Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Norovirus-Alarm in der Erstaufnahme Boostedt: Drei Fälle bestätigt
Lokales Segeberg Norovirus-Alarm in der Erstaufnahme Boostedt: Drei Fälle bestätigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:55 09.11.2015
In den ehemaligen Kasernengebäuden in Boostedt leben derzeit über 2000 Flüchtlinge Quelle: Heike Hiltrop (Archiv)
Boostedt

Montag Abend sah es schon besser aus: Nachdem am Montagmorgen das Kreisgesundheitsamt noch von über 100 am Norovirus erkrankten Menschen in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt ausgegangen war, kam gestern Abend die Entwarnung: Ärzte hätten bei keinem der 1780 Flüchtlinge mehr die meldepflichtigen Infektion diagnostiziert, sagte Magdalena Drüwa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster.

Die Isolierungs- und Vorsichtsmaßnahmen würden jedoch bestehen bleiben bei gleichzeitiger Verschärfung der Hygienemaßnahmen, hieß es. Am Wochenende hatten 39 Patienten über Symptome wie Erbrechen oder Durchfall geklagt. Daraufhin seien rund 100 Menschen in einem Gebäude isoliert worden. Laboruntersuchungen hätten die Infektion aber nur bei drei Patienten sicher bestätigt. Das medizinische Personal hatte gestern alle Hände voll zu tun — Amtsarzt Dr. Boris Friege konnte die neuen Daten deshalb am Abend noch nicht bestätigen. Die ehrenamtlichen Helfer, die sich um Flüchtlinge kümmern, durften gestern nicht in die Unterkunft.

Durchfälle, sich übergeben — bricht das Norovirus aus, ist das eine hässliche, ernst zu nehmende Krankheit. Im normalen Verlauf kann bei sonst gesunden Menschen alles nach ein, zwei Tagen vorbei sein. Anders zum Beispiel bei Diabetikern: Segeberger erinnern sich noch mit Grausen an das Camp D auf der Rennkoppel 2011, einem der größten Rettungsdiensteinsätze im Kreis Segeberg überhaupt (siehe Info-Text).

Kleinkindern, Schwangeren, Senioren, geschwächten Patienten oder eben Diabetikern kann das Virus durchaus gefährlich werden. Da Noroviren leicht übertragen werden, begann das Gesundheitsamt in Boostedt schon mit Bekanntwerden der meldepflichtigen Erkrankung am Freitag mit seinen Ermittlungen in der Erstaufnahmeeinrichtung: Informationen in mehreren Sprachen zum Erkrankungsbild und Gegenmaßnahmen wurden den Flüchtlingen zur Hand gegeben. Dem Sicherheits- und Sanitätsdienst wurden Desinfektionsmittel und Schutzkleidung übergeben. In der Nacht zu Montag machten sich dann der Leiter der medizinischen Versorgung in Boostedt sowie der Leitende Notarzt und der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes zusammen mit dem Gesundheitsamt ein aktuelles Bild von der Lage. „Eine Notwendigkeit für außerplanmäßige sanitätsdienstliche Behandlungen oder Rettungseinsätze ergaben sich hierbei allerdings nicht“, erklärt das Landratsbüro. Die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Rettungsdienstes organisierte noch nachts größere Mengen geeigneter Lebensmittel zur Behandlung und Vorbeugung von durchfallbedingtem Flüssigkeitsmangel.

Für die Bevölkerung außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung besteht laut Gesundheitsamt keine Gefährdung durch das Norovirus.

Einer der größten Rettungsdiensteinsätze im Kreis Segeberg
Großeinsatz auf der Rennkoppel: 300 der 600 Teilnehmer des Diabetiker-
Zeltlagers „Camp D“ waren am zweiten Juli-Wochenende 2011 am Norovirus erkrankt. Von 300 Erkrankten mussten 143 in 22 Krankenhäuser in Schleswig-Holstein und Hamburg gebracht werden. Über 90 Rettungswagen waren im Einsatz. Mit an vorderster Front kämpften die Segeberger Kliniken, die noch in der Nacht 41 Erkrankte aufnahmen. Diabetiker sind bei Infektionen viel anfälliger für Stoffwechselstörungen. Mit dabei waren auch die ehrenamtlichen Helfer der schnellen Einsatzgruppe (SEG) Segeberg, die jetzt auch in Boostedt helfen.

Lothar Hermann Kullack