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Segeberg Petition gegen Verkehrschaos bei Karl-May-Spielen: „Wir sind mehr als zwei Hardliner“
Lokales Segeberg Petition gegen Verkehrschaos bei Karl-May-Spielen: „Wir sind mehr als zwei Hardliner“
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20:51 15.11.2019
Anlieger haben ihre Grundstücke abgesperrt und Privatparkplätze nachdrücklich markiert. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Noch zwei Wochen läuft die Petition zur belastenden Verkehrssituation am Kalkberg. Bisher gibt es 170 Unterzeichner. Das sind zwar nur knapp zehn Prozent der anvisierten 2000. Dennoch zeigen sich die Initiatoren sehr zufrieden.

„Dass bei fünf bis sechs betroffenen Anliegerstraßen nicht mehr zusammenkommt, war abzusehen“, sagt Wolfgang Schroeder, Sprecher der neuen Anwohner-Initiative. „Die Zahl zeigt aber sehr deutlich, dass wir nicht nur zwei Hardliner sind. Der Protest ist breiter gefächert.“ Zudem sei der Petitionsausschuss des Landtags bereit, die im Vorfeld gesammelten Unterschriften ebenfalls zu berücksichtigen.

Anlieger hatten Mitte Oktober eine Petition gestartet, um auf Landesebene auf die seit Jahren angespannte Verkehrssituation zu den Karl-May-Spielen hinzuweisen.

Die Hoffnung: Dass die Stadt in Zugzwang gerät. „Wir gehen davon aus, dass zumindest eine Empfehlung ausgesprochen wird, damit die Probleme abgestellt werden“, sagt Schroeder. „Der Petitionsausschuss hat die Stadt 1999 in gleicher Weise schon einmal verpflichtet. Wir gehen davon aus, dass diesmal mit Nachdruck entschieden und den Forderungen der Anwohner Gehör verschafft wird.“

Besucherzahl hat sich verdoppelt

1999 war das Jahr, in dem Gojko Mitić im „Halbblut“ als Winnetou durch die Arena ritt – vor insgesamt 219 000 Zuschauern. Nun, 20 Jahre später, sind es fast 200 000 mehr. Einige Punkte waren damals genauso aktuell wie heute. In einer ähnlichen Petition ging es um „Belästigungen durch Veranstaltungen im Kalkberg-Stadion“. Initiiert wurde sie von der Interessengemeinschaft der Kalkberganlieger (Inka). Es ging um laute Böllerei und Technik, die das gesamte Stadtgebiet beschallte. Das ist durch neue Lautsprecher und Mikrofone abgestellt worden.

Aber: „Vom Ausschuss sind damals zwölf Punkte festgelegt worden“, erklärt der Initiator der laufenden Eingabe, Christoph Exner. „Die meisten davon sind nicht berücksichtigt worden“, stellt er ernüchtert fest. Zwei Punkte ärgern die Petenten besonders. Drei Anwohnerversammlungen pro Jahr wurden damals beschlossen, bei denen sich Veranstalter, Stadt und Anlieger austauschen sollten. Vor und nach der Saison sowie mittendrin. Tatsächlich sind es aber nur zwei Treffen.

Diese Punkte wurden 1999 festgelegt

Am 22. Juni 1999 hat der Eingabenausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags die Petition beraten. „Der Eingabenausschuss fordert die Stadt Bad Segeberg auf, die aufgeführten Punkte umzusetzen (...) Der Ausschuss kann den von den Petenten vertretenen Wunsch einer Verminderung der beschriebenen Belästigungen nachvollziehen“, heißt es im Beschluss. Diesem ist auch zu entnehmen, dass es 1992 eine weitere Petition gegeben hat.

Die Punkte im Detail:

