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Segeberg Popmusik im Kirchenschiff
Lokales Segeberg Popmusik im Kirchenschiff
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20:00 20.02.2019
Anna Hinrichsen Quelle: Petra Dreu
Bad Segeberg

Man muss nicht unbedingt Musik studiert haben, um mit einfühlsamen Tönen für die gewissen besonderen Momente sorgen zu können, die Brautpaare, Konfirmanden, Taufgesellschaften und auch Trauernde, die von einem Angehörigen Abschied nehmen müssen, so schnell nicht mehr vergessen werden. Wie es geht, stellt gerade Anna Hinrichsen (44) unter Beweis, die als Quereinsteigerin in die großen Fußstapfen ihres Vorgängers Jan Simowitsch als Kirchenmusikerin getreten ist. Für ihren Beruf bringt sie nicht nur große Musikalität mit, sondern auch eine glasklare Gesangsstimme und sie hat offene Ohren auch für außergewöhnliche Musikwünsche.

„Viele Menschen haben keinen Zugang zu den herkömmlichen Kirchenliedern. Sie können damit nichts anfangen und verzichten lieber auf den Besuch eines Gottesdienstes. Das höre ich immer wieder“, erzählt Anna Hinrichsen. Umso erstaunter seien sie, wenn sie wegen eines Hochzeits- oder Beerdigungsgottesdienstes vorsprechen würden. „Die meisten sind total überrascht, dass die Kirchengemeinde auch offen für moderne Lieder ist. Auch für solche, die gerade in den Charts angesagt sind“, erzählt die Kirchenmusikerin.

Kirchenlieder werden auf Youtube ausgesucht

„Das Leben ist schön“ von Sarah Connor, „Die letzte Fahrt“ von Santiano, „The Rose“ von Bette Midler, „Ich wünsche Dir Liebe“ von Sunny Dale oder die Hits von Silbermond: Die Liste der Titel, die sich für besondere Ereignisse im Leben eignen, ist lang. „Die meisten gehen auf YouTube und suchen dort nach Liedern“, sagt die Kirchenmusikerin, die Angehörige aber auch berät, welches Lied zu welchem Anlass passt. Von einer CD muss diese Musik auch nicht kommen, denn Anna Hinrichsen ist eine der wenigen Kirchenmusikerinnen, die nicht nur ein oder mehrere Instrumente spielt, sondern auch stimmlich einiges zu bieten hat. Mit ihrer glasklaren Stimme sorgt sie somit für weitere ganz besondere Momente im Leben.

In Rendsburg wird sie derzeit von ihrem Vorgänger Jan Simowitsch zur Kantorin für Popularmusik ausgebildet. „Wir sind 14 Schüler“, erzählt die Mutter zweier Söhne, die immer noch glücklich ist, im Sommer 2016 als Kantorin für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Segeberg ausgewählt worden zu sein. „Dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte, ist ein Glücksfall gewesen. Dafür bin ich dankbar“, so die Musikerin, die den Gospelchor, die Band am Glindenberg und moderne Gottesdienste musikalisch leitet.

Von der Optikerin zur Kirchenmusikerin

Dabei sah ihr Lebensweg ursprünglich ganz anders aus: Geboren wurde sie in Polen und war bereits 14 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern aus beruflichen Gründen nach Deutschland zog. Die Musik hatte sie in den ersten Jahren komplett an den Nagel gehängt und schlug beruflich als Optikerin einen ganz anderen Weg ein. Viele Segeberger haben auf ihren Rat gehört, denn bis zur Zusage der Kirchengemeinde arbeitete sie in der Kurhausstraße beim Optiker „Eyewear“.

Pop- und Gospeloratorium Jesaja

Beim Gospelchor Segeberg macht sich langsam das Lampenfieber breit, denn am Freitag, 8. März feiern die Sänger und Kirchenmusikerin Anna Hinrichsen Premiere des Pop-Oratoriums „ Jesaja“ von Hartmut Naumann, den eine besondere Beziehung mit Bad Segeberg verbindet: Der Autor des Oratoriums war nämlich Kirchenmusiker in Bad Segeberg. Er hat als Vorgänger von Jan Simowitsch in Bad Segeberg gewirkt. In dessen Fußstapfen wiederum ist Anna Hinrichsen getreten, die das Pop-Oratorium mit dem Gospelchor erarbeitet hat. Am Freitag, 8. März, und am Sonnabend, 9. März, werden sie „Jesaja“ um jeweils 19 Uhr in der Versöhnerkirche aufführen.

Das Oratorium beruht auf der alttestamentlichen Geschichte des Volkes Israel. In der Zeit seiner Gefangenschaft in Babylon lebt das Volk viele Jahre, hin und her gerissen zwischen Anpassung, Resignation und der Sehnsucht nach der Heimat Jerusalem. Der Gott Jahwe wendet sich seinem Volk durch seinen Propheten Jesaja zu. Die Hoffnung auf die Rückkehr in die Heimat wird schließlich erfüllt. Gott steht zu seinem Wort.

Wer sich das Werk nicht entgehen lassen möchte, erhält Eintrittskarten zum Preis von acht Euro im Druckwerk. An der Abendkasse sind die Tickets für zehn Euro zu haben.

In Polen hat sie vier Jahre in einer Musikschule mit Theorie, Haupt- und Nebenfach Klavier und Querflöte gelernt. Dabei scheint sich offenbar der „Musikvirus“ bei ihr eingenistet zu haben. Er schlummerte und erwachte wieder, nachdem ihr erster Sohn geboren wurde. „Wir haben in Seth an einer Mutter-Kind-Gruppe teilgenommen, in der christliche Lieder gesungen wurden. Davon waren nicht alle Teilnehmer begeistert. Sie hatten sich moderne Lieder gewünscht. Dadurch entstand schließlich eine Gesangsgruppe“, denkt Anna Hinrichsen zurück. Bei der Gesangsgruppe blieb es nicht, später kamen der Gospelchor, der Kinderchor und der Jugendchor hinzu, den die Musikerin aus Stuvenborn ebenfalls ehrenamtlich geleitet hat.

Petra Dreu

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