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Segeberg B 206: Brutaler Überfall auf Prostituierte
Lokales Segeberg B 206: Brutaler Überfall auf Prostituierte
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19:16 01.03.2018
An diesen Rastplätzen an der B 206 im Segeberger Forst warten auch bei den aktuellen Minustemperaturen osteuropäische Prostituierte auf Freier.  Quelle: Oliver Vogt
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Bockhorn

Mit detaillierten Informationen zu dem Fall hielt sich die Polizei am Donnerstag noch streng zurück. Weder machten die Beamten Angaben zum Ablauf der Tat noch zur Beschreibungen des Täters. „Die Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen, die Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen und gestalten sich wegen Sprachproblemen schwierig“, begründete Polizeisprecher Arnd Habermann. Bei der Frau handelt es sich um eine 32 Jahre alte, bulgarische Staatsangehörige, die auf dem Straßenstrich an der Bundesstraße als Prostituierte gearbeitet hat. Ihre Verletzungen sollen schwer, aber nicht lebensbedrohlich sein.

Informationen der LN, wonach der Täter – offenbar ein Freier – die Frau mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen und ihr mit einem Schraubenzieher in den Rücken gestochen haben soll, wollte Habermann nicht bestätigen. Anzeichen für ein versuchtes Tötungsdelikt oder ein Sexualverbrechen gebe es bislang aber nicht. Derzeit laute der Tatverdacht auf schweren Raub, wie der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler den LN sagte. Neben ihrem Handy hatte der Täter der 32-Jährigen auch persönliche Gegenstände abgenommen. Ob der Mann zuvor Sex mit der Frau hatte, ist unklar. Sollte der Täter ermittelt werden, droht ihm eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

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Das Verbrechen spielte sich aber offenkundig nicht in unmittelbarer Nähe der Tankstelle ab. „Der Tatort war ein Waldweg in der Nähe des Parkplatzes, wo der Täter mit der Geschädigten hingefahren ist“, sagte Habermann. Nach dem Überfall war es der Frau anscheinend gelungen, dem Täter zu entkommen und in Richtung Straße zu fliehen. Dort habe sie einen anderen Autofahrer auf sich aufmerksam gemacht und von ihm bis zur Tankstelle in Bockhorn mitnehmen lassen. Er wartete aber nicht mehr auf das Eintreffen der Polizei, sondern fuhr gleich davon. „Er könnte für die Ermittler aber ein wichtiger Zeuge sein“, sagte Habermann. Deshalb werde der junge Mann gebeten, sich umgehend unter Telefon 045 51/88 40 mit der Polizei in Verbindung zu setzen.

Bisher ist es der schwerste Vorfall im Zusammenhang mit dem Straßenstrich an der B 206, der sich seit dem Jahr 2014 dort etabliert hat. Gewalttätige Auseinandersetzungen hatte es zuvor allerdings unter den Frauen gegeben. Vorwiegend sind es Osteuropäerinnen, die dort bei jedem Wind und Wetter auf Freier warten – offenkundig auch bei den aktuellen Minustemperaturen. Nach Beschwerden von Anwohnern wurde das Gewerbe an der B 206 zwar behördlich untersagt, es wurden auch Platzverweise verhängt. Einen wirklich nachhaltigen Effekt hatten die Maßnahmen allerdings nicht.

Von Oliver Vogt

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