  • Die Eingabe 92-13-a aus dem Jahr 1992 ist erledigt.
  • Die Petenten begrüßen die Absicht der Stadt Bad Segeberg, bei einer planungsrechtlichen Überarbeitung Teile des Gebietes als Wohngebiet auszuweisen.
  • Durch die am Kalkberg vermutete Gemengelage ist das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme besonders zu beachten.
  • Die geänderte Pyrotechnik hat zu einer Verminderung der Störungen geführt.
  • Veranstaltungen des Intermar-Hotels entfallen zukünftig.
  • Die derzeitige Verkehrsregelung kommt den Anwohnern zugute.
  • Die Zusagen des Bürgermeisters werden eingehalten.
  • Die Stadt Bad Segeberg setzt sich mit den vorgetragenen Bedenken der Petenten auseinander.
  • Verstärkte Einwirkung der Stadt Bad Segeberg auf die Kalkberg GmbH als Veranstalter zur Lärmminderung hinsichtlich des Nachtabbaus von Bühnenteilen.
  • Verminderung des Verkaufs von unnummerierten Karten.
  • Die regelmäßige Durchführung von drei Treffen im Jahr. Jeweils eine Anwohnerversammlung vor und nach der Karl-May-Saison sowie eine Gesprächsrunde mit den Petenten während der Saison.
  • Das grundsätzliche Veranstaltungsende für die Karl-May-Veranstaltungen ist auf 22 Uhr festgesetzt. Die Stadt Bad Segeberg wird verstärkt auf die Einhaltung achten.

Außerdem wurde festgelegt, dass die Karl-May-Spiele um 22 Uhr enden. „In diesem Jahr gab es keine, die vor 22.15 Uhr zu Ende war“, sagt Schroeder. Die Besucherströme seien gegen 22.30 Uhr durch die Straßen gezogen, ganz abgesehen vom Abreiseverkehr.

Weitere Punkte (siehe Infobox) werden derzeit immer wieder kritisiert: Gegenseitige Rücksichtnahme, dass der Bürgermeister Zusagen hält und die Stadt sich mit den Bedenken der Petenten auseinandersetzt. Das sei nur bedingt der Fall: „Uns interessiert schon, ob die Unzufriedenheit einfach ausgesessen wird oder ob tatsächlich Ideen entwickelt werden“, sagt Schroeder.

Auch Probleme haben sich verdoppelt

Zuletzt hatte sich die Anwohner-Initiative mit ihren Anliegen bei Segebergs Grünen Gehör verschafft. Und das erneut recht deutlich, denn dass sich die Verwaltung ernsthaft mit dem Problem beschäftige, sehen die Anlieger nicht. „Mit der Verdoppelung der Besucherzahlen haben sich auch die Probleme verdoppelt“, so Wolfgang Schroeder. „Nur die Straßen sind geblieben, wie sie sind.“ Da sei es mit ein paar Schildern nicht getan. „Die Stadt glänzt durch Ignoranz.“

Initiative hat viele Vorschläge

Die Grünen-Ortsspitze wollte sich die Situation aus erster Hand schildern lassen, „um das Thema in die Politik zu tragen“, sagte Sprecher Udo Nickel. Unter den Gästen befand sich mit Luzian Roth auch ein Christdemokrat, der sich die Problematik im Detail schildern lassen wollte. Schroeder: „Wir haben ganz konkrete Punkte, die wir fordern.“ Ganz oben stehe dabei, dass alle Entscheidungen in ein schlüssiges Gesamtkonzept fließen, das die Parksituation kritisch ins Auge fasst. Wir wollen die Parkplätze zentral an den Stadtrand verlegt haben, mit Shuttle-Service.“ Ein weiterer Vorschlag der Initiative sei es, mit dem Kauf eines Karl-May-Tickets gleich einen Parkplatz mit zu vergeben.

Man müsse es den Leuten bequem machen und sich um sie kümmern. „Dann brauchen sie auch nicht drei Mal durch die Stadt zu gurken. Wir reden hier von vier bis fünf Straßen. Die kann man für den Durchgangsverkehr dicht machen“, so Schroeder weiter. Auch Kooperationen mit dem ÖPNV, etwa der Nordbahn, sollten auf den Prüfstand. Aber es müsse auch der Wille da sein, das anzupacken und den sehe er bei der Verwaltung nicht, so Wolfgang Schroeder. „Wir Bürger überlegen uns Lösungen. Das ist nicht unser Job. Damit machen wir die Arbeit, die die Verwaltungsfachleute erledigen sollten.“

So geht es nach der Sammlung weiter

Die Anlieger setzen nun auf die am 16. Oktober gestartete Petition, um Druck auf die Stadt aufzubauen. Sie läuft noch bis zum 27. November. Bis jetzt ist sie nur formal geprüft worden. Mit der Einreichung wird sie inhaltlich bewertet. Mit 2000 Unterschriften kommt es in der Regel zu einer Anhörung, aber der Landtagsausschuss befasst sich mit jeder Petition.

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Von Irene Burow und Heike Hiltrop

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