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Segeberg Norderstedter geprellt: Haftstrafen
Lokales Segeberg Norderstedter geprellt: Haftstrafen
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18:12 27.05.2019
Der 34-jährige Hauptangeklagte (links im weißen Hemd beim Prozessauftakt im Kieler Landgericht mit Strafverteidiger Thomas Jung) wurde wegen Betrugs zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der einzige Deutsche ohne Migrationshintergrund (rechts im roten Pullover) trat bei der Geldübergabe als falscher Kripo-Beamter auf. Ein dritter Angeklagter wurde wegen Beihilfe zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt. Quelle: Geyer
Kiel/Norderstedt

Mit tagelangem Telefonterror und einer fingierten E-mail vom „Bundeskriminalamt“ setzten falsche Polizeibeamte einen 88-Jährigen Norderstedter massiv unter Druck. Bis der Rentner 185 000 Euro von seinem Konto abhob und einem angeblichen Oberkommissar übergab. Am Montag verurteilte das Kieler Landgericht drei Beteiligte wegen Betrugs mit dem „Polizeitrick“ zu Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren und zehn Monaten.

An der Planung des „hochgradig kriminellen und professionellen“ Betrugs war das Trio aus Langenhagen (Niedersachsen) nicht beteiligt, so das Urteil. Doch als kurzfristig eingesetzte Mittäter hätten zwei Angeklagte wesentliche Beiträge zur Ausführung geliefert. Die härteste Strafe traf einen 34-Jährigen aus dem Kosovo, der im Auftrag seiner noch nicht festgenommenen Hintermänner für 10 000 Euro Belohnung die Mitangeklagten rekrutierte. Mit zwei Jahren und drei Monaten fiel die Haftstrafe für einen 26-jährigen Deutschen etwas milder aus. Der rotblonde Mann, der zur Tatzeit unter Bewährung stand, trat dem heute 89-jährigen Geschädigten als falscher Polizeibeamter gegenüber. Der vielfach vorbestrafte Geldabholer habe eine untergeordnete, aber wichtige Rolle gespielt, sagte der Vorsitzende Michael Scheck in der Urteilsbegründung: „Ohne Sie wäre die Tat nicht ausgeführt worden.“

Als Oberkommissar angekündigt

Die Drahtzieher saßen in einem türkischen Callcenter. Sie steuerten und kontrollierten sämtliche Bewegungen der Angeklagten und des Geschädigten telefonisch – teilweise per Standleitung. Ziel war die Geldübergabe am Freitag, 13. Oktober 2017, vor einer Hamburger Kirche. Der dem Opfer als „Oberkommissar“ angekündigte Abholer hatte nur wenige Augenblicke die Verfügungsgewalt über die Beute im Pilotenkoffer. Trotzdem haften laut Urteil jetzt beide Männer für den Verlust der Summe, die umgehend in die Türkei transferiert wurde. Mit Hinweis auf ein jüngeres BGH-Urteil ordnete die Kammer die Einziehung von 185 000 Euro an. Darauf hatte auch die Staatsanwaltschaft plädiert, die jedoch bis zu dreieinhalb Jahre Haft forderte. Die Verteidigung forderte maximal eineinhalb Jahre Haft und sah die Verantwortung für den Schaden bei den Hintermännern. Finanziell aus dem Schneider ist laut Urteil jedoch nur der dritte Angeklagte (32), der bei der Geldabholung auf die echte Polizei achten sollte. Er wurde wegen Beihilfe zu 900 Euro Geldstrafe (90 Tagessätze á zehn Euro) verurteilt. Er braucht lediglich jene 500 Euro an den Staat abzuführen, die er als Belohnung fürs „ Schmiere stehen“ bekommen hatte.

Serie von drei Polizeitrick-Prozessen

Mit dem verkündeten Urteil schließt das Kieler Landgericht eine Serie von drei „Polizeitrick“-Prozessen gegen zwei unabhängig voneinander operierenden Tätergruppen aus dem Raum Hannover ab. Eines der beiden Trios hatte im März 2018 drei wohlhabende Kieler Senior(inn)en um Schmuck, Goldbarren und Bargeld im Gesamtwert von 244 000 Euro geprellt. Die härteste Strafe für diesen Tatkomplex traf bereits im Februar den Betreiber (26) einer Shisha-Bar in Hannover. Er stand als „Logistiker“ auf einer höheren Stufe der Bandenhierarchie und wurde zu vier Jahren und vier Monaten verurteilt. Gegen seine Komplizen verhängte das Kieler Landgericht am Freitag Haftstrafen bis zu zwei Jahre und acht Monate. Allein in Schleswig-Holstein erbeuteten Betrüger 1,8 Millionen Euro mit dem Polizeitrick, teilte die Kieler Staatsanwaltschaft für das Jahr 2018 mit. Der Justiz geht die Arbeit somit nicht aus: Drei weitere Anklagen lägen dem Landgericht vor, eine vierte sei in Arbeit.

Thomas Geyer

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