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Segeberg Mutter der Getöteten: „Am Ende gab es nur noch Streit“
Lokales Segeberg Mutter der Getöteten: „Am Ende gab es nur noch Streit“
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18:19 15.11.2018
Ein großes Polizeiaufgebot suchte nach dem Fund der Leiche im Schackendorfer Birkenweg nach Spuren. Quelle: MATERNE
Kiel/Schackendorf

Während der wegen Mordes angeklagte Volker L. (48) vor dem Kieler Landgericht schweigt, spricht die Mutter des Opfers: Am Donnerstag, am dritten Prozesstag um die Tötung seiner Ehefrau Nadine L. (34), die Anfang November vergangenen Jahres grausam zugerichtet und halb entkleidet in der Feldmark bei Schackendorf aufgefunden worden war, schilderte die 55-Jährige, wie sie die Beziehung ihrer Tochter mit dem Angeklagten erlebte.

Als Schwiegermutter des Angeklagten, der den Tatvorwurf bestreitet, braucht Marina L. (55) vor Gericht nicht auszusagen. Der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Jörg Brommann, belehrt sie über ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Doch die Mutter der Getöteten, die den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter in der Untersuchungshaft besuchte, um sich „selber ein Bild zu machen, was ich von ihm zu halten habe“, möchte aussagen.

Wie entwickelte sich die Beziehung, wie verlief die Ehe? Mit solchen Fragen eröffnet das Gericht die dreistündige Vernehmung der Zeugin, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. Nach ihren Worten lernte sich das Paar beim Fußballspielen zu einer Zeit kennen, als Nadine L. kaum Kontakt zur Mutter hatte. „Sie hat nichts über die neue Beziehung erzählt“, sagt die 55-Jährige, „wahrscheinlich weil er verheiratet war.“

Später habe sie Volker L. als „eigentlich ganz netten Mann“ kennengelernt. Auch seine damalige Ehefrau sei ihr vorgestellt worden. Dann sei ihre Tochter bei dem Ehepaar eingezogen – offenbar in einer Dreiecksbeziehung. Die Ehefrau sei später mit dem gemeinsamen Kind ins Frauenhaus gezogen, Volker und Nadine hätten heimlich geheiratet. „Wir haben über Facebook erfahren, dass unser Schwiegersohn unseren Nachnamen angenommen hat.“

Als der heute vierjährige Enkelsohn geboren wurde, hätten sich die Kontakte erfreulicherweise intensiviert, so die Zeugin weiter. „Sie waren zwei bis drei Mal die Woche bei mir.“ Die übrige Familie sei dagegen „mit der Art des Angeklagten nicht klar gekommen“. Ihm habe stets etwas nicht gepasst. „Es gab immer irgendwelche Reibereien.“ Zwei Monate vor ihrem Tod habe ihr die Tochter auf einem längeren Spaziergang anvertraut, es gebe „nur noch Streit“, und das sei sehr schlimm für das Kind.

Entweder sei es um das knappe Geld gegangen oder um die Erziehung. Volker L. habe seiner Frau vorgeworfen, sie arbeite zu viel, treibe zu viel Sport und sei zu wenig zu Hause. Um sie an die Wohnung zu binden, habe er ihr sogar nach eigenem Bekenntnis vorsätzlich ein Medikament ins Getränk gemischt, das einen Kreislaufkollaps auslöste: „Sie ist zusammengeklappt und hat gespuckt.“

In der Tatnacht hatte die Nebenklägerin den Angeklagten gegen 5.30 Uhr früh angerufen, um zu fragen, „ob er Nadine schon gefunden hat und wo der Kleine ist“. Er suche noch und fahre überall herum, habe Volker L. geantwortet. „Ich fand’s komisch, dass er so geröchelt und schwer geatmet hat, als hätte er irgendetwas Schweres gemacht“, sagte die Zeugin. Volker L. habe eingeräumt, dass sie sich gestritten hätten. „Ich hatte das Gefühl, dass irgendwas passiert ist.“

Nach Darstellung der (Schwieger-)Mutter konnten die Ehepartner unterschiedlicher kaum sein: Er litt schwer an mehreren chronischen Krankheiten und igelte sich zu Hause ein. Sie war topfit und radelte täglich zehn Kilometer zur Arbeit. Als Betreuerin von Psychiatriepatienten in Rickling sei Nadine gerne eingesprungen, wenn andere nicht mehr konnten.

Zweimal die Woche habe Nadine Kampfsport trainiert, sich kurz vor ihrem Tod noch intensiv auf die Prüfung für den gelben Gürtel vorbereitet. Doch dann habe Volker L. sie kurzfristig „mit einem Urlaub im Harz überrascht“, wo auf mysteriöse Weise ihr Handy verschwand. Sie soll darauf mit ihrem Trainer gechattet haben. Volker L. sei eifersüchtig gewesen, sagt die 55-Jährige.

Dass Eifersucht ein Thema war, bestätigte am Donnerstag auch eine Schwester (29) des Opfers. Einmal seien sie nach dem Volleyball zu MacDonalds gefahren. „Er rief sie an. Kein Empfang.“ Da habe er sofort unterstellt, sie treffe sich mit einem anderen. Auf Nachfrage von Strafverteidiger Jonas Hennig räumten beide Zeuginnen ein, von Nadine L. trotz aller Spannungen nie etwas über körperliche Gewalt oder Drohungen durch den Angeklagten gehört zu haben.

Beide Zeuginnen hatten jedoch von einvernehmlichen Sado-Maso-Sexspielen erfahren, bei denen Volker L. den devoten Part einnahm. „Wenn er sie mal wieder dauernd schlecht gemacht hatte, war es an der Zeit, dass er bestraft werden musste“, erklärte die Mutter des Opfers. Gleichzeitig habe der Mann auf Anregung ihrer Tochter ein Anti-Gewalt-Training mitgemacht, „weil er so aggressive Phasen hatte“. Der Prozess wird am 27. November fortgesetzt..

Thomas Geyer

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