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Segeberg Wird die Böhm-Siedlung in Bad Segebergs Südstadt bald abgerissen?
Lokales Segeberg Wird die Böhm-Siedlung in Bad Segebergs Südstadt bald abgerissen?
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07:00 13.09.2019
Aus der Vogelperspektive ist zu sehen, dass die Bewohner der Gustav-Böhm-Siedlung im Grünen wohnen. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Es geht um 200 Wohnungen, den billigsten Wohnraum der Wankendorfer Baugenossenschaft in Bad Segebergs Südstadt. Noch ist nichts beschlossen, noch laufen Gespräche hinter den Kulissen. Aber die Hinweise verdichten sich, dass in den kommenden vier bis fünf Jahren die kurz nach dem Krieg erbauten, heute maroden Wohnhäuser an den Querwegen der Ostlandstraße modernen Bauten weichen werden.

Größere energetische Sanierungen im Bestand bei diesen Schlichtwohnungen seien nicht sinnvoll, ist die Meinung von Experten. Die Eigentümerin, die Wankendorfer Baugenossenschaft, führte schon Gespräche mit dem Land und wird jetzt auf die Stadt Bad Segeberg zugehen, um hier eine Einigung zu erzielen. Auf LN-Nachfrage erklärte Vorstandsmitglied Bernd Hentschel, dass der Aufsichtsrat der Wankendorfer die Zustimmung erteilt habe, über die Zukunft der Gustav-Böhm-Siedlung mit Bürgermeister Dieter Schönfeld zu sprechen.

Bezahlbarer Wohnraum in Südstadt „wird nicht weniger“

Für Schönfeld ist das „noch nicht entscheidungsreif“, sagte er den LN. Er gehe davon aus, dass das nicht im Eilverfahren passiere, sondern sich über mehrere Jahre erstrecke. In einem LN-Interview hatte er den Wunsch geäußert, dass „es stufenweise gelingt, diese Häuser ab 2023 zu entmieten, abzureißen und durch neue, normgerechte Wohnungen zu ersetzen“. Fragt sich nun, ob das nicht doch schon früher passieren soll.

Idylle mit Katze in der Gustav-Böhm-Siedlung: Aber die Häuser sind einfach extrem marode. Quelle: Wolfgang Glombik

 Hentschel sagt: „Eins steht doch fest: Die Siedlung ist in die Jahre gekommen, deshalb müssen wir über die 200 Wohneinheiten reden. Wir fragen jetzt nach den Interessen der Stadt.“ Für ihn gelte aber „der oberste Grundsatz, dass bezahlbarer Wohnraum hier in der Südstadt nicht weniger wird“.

Günstige Mieten wie vor 30 Jahren

Tatsächlich: Hier gibt es noch Mieten wie vor 30 Jahren. Auf der Fensterbank mit untergelegtem Kissen blinzelt eine Mieterin mit Katze in die Sonne. „Bei Regen kommt zwar Wasser durch das Fenster, aber 300 Euro warm für eine Zwei-Zimmer-Wohnung gibt es sonst nirgends.“ Vom Fenster aus hat sie Aussicht auf eine riesige Grünfläche mit altem Baumbestand. Laut Auskunft der Wankendorfer stehen in der Siedlung 63 alte Bäume. „Die Umgebung ist schon toll, nur die Häuser passen hier nicht ’rein“, sagt die Mieterin der Baugenossenschaft.

Tatsächlich sind die insgesamt 19 Gebäude fast noch im Ursprungszustand wie vor 70 Jahren. Die Zimmer sind winzig, eher Löcher mit niedrigen Decken. Die Treppen und Zugänge sind viel zu eng, die Dächer ohne Dämmung, die Fassadenplatten aus uraltem Eternit. Wer im Obergeschoss Sessel oder Sofa aufstellen möchte, der kann das nur mit Hilfe von netten Nachbarn: Alle müssen mit anpacken, wenn das Möbelteil per Seil hochgezogen und durchs Fenster bugsiert wird. Über die enge Stiege im Haus geht gar nichts. In der Siedlung wohnen vor allem Einkommensschwache, Flüchtlinge und Rentner.

Auch bei Abriss: Günstiger Wohnraum in der Südstadt soll erhalten bleiben. Quelle: Wolfgang Glombik

Bis 2024 soll das Abriss-Projekt nach LN-Informationen durchgezogen werden. Wie viele Wohnungen entstehen werden, wie hoch gebaut soll – das alles wird noch unter Verschluss gehalten. Für die gesamte Südstadt gibt es keinen Bebauungsplan, die Wankendorfer ist bei ihrem Bauvorhaben auf das Einvernehmen mit Stadt und Kreis angewiesen.

Es sollen 200 Wohnungen bleiben

Auch Fördermittel könnten in das Bad Segeberger Bauprojekt der Wankendorfer fließen: In der Südstadt steht Kommunaler Klimaschutz mit Förderung obenan, auch über das Projekt Soziale Stadt könnten Städtebauförderungsmittel frei werden. Für Vorstand Bernd Hentschel ist es das oberste Ziel, „bezahlbaren Wohnraum nicht zu vermindern“. Wenn dort 200 Wohnungen sind, sollten dort auch 200 Wohnungen bleiben – „aber mit noch mehr Fläche“.

Das geht nur mit Abrissbagger. Die Wankendorfer verwaltet in der Südstadt weit über 400 Wohnungen. Und als größter Vermieter habe die Baugenossenschaft im Kreis bei der Abwicklung derartiger Vorhaben große Erfahrung. Hentschel: „Die Wankendorfer arbeitet im Moment dran, 150 Wohnungen an verschiedenen Standorten vom Markt zu nehmen. Alles im Einvernehmen mit den Mietern.“ In Wahlstedt seien 30 von 35 für den Abriss im Jahr 2020 vorgesehenen Wohnungen in der Waldstraße schon frei. Wenn ein Beschluss für die Bad Segeberger Siedlung nahe der Ostlandstraße gefasst sei, würden kurz danach die Mieter informiert, verspricht Hentschel. Man suche dann gemeinsam mit dem Mieter eine neue Bleibe. „Ohne jeden Druck, wir lassen uns Zeit, auch mal mehrere Jahre.“

Von Wolfgang Glombik

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