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Segeberg Zeuge lässt das Gericht verzweifeln
Lokales Segeberg Zeuge lässt das Gericht verzweifeln
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14:20 19.01.2019
Randale im Sportlerheim des TV Trappenkamp. Quelle: Oliver Vogt
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Bad Segeberg/Trappenkamp

Im Prozess gegen einen 20-jährigen Intensivtäter Robert G. (Name geändert) aus Trappenkamp, der unter anderem beschuldigt wird, Sportlerheim und Trainingsgelände des TVT verwüstet zu haben, hat ein Zeuge die Geduld des Gerichts und der Anwälte am Freitag auf die Probe gestellt.

Der 17-Jährige soll zusammen mit dem Angeklagten die Verwüstungen auf dem Sportgelände und in dem Vereinsheim am 16. Mai 2018 begangen haben. Entgegen eines vorherigen Berichts in den LN handelte es sich bei dem zweiten Verdächtigen in dieser Sache demnach nicht um einen 19-Jährigen, der derzeit in der Jugendanstalt in Schleswig untergebracht ist. Der wird zwar wegen anderer Delikte beschuldigt, die er zusammen mit dem Angeklagten begangenen haben soll – unter anderem der Raub auf eine 77 Jahre alte Frau. Mit der Sache im TVT hatte der 19-Jährige aber allem Anschein nach nichts zu tun.

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Der Zeuge, der am Freitag vom Jugendschöffengericht befragt werden sollte, dafür wohl umso mehr. Wie der 17-Jährige einräumte, habe er gemeinsam mit dem Angeklagten am Abend des 16. Mai „eine Menge getrunken“. So „sechs bis sieben Bier. Einzeln. Also jeder“, so der junge Mann. Die Vorräte seien irgendwann nur Neige gegangen, nicht aber die Lust auf Alkohol. „Robert hat dann gesagt, er wisse, wo wir noch etwas bekommen könnten“, sagte er aus. An der TVT-Gaststätte habe Robert einen Blumentopf genommen und die Scheibe eingeworfen. Im Inneren hätten sich die beiden an den Spirituosen bedient, „wobei ich an einem Stuhl hängen geblieben bin und mehrere Flaschen fallen gelassen habe“. Ganz aus Versehen. Robert sei dann über eine Treppe in die Einliegerwohnung gegangen, habe dort eine brennbare Flüssigkeit verteilt und diese angezündet. „Da wurde mir bewusst, wie bekloppt das alles ist und ich bin weggegangen.“ Wegen seiner Schuldgefühle habe er sich zwei Tage später bei der Polizei gestellt. So endete die Erzählung des Zeugen, immer wieder mit dem Verweis auf große Erinnerungslücken durch den Alkohol.

„Ihr Vernehmungsprotokoll bei der Polizei vom 30. Mai ist zehn Seiten lang“, konfrontierte ihn die Richterin anschließend. Damals habe er sich offenbar an deutlich mehr erinnern können, einen „Filmriss“ könne er also kaum gehabt haben. Wie der Staatsanwalt anmerkte, enthält das polizeiliche Vernehmungsprotokoll auch noch deutlich detaillierte Angaben zur eigenen Beteiligung. Danach sei er – anders als am Freitag vor Gericht behauptet – sehr wohl mit in die Einliegerwohnung gegangen. Auch zu den sonstigen Verwüstungen auf dem TVT-Gelände habe er noch ausführlichere Angaben gemacht.

Er sei eben in einer Situation gewesen, in der er keine Zukunftsperspektive gehabt und einfach nur so in den Tag gelegt habe, versuchte der Zeuge zu erklären, was ihm jedoch niemand abkaufen wollte. Auf weitere beharrliches Nachfragen schnappte er irgendwann ein: „Ich möchte jetzt gar nichts mehr dazu sagen.“

Wegen der Aussichtslosigkeit, noch mehr aus dem Zeugen herauszubringen, beendete das Gericht die Befragung. Ein Nachspiel könnte es für den 17-Jährigen aber noch haben: Der Staatsanwalt kündigte ein Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage an. Der Prozess wird Montag fortgesetzt.

Oliver Vogt