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Segeberg Gewalttätigen Partner erstochen: 34-Jährige hofft auf Freispruch
Lokales Segeberg Gewalttätigen Partner erstochen: 34-Jährige hofft auf Freispruch
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17:01 13.02.2020
Die wegen Totschlags angeklagte Mutter (34) von zwei Kindern - hier mit ihrem Verteidiger Mustafa Zeren – räumte bereits zum Prozessauftakt im Kieler Landgericht ein, ihren Lebensgefährten erstochen zu haben. Quelle: Foto: Thomas Geyer
Schmalfeld/Kiel

War der tödliche Messerstich, den die Mutter von zwei Kindern kurz vor Weihnachten 2018 in Schmalfeld (Kreis Segeberg) ihrem gewalttätigen Lebensgefährten nach brutalen Misshandlungen versetzte, durch Notwehr gerechtfertigt oder nicht? An dieser Frage scheiden sich im Prozess vor dem Kieler Landgericht die Geister.

Staatsanwältin Gesine Ohst schloss am Donnerstag nach dreitägiger Beweisaufnahme trotz vorausgegangener Schläge und Fußtritte eine Notwehrlage für die 34-Jährige aus. Sie plädierte auf drei Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags im minder schweren Fall. Ihre Begründung: Im Moment des Zustechens sei von dem Mann „kein gegenwärtiger Angriff“ ausgegangen.

Alkoholpegel von 2,19 Promille und Borderline-Störung

Zuvor hatte ein psychiatrischer Gutachter der geschiedenen Frau einen Alkoholpegel von bis zu 2,19 Promille für die Tatzeit sowie eine Borderline-Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Im Zusammenspiel bewirkten diese Umstände eine erhebliche Minderung ihrer Steuerungsfähigkeit, sagte der Sachverständige Dr. Michael Jehs. Juristische Folge ist ein deutlich milderer Strafrahmen für Totschlag.

Strafverteidiger Mustafa Zeren bejahte eine Notwehrlage und forderte Freispruch. Seine Mandantin sei über Stunden immer wieder geschlagen und getreten worden – „vor den Augen ihrer Kinder, auch mit Tritten ins Gesicht“. Ein Streitpunkt soll ihr Bemühen gewesen sein, den neuen Problempartner zur gemeinsamen Alkohol-Entgiftung und Therapie zu bewegen.

Zeuge: Lebensgefährte am Tatabend „wie außer sich“

Die nicht vorbestrafte Frau, die schon als Kind elterliche Gewalt, Alkohol und Scheidung erlebte, „konnte viel ab und hat viel ertragen – über Monate“, sagte ihr Anwalt. Doch an jenem 14. Dezember sei der Mann, den sie erst im August in ihr Haus aufgenommen hatte, förmlich „explodiert“.

Ein Mieter, der im Keller des Einfamilienhauses wohnte, erlebte den unter Alkohol äußerst aggressiven Mann „wie außer sich“. In sein Zimmer hatte sich die Angeklagte mit den Kindern aus Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen geflüchtet. Hier schloss sie sich ein. Doch irgendwann öffnete sie die Tür, wagte sich nach oben in die Küche.

„Sie hätte durchs Fenster aus dem Haus flüchten können“, meinte ein Rechtsanwalt der als Nebenkläger am Prozess beteiligten Geschwister des Getöteten. „Sie ist sehenden Auges in die Katastrophe marschiert“, befand der Anwalt der trauernden Mutter. Die 34-Jährige sei unfähig gewesen, „sich aus einer pathologischen Beziehung zu befreien“. Beide Anwälte der Nebenklage forderten viereinhalb Jahre Haft.

Nach den Worten der Verteidigung kam die damals am ganzen Körper von Hämatomen gezeichnete Frau kurz vor der tödlichen Eskalation nur aus der Deckung, um das Telefon für einen Notruf an die Polizei zu holen. Nach ihrer eigenen Darstellung ging der Mann in der Küche erneut auf sie los, schlug ihren Kopf auf die Arbeitsplatte und riss ihn an den Haaren hin und her.

Angeklagte will in Angst und Panik zugestochen haben

In ihrer Bedrängnis will die Angeklagte eine Schublade geöffnet und ein 32 Zentimeter langes Messer herausgeholt haben. Der Mann sei erst zurückgewichen, habe sie dann aber an der Kellertreppe gestellt und erneut angegriffen. In diesem Moment will sie in Angst und Panik zugestochen haben.

Laut Obduktionsbericht traf die Angeklagte zwei Mal den Oberkörper. In ihrem Urteil am kommenden Dienstag könnte die Strafkammer zwischen den beiden Stichen differenzieren: Wie der Vorsitzende Richter Jörg Brommann mitteilte, komme für den Fall einer Rechtfertigung des tödlichen Bruststichs eine Verurteilung des zweiten Stichs als gefährliche Körperverletzung infrage.

Bevor die Angeklagte damals mit ihren Kinder barfuß aus dem eigenen Haus flüchtete, hatte sie dem frontal in die Brust getroffenen Schwerverletzten noch im Vorbeigehen von hinten in die Schulter gestochen. Als „Ausdruck des Zorns“, meinte Strafverteidiger Zeren, der auch den zweiten Stich durch Notwehr gedeckt sah.

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Von Thomas Geyer

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