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Segeberg Kayhuder Online-Fleischvermarkter hat jetzt auch ein Restaurant
Lokales Segeberg Kayhuder Online-Fleischvermarkter hat jetzt auch ein Restaurant
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14:08 01.12.2019
Hinrich Carstensen und Lina-Louisa Kypke wagen mit dem Restaurant den nächsten Schritt. Quelle: Heike Hiltrop
Kayhude/Naherfurth

Der Onlinehandel und die Ladengeschäfte vor Ort gelten als harte Konkurrenten. Die Geschäfte der Global Player, wie der Bestellgigant Amazon, entwickeln sich immer dynamischer, während Ladenlokale mit dem Argument der guten Beratung versuchen, Kunden bei der Stange zu halten. Mit welchem Konzept ein Internetangebot den Standort analog befruchten kann, das ist derzeit im Kayhuder Ortsteil Naherfurth zu sehen.

Es ist gerade erst ein paar Monate her, da haben Hinrich Carstensen (33) und Lina-Louisa Kypke (28) den mit 20 000 Euro dotierten Digitalisierungpreis des Landes Schleswig-Holstein „Best of Digitales.SH“ abgeräumt. Das Paar überzeugte in der Kategorie Logistik mit seinem Start-up „EinStückLand“. Die Idee: Galloway-Rinder, Bunte Bentheimer Schweine oder Enten aus artgerechter Außenhaltung werden erst dann geschlachtet, wenn sie zu 100 Prozent online vermarktet sind. Den Versand übernimmt „EinStückLand“ ebenfalls. Damit konnte das Paar 2018 auch in der Investoren-Show „Höhle der Löwen“ überzeugen. Das ihnen gemachte Angebot lehnten sie aber ab.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder vom Restaurant von „Ein Stück Land-Esszimer“ in Kayhude zu sehen.

Vom Marktplatz bis zum Esszimmer

Den Beiden ist der Respekt vor dem Lebewesen ebenso wichtig wie der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Und so entstand neben dem digitalen Marktplatz der noch ganz analoge Hofladen „Speisekammer“ in Räumen eines alten Bauernhauses. Hier wird das Fleisch verkauft, das online nicht vermarktet worden ist. Eins kam zum anderen. Regionale Produkte ergänzen mittlerweile das Angebot: Bier aus einer kleinen Norderstedter Brauerei, Säfte einer Mosterei in einem Nachbardorf. Und als unlängst der alte Stall frei geworden war, stand fest: „Wir mussten die Gelegenheit einfach nutzen.“ Hinrich Carstensen schiebt die Strickmütze aus der Stirn.

Was im Hofladen steht wird verarbeitet

Mit viel Familienunterstützung, einem Teil des Preisgeldes und viel Enthusiasmus haben seine Freundin und er das Esszimmer mit Platz für 34 Gäste eingerichtet: Weiß getünchte Wände und Decken, silbergraue Gusseisenträger, derbe Holztische, Kerzenlicht, gestreifte Stoffservietten und eine kleine, aber feine Speisekarte. Die erste Flasche stilles Wasser geht immer aufs Haus. Es werde geguckt, was im Hofladen ist und das wird dann verarbeitet.

Ein Zuhause ohne lästigen Abwasch

„Wir wollen, dass unser Restaurant ein Ort ist, an dem sich die Leute wohlfühlen. Es soll ein bisschen wie zu Hause sein, bloß ohne das leidige Aufdecken, Abdecken und Abwaschen, aber genau so ehrlich und kommunikativ“, sind sich Hinrich und Lisa einig.

Chef über Pütt und Pann ist Koch Tim. Quelle: Heike Hiltrop

Ihre Mitarbeiter: Quereinsteiger, die Lust auf so ein Projekt haben. Da ist Ulrike, die aus der Landwirtschaft kommt und schon immer mal in einem Restaurant arbeiten wollte. Und Computer-Games-Technology-Student Martin, der ein paar Monate überbrücken muss. In der Speisekammer arbeiten drei weitere Minijobber. Koch Tim, der erste Vollzeitmitarbeiter von EinStückLand, hat über Facebook einfach mal nachgefragt, ob man ihn vielleicht brauchen könne, und wurde prompt eingestellt. „Gute Hausfrauenküche, modern gemacht“ will er zubereiten.

Restaurant rundet das Konzept ab

Gemüse kommt, wie das Fleisch, aus der Region. Im kommenden Jahr starte eine Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Elbe, das Bio-Gemüse anbaut. Dieser Tage hat Hinrich Carstensen seinen Job als Ingenieur für Offshore-Windanlagen gekündigt. Nun gibt es kein finanzielles Sicherheitsnetz mehr, aber er sieht positiv nach vorne: „Mit dem Restaurant runden wir unser Konzept der ganzheitlichen Vermarktung von Fleisch ab.“

 

Öffnungszeiten

Das „EinStückLand-Esszimmer“ (Segeberger Straße 121 in Kayhude/Naherfurth) ist mittwochs bis sonntags von 15 Uhr an geöffnet. Gekocht wird 17 bis 20 Uhr. Vorher stehen Kaffee und Kuchen auf der Karte, am Abend dann Fleisch aus der Region, aber auch Vegetarisches.

Cross-Channel-Handel: Die Vorteile beider Welten

Der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert für das diesjährige Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel ein Plus von drei Prozent auf 102 Milliarden Euro für den stationären und den Onlinehandel zusammen. „Der stationäre Handel erzielt 19 Prozent, der Internethandel etwas mehr als ein Viertel seines Jahresumsatzes im November und Dezember. Die Online-Umsätze werden in diesem November und Dezember im Vorjahresvergleich um knapp elf Prozent auf dann knapp 15 Milliarden Euro steigen“,sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Vermischung beider Kanäle nehme stetig zu, so Genth weiter. „Cross-Channel-Handel verbindet die Vorteile aus beiden Welten.“

Von Heike Hiltrop

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