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Segeberg Prozess: Messerangriff auf die eigene Frau
Lokales Segeberg Prozess: Messerangriff auf die eigene Frau
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17:37 10.04.2019
Prozessauftakt im Kieler Landgericht um versuchten Totschlag in Boostedt: Der Angeklagte (l.), hier mit Dolmetscherin Manjjeh Zuleger und Strafverteidiger Christoph Sommermeyer, schweigt zum Tatvorwurf. Quelle: Thomas Geyer
Kiel/Boostedt

Tatort Boostedt: Das Kieler Landgericht verhandelt seit Mittwoch bereits die dritte Anklage um ein versuchtes Tötungsdelikt in der Flüchtlingsunterkunft innerhalb von drei Monaten. In allen Fällen eskalierten Konflikte zwischen Bewohnern, stets kam ein Messer zum Einsatz. Dies gilt auch für die Beziehungstat, für die sich jetzt ein Asylbewerber aus dem Iran verantworten muss.

Der 35-Jährige soll am 14. September 2018 seine Ex-Lebensgefährtin niedergestochen haben, die sich kurz zuvor von ihm getrennt hatte. Das Paar war erst sechs Wochen zuvor nach zweijähriger gemeinsamer Flucht in Deutschland eingereist. Laut Vorwurf war der Angeklagte mit einem Küchenmesser bewaffnet und vermummt, als er gegen 10 Uhr widerrechtlich in die Landesunterkunft eindrang.

Dort hatte der iranische Flüchtling, der sich vor Gericht mit einem silbernen Kreuz auf der Brust zum Christentum bekennt, Hausverbot: Wegen früherer Übergriffe setzte das spätere Opfer (35) Ende August eine Verlegung des gewalttätigen Ex-Partners aus dem gemeinsamen Zimmer in Boostedt nach Neumünster durch. Seitdem hing sein Foto am Eingang der Landesunterkunft.

Angeklagter hatte sich bei der Attacke vermummt

Augenzeugen erklärten, der Mann habe sein Gesicht bis über die Nase mit einem Schal verdeckt und eine Kapuze über den Kopf gezogen, als er die Frau attackierte. Zwei Landsleute hörten vom Obergeschoss aus laute Hilferufe, eilten sofort die Treppe hinunter und sahen, wie der Maskierte im Eingangsbereich des Hauses „schnell und mit Kraft“ auf den Rücken der gebückt vor ihm stehenden Frau einschlug.

Ein 46-Jähriger sah nach eigenen Angaben ein Messer in der erhobenen Rechten des Angreifers. Die Frau habe den Mann angefleht, „um Gottes Willen“ aufzuhören. „Du hast mich betrogen, und das ist deine Strafe!“, habe der Angeklagte gerufen. Beherzt packte der Zeuge sein Handgelenk und drehte ihm den Arm auf den Rücken.

Die Verletzte ging nach der dritten Stichbewegung zu Boden. Die Klinge drang laut Gutachten in die Lunge ein und verursachte einen Pneumothorax. Die Frau wurde notfallmäßig in einer Klinik in Neumünster versorgt. „Ohne ärztliche Behandlung hätte sie sterben können“, sagte Staatsanwältin Melanie von Massow.

Frau des Fremdgehens beschuldigt

Der Angeklagte wurde von Zeugen festgehalten, bis die Polizei eintraf. Gegenüber den Beamten bestritt er die Tat. „Sie ist eine Hure“, erklärte der Angeklagte ungefragt einem Kriminalbeamten (60). Schon im Iran sei sie fremdgegangen, aber er habe ihr verziehen. Auf den Hinweis, es gebe Augenzeugen, sprach der Angeklagte von Falschaussagen: Die Zeugen hätten ihn gegen Sex belastet.

Dem Kripobeamten sagte der Angeklagte, seine Frau habe „das ganze Camp um den Finger gewickelt und mit allen Sex gehabt“. Dass sie ihren kleinen Sohn aus erster Ehe „mit Schlafmittel ruhig stellte, Alkohol trank und sich mit anderen Männern amüsierte“, habe er von Freunden erfahren. Vor Gericht verweist der Angeklagte mit Nachdruck auf die Protokolle eines SMS-Chats zwischen der Nebenklägerin und jenem Zeugen, der ihn von der Tat abgehalten haben will.

Tatsächlich ist in den Kurznachrichten auch von gegenseitigen Liebesbekundungen die Rede. „Du bist meine Krone, ich liebe dich“, bekannte der Zeuge dem späteren Opfer. „Ich dich auch“, antwortet die Frau. „Es war alles nur verbal“, schränkt der 46-Jährige vor Gericht ein. Die Frau habe große Angst vor dem Angeklagten gehabt. „Besser ist, wir bleiben nur zwei Freunde“, schrieb sie ihm später. Es sei zu früh, wieder eine Beziehung einzugehen.

Angeklagter will reden, Verteidiger stoppt ihn

Der Angeklagte würde auch vor Gericht gerne reden: Die Frage des Vorsitzenden, ob er sich im Prozess einlassen wolle, bejaht er spontan. Doch Strafverteidiger Christoph Sommermeyer hat seine Strategie erklärtermaßen auf dem Schweigen seines Mandanten aufgebaut. Immer wieder verbietet er ihm den Mund und unterbindet seine Fragen an die Zeugen.

Die Schwurgerichtskammer hat drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil will sie noch vor Ostern verkünden.

Thomas Geyer

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