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Segeberg Oering lässt seine Straßen checken
Lokales Segeberg Oering lässt seine Straßen checken
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20:10 20.08.2015
Mit zunächst neun, jetzt 14 Kameras filmt die Firma WVK die Oeringer Straßen und gewinnt so Aufschluss über deren Zustand. Quelle: Fotos: Spreer
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Oering

Ein futuristisch anmutendes Fahrzeug soll dazu beitragen, dass die Straßen von Oering bestmöglich saniert werden können. Der VW-Caddy der Neumünsteraner Firma Wasser- und Verkehrskontor (WVK) ist mit insgesamt 14 Kameras ausgerüstet — 13 auf dem Dach, eine unterm Auto. Jörg Tomaschewski fährt damit langsam alle Straßen der Gemeinde ab. Und die Kameras filmen diese aus allen Blickwinkeln. Ihnen bleibt kein Schaden an den Straßen verborgen: Ideale Voraussetzungen, um zu prüfen, wann was wo und in welcher Form gegen Schäden getan werden muss. Oering, die kleinste Gemeinde, die die Firma bisher mit der Erstellung eines solchen Straßenkatasters beauftragt hat, lässt sich das 11500 Euro kosten, sagt Andreas Hüttmann, Vorsitzender des örtlichen Bau-, Finanz- und Wegeausschusses.

Das etwa acht Kilometer lange gemeindliche Straßennetz wird also optimal unter die Lupe genommen. Das investierte Geld komme wieder ‘rein, ist sich Hüttmann sicher. Denn die Kommune werde erstklassige Infos über die Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen dafür erhalten. Hüttmann: „Wichtig ist doch gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel zu erfahren, welche Straßen am dringlichsten gemacht werden müssen.“ Dazu müsse man natürlich den Zustand aller Straßen kennen.

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Schlaglöcher, Netzrisse, Spurrinnen, Kuhlen, Sackungen, Wölbungen, kaputte Gehsteige, sich stauendes Niederschlagswasser oder fehlendes Gefälle zu Gullys: Das alles zeichnen die Kameras „auf den Zentimeter genau“ (Tomaschewski) auf. Das System ist von einem der WVK-Firmenchefs entwickelt worden. Ursprünglich waren auf dem Dach „nur“ acht Kameras montiert. „Wir haben jetzt fünf weitere angebracht“, berichtet Tomaschewski. Die seien in der Lage, die fünf Einzelperspektiven automatisch zu einem Gesamtbild zusammenzuführen.

„Wir haben schon die Kanalinspektion von WVK vornehmen lassen“, begründet Hüttmann die neuerliche Kooperation. Dass so ein kleines Dorf wie Oering (1300 Einwohner) sich so professionell und nicht ganz billig beraten lässt, ist für ihn nichts Besonderes: „Wir haben eine Straßenbausatzung und belasten die Bürger mit bis zu 75 Prozent, wenn wir die Straßen erneuern. Und daher müssen wir das fachmännisch angehen. Wir wollen nicht notdürftig ausbessern, sondern anhand eines Katasters eine vernünftige Bedarfsplanung erhalten.“ Außerdem müsse die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen und „Erhaltungsstrategien erstellen“.

Dem wird künftig noch mehr Bedeutung zuwachsen. Denn in ländlichen Orten wie Oering, wo noch aktiv Landwirtschaft betrieben wird, stellen die immer größer (und schwerer) werdenden Fahrzeuge ein erhebliches Problem für die Haltbarkeit der Straßen dar. „Die sind für das zunehmende Gewicht und die immer breiter werdenden Fahrzeuge ja gar nicht ausgelegt“, sagt Hüttmann. Für ihn seien Tonnenbegrenzungen auf bestimmten Wegen durchaus vorstellbar, zum Beispiel maximal 7,5 Tonnen. „Wir wollen die Landwirtschaft nicht behindern, aber sie sollte sich an der Sanierung beteiligen.“ Denn:

„Wir brauchen für unsere Straßen einen vernünftigen Untergrund und vernünftige Seitenbegrenzungen.“

Wichtig sei der neuen Mehrheit in der Gemeindevertretung, „die Bürger bei diesem Thema mitzunehmen“, hebt Hüttmann hervor, der durchaus in Einzelfällen mit Protesten von Einwohnern rechnet. „Da wir nicht alle Straßen neu machen können, müssen wir sehen, dass wir die wichtigsten Schäden beseitigen, damit wir gut durch den Winter kommen.“ Und zwar „zukunftsweisend“. Denn eines wolle man auf keinen Fall: „Flickwerk.“

„Wir müssen die wichtigsten Schäden beseitigen, damit wir gut durch den Winter kommen.“
Andreas Hüttmann

Christian Spreer

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