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Segeberg Norderstedt will 22 000 Euro für Anti-Drogen Zug bereitstellen
Lokales Segeberg Norderstedt will 22 000 Euro für Anti-Drogen Zug bereitstellen
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05:00 08.10.2019
Jürgen Schlichting von der Kreisverkehrswacht wirbt für den Anti-Drogen-Zug. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg/Norderstedt

Eine schnittige silberne Lok mit auffälligem Logo, dahinter sechs aufwendig gestaltete Waggons in denen auf über 150 Metern und in sehr eindrücklichen Bildern Drogenkarrieren und ihre schlimmsten Folgen in verschiedensten Szenarien dramatisch dargestellt sind: Das ist Revolution-Train. Interviews und Filme ergänzen die Kulisse. In zwei Wochen soll laut Kreisverkehrswacht in Norderstedt ein Vorvertrag unterzeichnet werden, damit der Anti-Drogen-Zug hier einen Stopp einlegt.

Zug tourt durch Deutschland

Seit Monaten werben Initiator Jürgen Schlichting von der Kreisverkehrswacht Segeberg und seine Mitstreiter bei Schulen und Kommunen für das außergewöhnliche in Tschechien konzipierte Präventionsprojekt, das schon seit geraumer Zeit auch durch Deutschland tourt.

Umstrittenes Präventionsprojekt

Doch das Vorhaben ist nicht unumstritten: Längst überholte Präventionsansätze aus den 1980ern, die nur aus Abschreckung bestehen ohne Reflexion, ätzen die einen. Prominentester Gegner dürfte Schleswig-Holsteins Sozialministerium sein. Endlich einmal etwas, das nachhallt und so aufbereitet ist, dass Jugendliche sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen, argumentieren dagegen die Befürworter. Von denen sich immer mehr hinter das Vorhaben stellen, den Zug auch durch den Kreis Segeberg rollen zu lassen.

Kriminalpräventiver Rat in Norderstedt ist dabei

Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Norderstedt hat nun reagiert: 12 000 Euro wurden mit Mehrheitsbeschluss (eine Gegenstimme) in den Haushalt 2020 gestellt und noch einmal 10 000 Euro sollen für die Nachbereitung in den Schulen bereitgestellt werden. Mit im Boot ist die Gemeinde Henstedt-Ulzburg, die 8000 Euro zuschießen will. Damit wäre ein großer Teil der Kosten für einen mehrtägigen Stopp (rund 45 000 Euro) da. Zusätzlich hat der kriminalpräventive Rat der Stadt angekündigt gemeinsam mit dem Förderverein für offene Jugendarbeit Norderstedt weitere Spenden einwerben zu wollen.

Revolution-Train soll am 4. Mai 2020 anrollen

Rund 2700 Schüler könnten so am Projekt teilnehmen. „Der Zug kommt auf jeden Fall nach Norderstedt. Zu 90 Prozent - ein Restrisiko gibt es ja immer“, sieht Jürgen Schlichting erste Erfolge seines Einsatzes. Auch wenn der Haushalt erst noch verabschiedet werden muss. Der Ankunftstermin für den Revolution-Train steht auch schon fest. Schlichting: „4. Mai 2020.“

Erste Schulen in Kreis Leezen sind dabei

Schon jetzt haben Schulen aus der Region zugesagt dabei zu sein. Das Leezener Schulzentrum etwas: „Meine Kollegen aus der Schulsozialarbeit und ich befürworten das Projekt absolut“, unterstreicht Rektor Thomas Pachaly. „Wenn der Zug kommt, dann sind wir mit etwa 120 Schülern dabei.“ Unklar sei bisher nur mit welchen Jahrgängen. „Die Tendenz geht eher zu den 7. und 8. Jahrgängen. Denn es geht ja um Prävention und in dieser Altersgruppe haben wir die größten Auffälligkeiten.“

140 000 Euro für drei Stopps nötig

Auch die Richard-Hallmann-Gemeinschaftsschule in Trappenkamp hat bereits Interesse signalisiert, so Schlichting. Der Ursprungsplan, an dem derzeit noch festgehalten wird, sieht weitere Zug-Stopps in Bad Segeberg und Bad Bramstedt vor. 140 000 Euro müssten es dafür werden. Aber, so Schlichting, „Thüringen will den Zug, Niedersachsen und Berlin auch – nun würde auch ein einmaliger Stopp funktionieren.

Neues Konzept zur Nachbearbeitung steht

Derweil liegt seit einigen Tagen auch das überarbeitete Konzept zur Nachbereitung in den Schulen vor. Gegner hatten die dürre Aufarbeitung mit einem Fragebogen bemängelt. Was nun auf dem Tisch liegt, ist umfassend. In den Kommunen, die generelle Zustimmung signalisiert hätten, stünden nun ebenfalls die Entscheidungen an. „Die Basis will das Projekt“, ist Jürgen Schlichting sicher und hofft, dass demnächst auch die Kreispolitik konkret wird.

Drogen in Zahlen

120 000 Menschen, so die Schätzungen, sterben laut Deutschem Drogenbericht bundesweit im Jahr an den Folgen ihres Tabakkonsums.

21 000 Menschen sterben danach jährlich an den Auswirkungen schädlichen Alkoholkonsums.

1300 Todesfälle sind nach dem Bericht bundesweit direkt auf den Konsum illegaler Drogen zurückzuführen.

10 000 Babys kommen Schätzungen zufolge jedes Jahr mit alkoholbedingten Schädigungen zur Welt (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

40 Milliarden Euro misst der volkswirtschaftliche Schaden 2018 alleine durch Alkohol.

20 bis 25 Prozent der Arbeitsunfälle ereignen sich laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen unter Alkoholeinwirkung.

3,3 Milliarden Euro Steuereinnahmen resultierten 2018 laut Statistik aus dem Geschäft mit Alkohol.

900 Zigaretten kommen rein rechnerisch laut Statistischem Bundesamt jährlich auf jeden Deutschen.

94 Liter Bier trinkt jeder Bundesbürger statistisch gesehen im Jahr

1091 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gab es 2018 laut Segebergs Kriminalitätsstatistik in denen die Segeberger Polizei 2018 ermittelt hat (2017 waren es 737).

548 Konsumentendelikte hatten einen Cannabis-Hintergrund (2017 waren es 378 Fälle in denen das Rauschmittel eine Rolle gespielt hat.

234 Fälle in denen wegen Handel und Schmuggel von Rauschgift ermittelt wurde, gab es in 2018, ein Anstieg zum Vorjahr um 39 Prozent.

1 Drogentoter wurde 2018 Kreis Segeberg erfasst.

Weiterführende Links

Segeberg will den Zug gegen Drogen

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Von Heike Hiltrop

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