Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Segeberg will den Zug gegen Drogen
Lokales Segeberg Segeberg will den Zug gegen Drogen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 07.07.2019
Der in Tschechien konzipierte Revolution Train besteht auch sechs Waggons, er könnte in Bad Segeberg, Norderstedt und Bad Bramstedt Halt machen, wenn die Kreisverkehrswacht Sponsoren für 140 000 Euro zusammenbekommt. Quelle: www.pelucha.cz/donotstealmyphotos
Bad Segeberg

Allmählich nimmt das Projekt „Revolution-Train“ Fahrt auf, so wird der 165 Meter lange Anti-Drogen-Zug aller Voraussicht nach auch in Bad Segeberg im Frühjahr 2020 Station machen. „Ich bin glücklich, dass wir das hinkriegen“, teilte kürzlich Jürgen Schlichting von der Kreisverkehrswacht den LN mit. Er ist quasi die „Lokomotive“ für dieses spektakuläre Suchtpräventionsprojekt, das aus Tschechien stammt.

In einer Runde des Landrats mit den hauptamtlichen Bürgermeistern habe man sich sehr aufgeschlossen gezeigt. Das aufsehenerregende Projekt könne starten, wenn die Finanzierung geklärt sei. Landrat Jan Peter Schröder habe eine breite Unterstützung der Bürgermeister wahrgenommen und finde die Idee grundsätzlich gut. Eine komplette Kostenübernahme durch den Kreis sehe Schröder allerdings nicht, teilte seine Sprecherin Sabrina Müller auf LN-Nachfrage mit. In den politischen Gremien sei dazu bisher noch nichts diskutiert worden.

Hier könnte der Anti-Drogen-Zug auf dem Abstellgleis in Bad Segeberg parken, ohne den Verkehr der Nordbahn zu behindern. Quelle: Glombik

Schönfeld: Der Kreis ist der „Haupt-Nutznießer“

Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld stellte auf LN-Nachfrage klar, dass er das Ziel habe, dass der Kreis „die Federführung übernimmt und möglichst die ganze Bezahlung“. Die Rede ist von 140 000 Euro Gesamtkosten. Für Schönfeld ist der Kreis als Träger der Jugendhilfe bei dieser Aktion der „Haupt-Nutznießer“. Die beteiligten Städte müssten Klarheit haben, dass das Projekt bestellt und bezahlt werde. Es könne nicht sein, dass hier die Schulstandorte allein die Last tragen sollen.

Drastische Steigerung bei Drogendelikten

Indes scheint Drogenprävention in und um Bad Segeberg höchste Priorität zu gewinnen. In einer Sitzung des Stadt-Sozialausschusses hatte Schlichting, der auch Polizeibeamter ist, alarmierende Zahlen zu Drogendelikten vorgelegt. So habe es von 2017 bis 2018 eine Steigerung bei Drogenfällen im Kreis von 48 Prozent gegeben. 2018 zählte man 1091 Fälle wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz im Kreis, im Jahr davor seien es noch 737 Fälle gewesen. Bei Delikten von Cannabis-Konsum habe es eine Steigerung um 44 Prozent gegeben, bei Amphetaminen seien es gar 64 Prozent mehr. Zu dieser Gruppe gehören auch Substanzen wie Ecstasy und Crystal Meth. Die Zahlen würden weiter steigen, ist Schlichting überzeugt. Zumal hier jetzt die Polizei auch stärker fahnde.

Stationen einer Drogenkarriere werden drastisch dargestellt: Das in Tschechien konzipierte Projekt Revolution Train besteht aus sechs Waggons. Der Zug könnte in Bad Segeberg, Norderstedt und Bad Bramstedt Halt machen, wenn die Kosten von 140 000 Euro beglichen werden können. Quelle: hfr

