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Segeberg Zeuge belastet den Angeklagten
Lokales Segeberg Zeuge belastet den Angeklagten
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17:52 08.01.2019
Die Landesunterkunft für Flüchtlinge (LUK) in Boostedt Quelle: dpa
Kiel/Boostedt

Im Prozess um die Messerstiche beim Public Viewing der Fußball-WM in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt hat ein Zeuge den Angeklagten am Dienstag als Täter identifiziert und schwer belastet: Der damals leicht verletzte 28-Jährige erklärte vor dem Kieler Landgericht, der wegen versuchten Totschlags angeklagte Iraner (32) habe „voller Wucht“ auf einen afghanischen Mitbewohner (20) eingestochen.

„Bevor der stirbt, greif ein!“, will sich der Zeuge gedacht haben. Demnach kehrte der ehemalige Armeesoldat aus Afghanistan nach der Halbzeitpause verspätet zum Fernsehraum zurück, vor dem sich eine Schlägerei zwischen Anhängern der gegnerischen Mannschaften entwickelt hatte. Das später schwer verletzte Opfer habe die Prügelei angezettelt. „Als ich dazu kam, stach der Angeklagte von hinten mit dem Messer auf ihn ein“, sagte der Zeuge.

Er habe dann die Arme des Täters festgehalten, um weitere Stiche zu verhindern, so der Zeuge weiter. Dabei habe er Alkoholgeruch wahrgenommen. In diesem Moment habe der Angeklagte, den er als Mitarbeiter der Kleiderkammer und aus der Kantine kenne, auch ihn mit dem Messer verletzt. „Dann bin ich abgehauen“, berichtet der Soldat, dessen Stichwunde am Kinn später in einer Klinik genäht wurde. Seine Narbe wurde von den Prozessbeteiligten in Augenschein genommen.

Afghanen ergriffen Partei für die Spanier

Auslöser der Auseinandersetzung war die Übertragung des WM-Spiels „Iran gegen Spanien“ am 20. Juni. Die Afghanen im voll besetzten Fernsehraum ergriffen lautstark die Partei der favorisierten Spanier. Zu Beginn der zweiten Halbzeit lieferten sich zunächst nur zwei Schlachtenbummler eine Rangelei um die bessere Sicht auf den Bildschirm.

„In dem Moment hat ein afghanischer Junge den Fernseher mit einem Stuhl kaputt geschlagen“, berichtete ein Zeuge (37) aus dem Iran. Vor dem Gebäude hätten dann mindestens zehn Afghanen auf einen Iraner eingeprügelt, der zuvor beim Fußballgucken auf einen Tisch geklettert war und ihnen die Sicht auf den Fernseher versperrt habe.

Das spätere Opfer (20) versuchte, einen schwereren Gegner durch einen Griff von hinten um die Beine zu Fall zu bringen, als der Angeklagte von hinten mit der rechten Hand auf ihn einstach – so schildert der Hauptbelastungszeuge die Messerattacke. „Sind sie sicher, dass es der Angeklagte war“, hakt der Vorsitzende nach. „Ich habe es mit eigenen Augen gesehen“, versichert der 28-Jährige. „Ich erzähle, was ich erlebt habe.“ Dazu gehöre auch die Beobachtung, dass ein Polizeibeamter dem Angeklagten später die Tatwaffe abnahm.

Übersetzungsprobleme machen Wahrheitsfindung schwierig

Strafverteidiger Markus Chilcott ist skeptisch, konfrontiert die möglicherweise parteiischen Zeugen mit Widersprüchen, die sich im Abgleich mit früheren Aussagen bei der Polizei ergeben. Die Beamten sollen damals Dutzende von Bewohnern vernommen haben – unter Einsatz von Dolmetschern. Wie leicht sich dabei Missverständnisse ergeben können, offenbarten gestern Übersetzungsprobleme zweier beteiligter Dolmetscher während des laufenden Prozesses.

Erst nach mehrmaliger Wiederholung und Erläuterungen verstand ein Zeuge, dass er nach einer möglichen Beeinflussung des Angeklagten durch Alkohol oder Drogen gefragt wurde. Ein Bekannter (38) des Angeklagten berichtete, mit diesem zuvor eine Flasche Whisky und mehrere Bier getrunken zu haben.

Bei der Fortsetzung des Prozesses am Montag will die Kammer eine Rechtsmedizinerin sowie fünf weitere Zeugen hören. Aufklärungsbedarf gibt es auch zur angeblichen Aufforderung des inhaftierten Angeklagten an einen Landsmann, ihm Geld zu besorgen und sich „um die Zeugen zu kümmern“. Eine mögliche Bedrohung könnte die Tatsache erklären, dass sich ein ursprünglicher Belastungszeuge der Anklage bei seiner Vernehmung vor Gericht plötzlich auf Erinnerungslücken berief.

Thomas Geyer

Der Anwalt des Angeklagten Volker L. legt mehrere neue Beweisanträge vor. Unter anderem soll ein Pole, dessen Spuren an der Tatwaffe gefunden wurden, vor Gericht gehört werden. Der Jurist hält ihn für dringend tatverdächtig.

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