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Segeberg „Paketboten“-Überfall: Sieben Jahre Haft für Drahtzieher gefordert
Lokales Segeberg „Paketboten“-Überfall: Sieben Jahre Haft für Drahtzieher gefordert
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20:11 09.04.2019
 Foto vom Prozessauftakt im Kieler Landgericht:  Der Angeklagte (2.v.l.) zwischen seinen Verteidigern Joachim Lauenburg und Gül Sabinha Pinar (mit Referendar). Quelle: Geyer
Kiel/Norderstedt

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des brutalen Raubüberfalls durch falsche Paketboten vom Dezember 2017 in Norderstedt hat die Anklage am Dienstag sieben Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Staatsanwalt Florian Müller-Gabriel warf Milan G. (56) versuchten Raub im besonders schweren Fall sowie vorsätzliche Körperverletzung vor.

Auch wenn der Angeklagte den Tatort nie betreten hatte, muss er sich nach den Worten des Staatsanwalts als Planer und Organisator des Überfalls auf die Ehefrau (50) und die Tochter (18) der Unternehmerfamilie auch die lebensgefährliche Verletzung der Mutter anrechnen lassen. Ziel sei es gewesen, an einen Tresor zu kommen, in dem man eine sechsstellige Summe Bargeld vermutete.

Opfer brutal zu Boden geschubst

Als es kurz vor Weihnachten 2017 bei der Familie klingelte, sah die Hausfrau durch den Türspion einen Paketboten in Hermes-Uniform. Arglos öffnete die kleine, zierliche Asiatin. Und wurde zurückgeschubst, so dass sie zu Boden fiel. Ein zweiter Stoß schleuderte die 50-Jährige gegen eine scharfe Möbelkante. Sie brach sich einen Halswirbel.

„Es bestand konkrete Lebensgefahr“, referierte der Staatsanwalt ein medizinisches Gutachten. Bei einer unglücklichen Kopfbewegung hätten die gelockerten Halswirbel lebenswichtige Nerven einklemmen können. Die Verletzte wurde operiert, lag zehn Tage stationär in einer Klinik und war drei Monate arbeitsunfähig. Bis heute leide sie an den Folgen.

„Anwendung von Gewalt war Bestandteil des Plans“

„Die Anwendung von Gewalt war von Anfang an Bestandteil des Plans“, stellte Müller-Gabriel fest. „Es war nicht damit zu rechnen, dass die Bewohner den Tresor freiwillig herausgeben.“ Den Tipp, im Haus des Unternehmers seien möglicherweise 600 000 Euro zu holen, bekam der Angeklagte von einem Elektriker, der dort als Handwerker ein- und ausging.

Für die Durchführung heuerte der aus Serbien stammende Milan G. laut Vorwurf drei Mittäter an, die er mit der Aussicht auf einen Job teilweise aus dem Ausland anreisen ließ. Staatsanwalt Müller-Gabriel wirft ihm nach sechstägiger Beweisaufnahme vor, die Männer mit Kabelbinder, Klebeband und einem Elektroschocker ausgerüstet zu haben. Der „Taser“ war laut LKA-Gutachten voll funktionsfähig.

Die ausführenden Täter wurden bereits vom Kieler Landgericht zu Haftstrafen bis fünfeinhalb Jahre verurteilt. Einer von ihnen hatte der Tochter den Elektroschocker ohne ihn auszulösen in die Seite gedrückt, nachdem diese sich in ihr Zimmer im Obergeschoss eingeschlossen hatte. Dort konnte die 18-Jährige die Polizei alarmieren. Die Männer traten ihr die Tür ein, flohen dann aber ohne die erhoffte Beute.

Angeklagter entschuldigt sich unter Tränen

Einen minder schweren Fall wollte daraus auch die Verteidigung nicht ableiten. Nach den Ausführungen von Rechtsanwältin Gül Sabiha Pinar hatte Milan G. den Genickbruch der Hausfrau und die Mitnahme eines Elektroschockers nicht gewollt. Die Verteidigerin sprach von einem „Mittäterexzess“, der ihrem Mandanten nicht anzulasten sei. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als vier Jahren.

Darin sei die letzte von insgesamt 15 Vorstrafen mit einzubeziehen. Strafschärfend könnte sich für Milan G. auch der Versuch auswirken, nach seiner Festnahme ein falsches Alibi zu beschaffen. Laut Staatsanwaltschaft versuchte er aus der U-Haft heraus, mit Geld und Drohungen fünf Zeugen zu einer Falschaussage zu bewegen. Einem soll er eine vorformulierte Aussage zur Unterschrift vorgelegt haben.

Nach dem Plädoyer des Anklägers wirkt Milan G. bestürzt. Mit gesenktem Kopf und gepressten Lippen sucht der Vater von sechs Kindern immer wieder Blickkontakt zu den Angehörigen im Zuschauerraum. Zu seinem letzten Wort erhebt er sich, bricht in Tränen aus und möchte sich entschuldigen: „Es tut mir wahnsinnig leid, was passiert ist.“ Am Montag will die 7. Große Strafkammer das Urteil verkünden.

Thomas Geyer

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