Achtklässler gelten als besonders anfällig

Im Visier habe man vor allem Achtklässler, die als besonders anfällig gelten. Der Anti-Drogenzug setzt mit seinen sechs Waggons auf Abschreckung. Die Jugendlichen gehen im Zug durch die reale Geschichte einer Drogensucht, mit realistischen Szenen drastisch nachgestellt. Im Bereich Norderstedt könnten 2600 Schüler erreicht werden, in Bad Bramstedt und Bad Segeberg je 1600 Schüler. Die Kosten sollten auf die Gemeinden verteilt werden, „das muss fair bleiben“, fordert Schlichting. Die Schüler würden einen Eigenanteil von drei bis fünf Euro tragen. Im Mai 2020 könnte der Zug in Norderstedt einlaufen. Nach Bad Segeberg würde er drei Wochen später kommen. Ein Abstellgleis für den Zug mit den acht interaktiven Bereichen am Bad Segeberg Bahnhof zu bekommen, sei kein Problem.

Die Suchthilfe (ATS) soll einbezogen werden

 Kinder und Jugendliche kämen immer leichter an Drogen, sagt Schlichting. Auch die Unfallzahlen, die mit dem Konsum von Drogen und Alkohol zusammenhingen, nähmen zu. Bei der Prävention sollen Jugendliche das Nein-Sagen lernen. Der erhobene Zeigefinger bringe nichts. Bei dem Projekt sollen bestehende Institutionen wie Ambulante und Teilstationäre Suchthilfe (ATS) eingebunden werden. Der Gang durch den Zug dauere 90 Minuten. Im Anschluss sollen zu den Themen in den Schulen Projekte entstehen.

Stationen einer Drogenkarriere

Vor drei Jahren wurde der Anti-Drogen-Zug von der Bundesdrogenbeauftragten zum „Projekt des Monats“ erklärt. Dabei handele es sich um einen multimedialen, mobilen Zug, der für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahre geeignet sei, berichtete die Bundesbehörde. Die Besucher gingen buchstäblich durch die reale Welt einer Drogensucht, die sie in mehreren Kinosälen, in den einzelnen Waggons des Anti-Drogen-Zugs verfolgten. Gezeigt werden danach auch realistisch nachgestellte Szenen wie ein Autounfall, Gefängniszelle und Drogennest. So könne der Besucher sehr gut nachfühlen, was Drogenmissbrauch mit sich bringe. Fast 90 Prozent der deutschen Schüler hätten das Projekt mit den Schulnoten 1 oder 2 bewertet.

 Das Projekt ist nicht unumstritten

Die erlebnisorientierte Prävention soll in der Woche für Schulen offenstehen und am Wochenende für Familien. Da der Anti-Drogen-Zug auf Abschreckung setze, würden die Kids mit zum Teil schockierenden Erlebnissen konfrontiert. Bei den zuständigen Ministerien in Kiel ist das Projekt eher umstritten. Ein Präventionsansatz, der auf Furcht und Abschreckung setze, sei überholt, sagen Kritiker.

Doch der Zug sei nur der Einstieg, das ganze Projekt werde nachhaltig sein, beteuert Schlichting. „Es gibt nichts Vergleichbares.“ Er berichtet von zehn Polizeibeamten, mit denen er in Dresden den Zug besichtigte. Die seien begeistert von der Wirkung gewesen. Schlichting möchte jetzt auch probieren, den Zug nach Lübeck und Neumünster zu lotsen. „Wenn wir nur einen oder zwei Jugendliche so davon abhalten können, Drogen zu nehmen – dann hat sich das Ganze schon gelohnt.“

Wolfgang Glombik

Nicht 10 000, sondern sogar 20 000 Euro zahlt die Stadt Bad Segeberg jährlich für ihr Stadtmuseum, das Alt-Segeberger Bürgerhaus, an die Trägerin die Volkshochschule.

05.07.2019

Das Geld beim Online-Kartenhändler Eventim ist auf richterlichen Beschluss teilweise gepfändet worden. Viele Fans gehen wohl leer aus. Unterdessen wird auf der Homepage ein neuer Termin für das Festival im September angekündigt.

06.07.2019

23 aktive Mitglieder zählt der Dampf-Bahn-Club Holstein, der sich in Schackendorf ein Paradies für Dampfbahner geschaffen hat. Am Sonntag lädt der Verein zum Fahrspaß für die ganze Familie ein.

05.07.2019