Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Prozess gegen Staatsanwältin: Polizist als Duzfreund, erschütterte Zeugen
Lokales Segeberg Prozess gegen Staatsanwältin: Polizist als Duzfreund, erschütterte Zeugen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:09 25.11.2019
Im Verfahren gegen die Kieler Staatsanwältin sind viele Aktenberge angefallen. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg/Kiel

Plötzlich stehen Polizisten, Ordnung- und Veterinäramt mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür. Dann heißt es: Gefahr im Verzug. Die schon wartenden Viehtransporter rollen an, laden Pferde und Rinder auf und bringen sie weg. Die Besitzer sehen ihre Tiere nie wieder. Sie sind auf Geheiß einer Kieler Staatsanwältin verkauft worden. Seit sechs Wochen sitzt die 44-Jährige auf der Anklagebank. Der Verdacht: Rechtsbeugung. Sie soll beschlagnahmte Tiere notveräußert haben, ohne dass die Halter informieren worden waren.

Tierarzt widersprach den Ansichten der Amtsveterinärin

Ob im Fall von Pferdehalterin Anja R. aus Voßhöhlen oder Landwirt Manfred T. aus Todesfelde: Die Schilderungen der Zeugen von dem Tag, an dem sie „geräumt“ worden waren, gleichen sich. Die Betroffenen sagten jetzt im Zeugenstand aus. Sie hätten keine Chance gehabt, sind sie sich sicher. Fast minutiös beschreibt Anja R., wie ihr Anfang 2013 sieben Pferde weggenommen wurden, weil der Verdacht bestand, sie habe ihren Tieren Leid angetan. Dem widersprach noch vor Ort ein Tierarzt. Die Veterinärin des Kreises Segeberg sah es anders. Anja R. wurde zu 300 Euro Geldstrafe verurteilt und durfte sich zwei Jahre lang nichts zu Schulden kommen lassen.

Trotz Widerspruch wurden Tiere verkauft

Obwohl sie bereits direkt nach der Beschlagnahme auf einem Dokument ankreuzte, dass sie Widerspruch gegen eine mögliche Notveräußerung einlegt, wurden ihrer Tiere verkauft. Das ging aus Unterlagen hervor. Sie habe die Kreisveterinärin darum gebeten, unter Auflagen die Haltung zu korrigieren. „Daraufhin grinste sie mich an und sagte: ,Nein, der Transport ist bestellt’“, sagt die Zeugin vor Gericht.

Zeuge: „Schlimmste Erlebnis meines Lebens“

Einige Zeugen berichtet von gut „gelaunten Einsatzkräften“, während über ihnen selbst alles zusammengebrochen sei. So wie Landwirt Manfred T., der emotional hoch aufgewühlt von jenem Tag im März 2013 erzählt, an dem seine 142 Rinder „ohne Vorankündigung und ohne, dass vorher eine Kontrolle durch das Veterinäramt stattgefunden hat“, beschlagnahmt wurden. „Das war das schlimmste Erlebnis in meinem Leben.“ Bis heute gab es keine Gerichtsverhandlung gegen ihn. Er habe sich, so T. in seinen mitunter schillernden Beschreibungen, beim Landrat des Kreise Segeberg beschwert. „Aber der hat meinem Rechtsanwalt zurückgeschrieben, ich hätte die Veterinärin bedroht und bepöbelt. Das ist gelogen. Ich war ja gar nicht da.“ Tatsächlich hatte sich der unter Polizeiaufsicht mit seiner Frau im Haus befunden, wie aus dem Bericht zu entnehmen ist.

E-Mail eines Polizisten: „Liebe Maya, wir vermissen dich“

Ein Polizist, der in beiden Fällen dabei war, hebt die gute Zusammenarbeit mit der angeklagten Staatsanwältin hervor. Sie habe aus seiner Sicht ein „großes Herz für Tiere“. Eine persönliche Mail, die vor Gericht verlesen wird, macht deutlich, wie gut die Einsatzkräfte miteinander ausgekommen sind: „Liebe Maya“, heißt es da. Und dass die Ordnungshüter die Staatsanwältin vermissen würden. „Wir haben nun mit Herrn (...) zu tun. Das ist ganz anders. Du fehlst uns sehr, und wir hoffen auf deine baldige Rückkehr.“ Zur Haltung der Angeklagten Dr. Maya S. den Tierhaltern gegenüber hat der Polizist dagegen keine Erinnerungen.

Tierschutz-Ahndungen nahmen mit der Angeklagten deutlich zu

„Priorität hatte immer das Tierwohl“, betont der Beamte. Auch das Verhältnis zwischen der Amtstierärztin und der Staatsanwältin beschreibt er als ein sehr gutes. „Man merkte, dass da ein Vollzugsdefizit in der Verwaltung angefallen war.“ Die Veterinärin sei froh gewesen, dass da eine Staatsanwaltschaft ist. „Es wurde viel mehr mit Tieren geahndet.“

Prozess geht am 3. Dezember weiter

Am Dienstag, 3. Dezember, wird die Kreisveterinärin vor der 7. Strafkammer selbst im Zeugenstand stehen. Zuvor kommt ein Viehhändler zu Wort, bei dem beschlagnahmte Rinder untergebracht waren, die er später selbst erwerben konnte. Einige Zeugen, wie etwa Manfred T., werfen dem Mann selbst schwere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz im Umgang mit den ihm anvertrauten Tieren vor.

Von Heike Hiltrop

Es duftet nach Zimt, Kardamom, Punsch und Waffeln. Die Mischung aus Leckereien, Kunsthandwerk und stimmungsvollem Ambiente macht Lust auf Segebergs Weihnachtsmärkte – egal ob klein oder groß.

25.11.2019

Am Sonnabend wurde im Bürgerhaus die 1. Schleswig-Holsteinische Quizmeisterschaft ausgetragen. Bad Oldesloe ist einer von 34 Standorten des Deutschen Quizvereins (DQV).

25.11.2019

Allein im Jahr 2019 gab es in und um Bad Segeberg eine Reihe von spektakulären Kriminalfällen, die bislang noch nicht abgeschlossen sind. Die LN zeigen den Stand der Ermittlungen.

25.11.2019