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Segeberg Prügelnder Vater zu Bewährungsstrafe verurteilt
Lokales Segeberg Prügelnder Vater zu Bewährungsstrafe verurteilt
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23:10 12.12.2016
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Norderstedt

Er wurde mit der aufsässigen 14-jährigen Tochter Johanna (alle Namen geändert) anscheinend nicht fertig: Der Kaltenkirchener Stefan N. (37) rastete an einem Abend Mitte August dieses Jahres komplett aus. Der Vater von vier Kindern ohrfeigte seine Tochter so heftig, dass deren Kopf gegen eine Wand knallte und sie schwere Verletzungen davontrug. Während das Opfer der Schläge bei der Polizei von circa 30 Schlägen sprach, gab N. in seiner Vernehmung an, es seien „maximal zwölf“ gewesen. Das Ergebnis ist schockierend: Johanna trug einen Riss in der Netzhaut, ein angebrochenes Jochbein, Ohrverletzungen, Kopfschmerzen und Gesichtsschwellungen davon. Sie musste eine Woche lang im Krankenhaus bleiben.

Wegen Misshandlung Schutzbefohlener musste sich Stefan N. jetzt vor dem Amtsgericht in Norderstedt verantworten. Der Tatbestand setzt eine rohe gefühllose Gesinnung des Täters voraus, der ein seiner Fürsorge und Obhut unterstehendes Opfer misshandelt. Der Angeklagte erzählte indes davon, dass seine Tochter sich in einem „komischen Alter“ befände. Sie würde lügen und betrügen.

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„Ich habe sie geschlagen, aber überwiegend nur ihre Handgelenke getroffen, die sie schützend vor das Gesicht hielt. Es war eigentlich ein Unfall, da sie bei einem Schlag mit dem Kopf gegen die Wand fiel“, spielte der Kaltenkirchener das Geschehen herunter. Auslöser für den Wutanfall des Angeklagten war, dass seine Tochter ohne seine Erlaubnis zu einem Rockfestival gegangen war. Dort habe sie Alkohol getrunken und, wie ihm zugetragen worden sei, habe sie sich Männern an den Hals geworfen, berichtete der Angeklagte.

„Haben sie öfter solche Wutanfälle?“ fragte Richterin Claudia Naumann den Angeklagten, der laut Akte auch die ältere 16-jährige Tochter schon geohrfeigt haben soll. „Ja, man meckert mal herum, aber wenn ich richtig wütend werde, gehe ich jetzt aus dem Zimmer“, erklärte der Angeklagte. Seine Tochter habe keine Angst vor ihm, sie hätten sich ausgesprochen, betonte N.

Der zurzeit arbeitslose Bauhelfer wurde zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. „Das war keine Bagatelle und kein Unfall, sondern eine schwere Straftat. Als Vater muss von ihnen erwartet werden, dass sie die Kontrolle behalten“, ermahnte die Richterin den Angeklagten, der außerdem 250 Euro an den Kinderschutzbund zahlen muss. mka

LN