Da sich der Riesenbärenklau von ersten Maßnahmen im Jahr zuvor unbeeindruckt gezeigt und sich auf der 400 Quadratmeter großen Fläche immer weiter ausgebreitet hat, rückten Nixdorf und Schultze gemeinsam mit Jan-Hinrich Klingner, Wolfgang Hagedorn und Mathias Nixdorf sowie einem Bagger an, um mit schwerem Gerät gegen die Pflanzen vorzugehen. Sie führen damit die Arbeit des vorherigen Bürgermeisters Heinz Stockrahm weiter, der auch schon regelmäßig gegen den Riesenbärenklau angekämpft hatte.

Gegenmaßnahmen im Vorjahr waren erfolglos

„Damals wurden der Bärenklau per Hand aus dem Boden gerissen. Gebracht hat das leider nichts. In diesem Jahr war wieder alles voll“, bedauerte der Kulturausschussvorsitzende und Landschaftsgärtner Sven Schultze. Er vermutet, dass vor einem Jahr ein Fehler gemacht wurde: Der ausgerissene Bärenklau blieb auf einem großen Haufen liegen. „Wahrscheinlich konnte er dadurch wieder Fuß fassen“, sagt Schultze.

Infos zum Riesenbärenklau

Zu einem Problem hat sich der Riesenbärenklau nicht nur in Schleswig-Holstein entwickelt, sondern ist auch in anderen Bundesländern zu einer gefährlichen Plage geworden. In Nordrhein-Westfalen (NRW) hat die Landwirtschaftskammer umfangreiche Informationen und Maßnahmen zur Bekämpfung der Herkulesstaude herausgegeben. Möglichkeiten und Beispiele effektiver Bekämpfungsmaßnahmen sind in einer Bildschirmpräsentation aufgezeigt, die auf der Internetseite www.landwirtschaftskammer.de zum Download bereitsteht. Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW hat unter www.lanuv.nrw.de eine Infobroschüre herausgegeben. Sehr ausführlich sind zudem die Ausführungen des ehemaligen Kinderarztes Dr. Wolf Herold von der Arbeitsgemeinschaft zur Eindämmung des Riesenbärenklaus in Wilhelmshaven, der auf seiner Internetseite www.baerenklauwhv.de ebenfalls wirksame und unsinnige Methoden zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus aufzeigt.

Weitere Flächen sollen vom Bärenklau befreit werden

Das wollten die Neversdorfer, die in langärmeliger Kleidung und mit dicken Arbeitshandschuhen ausgerüstet ans Werk gingen, in diesem Jahr vermeiden. Mit dem Bagger wurden die Pflanzen unterhalb ihrer Wurzel aus der Erde gelöst und dann per Hand abgesammelt und auf den Anhänger des Gemeindetreckers geladen. Momentan trocknen drei Anhängerladungen Bärenklau in einer Scheune aus. In Kürze sollen die Pflanzen endgültig entsorgt werden.

„Die Fläche werden wir jetzt beobachten und eventuell nachbearbeiten“, sagt Sven Schultze. Erst wenn sicher ist, dass ihre Maßnahme erfolgreich war, wollen die Neversdorfer zwei weitere Flächen in Angriff nehmen, auf denen der Riesenbärenklau ebenfalls wuchert.

Sofortmaßnahmen nach Berührungen

Alle Pflanzenteile des Riesenbärenklaus enthalten das Gift Furocumarin. Gelangt es auf die Haut und wird die Stelle dem Sonnenlicht ausgesetzt, entstehen nach ein bis zwei Tagen starke Rötungen, Hautverbrennungen und Blasen. Noch Jahre später kann die Haut empfindlich auf ultraviolette Strahlung reagieren.

Wer aus Versehen mit dem Riesenbärenklau in Kontakt gekommen ist, sollte rasch handeln. So raten Fachleute dazu, sofort einen schattigen Platz aufzusuchen, die betreffenden Stellen gründlich mit Wasser und Seife zu reinigen, anschließend mit einem feuchten Lappen zu kühlen und einen Sonnenschutz aufzutragen. Sind größere Flächen der Haut betroffen und treten Symptome wie Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufstörungen auf, sollte auf jeden Fall schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Ruth Severin vom Naturschutzbund in Bad Segeberg weiß um die Schwierigkeit, Riesenbärenklau wieder loszuwerden, wenn er sich einmal ausgebreitet hat: „Das ist ein fürchterliches Unterfangen.“ Von größeren Flächen mit Riesenbärenklau habe sie in diesem Jahr noch nicht gehört, aber sie weiß von einzelnen Pflanzen auf dem Weg von der Badestelle am Segeberger See in Klein Rönnau zum Klüthsee.

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Petra Dreu

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