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Segeberg Ohne Handicap in den Beruf
Lokales Segeberg Ohne Handicap in den Beruf
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21:14 10.11.2016
Die Schüler Fabienne Kärlin (l.), Kalunga Lukebakio und Pascal Spietczak sind begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen die Inklusive berufliche Orientierung am Berufsbildungszentrum Norderstedt bietet. Quelle: Fotos: Fuchs
Norderstedt/Kreis Segeberg

Ihr Schicksal war jahrzehntelang klar vorgezeichnet: Förderschule und anschließend in die Behindertenwerkstatt. Doch diese berufliche Einbahnstraße konnte seinen 108 Förderschülern an der Schule am Hasenstieg in Norderstedt längst nicht mehr gerecht werden, berichtet Schulleiter Sebastian Büscher. Zu unterschiedlich seien ihre Handicaps, zu gering die Fördermöglichkeiten für ihre Talente und Fähigkeiten. Das müsse sich ändern, dachte er sich.

Landesweites Modellprojekt am BBZ des Kreises Segeberg in Norderstedt hilft Förderschülern, einen Beruf erlernen zu können.

Und so entwickelte das Norderstedter Förderzentrum in Kooperation mit dem Berufsbildungszentrum des Kreises Segeberg in Norderstedt sowie der Trave-Schule in Bad Segeberg und der Janusz-Karczak-Schule in Kaltenkirchen ein neues Modellprojekt, das jetzt im zweiten Jahr absolut erfolgreich laufe, wie Projektleiterin Petra Abdel Kader bilanziert. Mit dem landesweiten Pilotprojekt, das es so ähnlich nur noch in Kappeln an der Ostsee gebe und Inklusive Berufsorientierung (IBO) genannt wird, „profitieren wir, die Kinder und die Gesellschaft gleichermaßen“.

Denn durch die gemeinsame Beschulung von geistig behinderten und nicht behinderten Berufsschülern werde nicht nur die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, umgesetzt, die genau dies fordert. Jetzt hätten die behinderten Schüler plötzlich eine Perspektive, zukünftig ein weitgehend selbstständiges Leben zu führen und ihren Berufsweg selbst zu wählen, erläutert die Förderschullehrerin am BBZ.

Dies gelinge, indem die behinderten Schüler im Unterricht lebenspraktische Lerninhalte bekämen, wie sie beispielsweise mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren, wie sie sich eine Wohnung und einen Job suchen sollten. Hinzu kommen die vielfältigen Möglichkeiten der praxisnahen Berufsausbildung, die das Berufsbildungszentrum in seiner Lehrküche, der Kfz- oder Metallwerkstatt bietet.

Zudem sind die Schüler aufgefordert, genau wie ihre weniger gehandicapten Mitschüler, Berufspraktika bei Ausbildungsbetrieben zu absolvieren, die die Berufsschule ihnen vermitteln könne, erklärt Petra Abdel-Kader.

Dieses Zusammenspiel klappt so gut, dass eine der elf Schülerinnen in diesem IBO-Projekt nach dem Schulabschluss in einem Altenheim arbeiten, eine andere in einem Friseursalon Haare schneiden könne.

„Die Chefs waren so begeistert von dem Engagement unserer Schüler.“

Das bestätigen die Betroffenen aus eigener Erfahrung. So möchte die 15-jährige Kalunga Lukebakio aus Norderstedt zu gerne Altenpflegerin werden, weil sie gemerkt habe, „wie gut ich mit den alten Menschen klarkomme“, sagt sie. Ihre Mitschülerin Fabienne Kärlin, die auch in Norderstedt wohnt, lernt jetzt Hauswirtschafterin und hat ein Praktikum beim SOS-Kinderdorf Harksheide absolviert, „weil ich so gerne mit Kindern zu tun habe“. Ihr Traum sei, irgendwann sozialpädagogische Assistentin zu werden. Und Pascal Spietczak aus Henstedt-Ulzburg hat in einer Autowerkstatt hospitiert und will Kfz-Mechaniker werden.

All diese beruflichen Perspektiven wären ohne dieses Modellprojekt nicht möglich gewesen, betont Annett Rohwer von der Eingliederungshilfe des Kreises Segeberg. „Auf diese Weise erleichtern wir den Schülern den Übergang von der Schule in den Beruf, bahnen ihnen Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Da hat sich gesellschaftlich einiges entwickelt“, freut sich die für solche Maßnahmen zuständige Kreismitarbeiterin. Und BBZ-Leiterin Ina Bogalski resümiert: „Wir haben mit den Förderschülern ganz brillante Schüler. Wir bereichern uns gegenseitig.“

Burkhard Fuchs

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