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Segeberg Norderstedt: Kassiererin ging mit Kreditkarte des Kunden shoppen
Lokales Segeberg Norderstedt: Kassiererin ging mit Kreditkarte des Kunden shoppen
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17:06 02.04.2019
Das Kieler Landgericht verurteilte die Kassiererin zu einer Geldstrafe. Quelle: Fotolia
Kiel/Norderstedt.

Stell Dir vor, Du findest eine Kreditkarte. Statt das fremde Zahlungsmittel umgehend seinem Besitzer, dem Geldinstitut oder der Polizei zukommen zu lassen, ging die 28-jährige Kassiererin einer Tankstelle in Norderstedt damit ausgiebig shoppen. Am Dienstag verurteilte das Kieler Landgericht die nicht vorbestrafte Frau wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu 5400 Euro Geldstrafe (180 Tagessätze à 30 Euro).

Ein vergesslicher Kunde hatte die Visa Card nach dem Tanken auf dem Tresen liegen lassen. Ein Mitarbeiter der Nachtschicht legte sie zunächst beiseite. Als die Angeklagte am nächsten Morgen bei Dienstbeginn die fremde Visa Card auf der Fensterbank entdeckte, griff sie zu. Noch am selben Abend fuhr sie mit zwei Freunden ins Alstertal Einkaufszentrum (AEZ) in Hamburg und verfiel in einen wahren Kaufrausch.

Schuhe und Markenklamotten

Drei Paar Schuhe für 400 Euro, Marco Polo-Markenklamotten für 539 Euro, Schickes von Tommy Hilfiger für 596 Euro. Innerhalb weniger Stunden verprasste die Einkäuferin ein Mehrfaches ihres damaligen Monatseinkommens. In drei von zwölf Läden verweigerte die Kreditkarte den Bezahlvorgang. Sobald die Karte streikte, trat sie vom Kauf zurück. Die Belastung des fremden Kontos addierte sich auf rund 1500 Euro. Das Geldinstitut kam für den Schaden auf.

Vor dem Trip durchs Hamburger Einkaufszentrum hatte die Angeklagte die gefundene Visa Card beim Kauf von Zigaretten getestet – am eigenen Arbeitsplatz, vor laufender Überwachungskamera. „Was hat Sie denn da geritten?“ will die Vorsitzende der Berufungskammer wissen. Die bis dahin unbescholtene Angeklagte erklärte, ihr damaliger Freund habe sie am Telefon ermuntert, die Karte einzusetzen.

Die aus Tadschikistan stammende Angeklagte schaffte in Schleswig-Holstein das Abitur, studierte zehn Semester Physik. Ihre Ausbildung zur Speditionskauffrau finanzierte sie durch den Nebenjob in der Tankstelle. Dort erlag sie beim Fund des „Sesam öffne dich“ im Plastikkartenformat offenbar einer Kurzschlussreaktion.

Chefin erkannte Computerbetrug

Mit einem Blick ins Überwachungsvideo hatte ihre Chefin den sekundengenau dokumentierten Computerbetrug erkannt. Die Angeklagte will ihre Spontantat selbst „wie einen Film“ erlebt haben. „Das warst nicht du!“, sagte ihr später die Pächterin der Tankstelle. „Du warst total hektisch, bist hin und hergerannt.“ Dass sie auffliegen musste, war der Angeklagten wohl nicht klar. Oder sie hat es verdrängt.

Beim Shoppen zeichnete sie die Belege mit der gefälschten Unterschrift des geschädigten Karteninhabers handschriftlich ab. In erster Instanz verurteilte sie das Amtsgericht Norderstedt noch zu 10 000 Euro Geldstrafe (200 Tagessätze á 50 Euro). Das war im Juli 2018. Doch inzwischen verlor sie wegen des Vorfalls auch noch ihren neuen Job bei einer internationalen Spedition.

Weil die Kauffrau in die Flugfracht-Abteilung am Airport aufsteigen sollte, war eine Sicherheitsüberprüfung fällig. Dadurch erfuhr auch der neue Arbeitgeber von ihrem Ausrutscher. Es folgte die Kündigung. Deshalb milderte die Berufungskammer die Geldstrafe und gewährte monatliche Abzahlung in 100-Euro-Raten.

Die Angeklagte und ihr Verteidiger hatten auf eine Verwarnung mit Strafvorbehalt gehofft. Schließlich liege die Sache bereits zwei Jahre zurück. Dann wäre die Vorstrafe der Arbeitssuchenden nicht im Führungszeugnis aufgetaucht. Doch für eine milde „Geldstrafe auf Bewährung“ sahen weder die Staatsanwältin noch die Berufungskammer einen Raum.

Thomas Geyer

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