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Segeberg Illegale putzten die nobelsten Adressen
Lokales Segeberg Illegale putzten die nobelsten Adressen
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10:00 01.04.2019
Prozess wegen Schleusung von Ausländern vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kiel, der Angeklagte (42) neben seinem Verteidiger Rolf Huschbeck Quelle: Oliver Vogt
Nützen/Kiel

Sie gehörten zu den ersten von mindestens 26 illegalen Arbeitnehmern, die der Unternehmer laut Anklage seit 2014 aus Balkan-Ländern anwarb und nach Norddeutschland lockte, um sie als Billiglohnkräfte seiner Reinigungsfirma „Perle“ auszubeuten: Im Prozess gegen den in U-Haft sitzenden Ex-Inhaber aus Nützen bei Kaltenkirchen sagten jetzt die ersten betroffenen Mitarbeiter vor dem Kieler Landgericht aus.

Das kinderlose Ehepaar Milan und Alisa P. (Namen geändert) aus Bosnien-Herzegowina meldete sich vor vier Jahren auf eine Kleinanzeige des Angeklagten. Der Unternehmer (42) mit der serbischen und bosnischen Staatsangehörigkeit suchte Arbeitskräfte für seine Service-Firma. „Weil Deutschland unser Traumland ist“, zogen der bosnische Verkäufer (30) und seine Ehefrau (27) auch ohne Gehaltszusagen in den Raum Kaltenkirchen.

400 Euro Lohn für Sieben-Tage-Woche

Der neue Arbeitgeber holte das Paar persönlich im Pkw vom Bahnhof ab, brachte es in seinem großzügigen Haus auf einem 2,5 Hektar-Grundstück unter. Familienanschluss, gemeinsame Muttersprache, warmes Essen, ein eigenes Zimmer – anfangs hofften die Zeugen noch auf bessere Lebensbedingungen als in ihrer Heimat, wo man im Schnitt monatlich rund 360 Euro verdient. Deutschland versprach das Vierfache – als Mindestlohn.

Doch davon waren die Einkommen von Milan und Alisa P. im Dienst des Angeklagten und seiner Lebensgefährtin weiter entfernt als je zuvor: Nach ihren Angaben verdienten die Eheleute bei der inzwischen aufgelösten Firma „Perle“ monatlich zwischen 300 und 400 Euro. Für 12 bis 14 Arbeitsstunden täglich – bei sieben Arbeitstagen die Woche. Je nach Schicht und Einsatzort wollen sie von 4 Uhr bis 22 Uhr oder von 8 Uhr bis 3 Uhr beschäftigt gewesen sein.

Zu den Kunden des florierenden Reinigungsunternehmens zählten die Marché-Restaurants der Autobahn-Raststätten „Holmmoor“ beiderseits der A 7, berichtet ein Zoll- Ermittler vor der Wirtschaftsstrafkammer. Die vom Angeklagten mit falschen Papieren ausgestatteten „Perlen“ putzten demnach auch im Auftrag der Stadt Kaltenkirchen, im Design Outlet Center Neumünster, in zahlreichen Arzt- und Rechtsanwaltspraxen sowie in Privathäusern.

Mitarbeiter flüchteten wegen schlimmer Bedingungen

Ende 2017 seien die ersten Hinweise bei der Polizei eingegangen, so der Zeuge vom Zoll: „Mitarbeiter flüchteten, weil sie dem Druck nicht mehr standhielten.“ Als eine Hundertschaft der Polizei im September vergangenen Jahres acht Objekte durchsuchte, sei man auf zwölf illegale Arbeitnehmer mit gefälschten kroatischen Identitätskarten gestoßen. Die Leute seien seelisch und körperlich am Ende gewesen und hätten „erleichtert, froh und dankbar“ auf das Eingreifen der deutschen Behörden reagiert. „Sie wollten auf keinen Fall in ihre Unterkunft zurück.“

Milan und Alisa P. waren kurz vor ihrem Ausstieg aus der Firma in einer Ein-Zimmer-Hochhauswohnung in Bad Bramstedt untergebracht worden. „Welcher normale Mensch kann das auf Dauer aushalten?“, fragt der 30-Jährige. Das Ehepaar konnte sich – im Gegensatz zu den meisten anderen Zeugen – im Norden doch noch eine menschenwürdige Existenz aufbauen.

Abtrünnigen wurde mit der „Kalaschnikow“ gedroht

Erst beim dritten Kündigungsversuch habe der Angeklagte sie Ende 2015 gehen lassen – nach Vorhaltungen und Drohungen, erzählen die Zeugen. Abtrünnigen soll der Chef schon mal angekündigt haben, seine Kalaschnikow auszugraben und einzusetzen, berichtet der Zoll-Ermittler. Auch eine Machete und eine historische Schusswaffe sollen im Spiel gewesen sein.

Mit seiner einträglichen Betriebspraxis soll der Unternehmer rund 208 000 Euro erschlichen haben. Die Summe setzt sich laut Anklage zu etwa gleichen Teilen aus nicht gezahlten Löhnen und einbehaltenen Sozialbeiträgen zusammen. Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird Mitte Mai erwartet.

Thomas Geyer

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