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Segeberg Quereinstieg dank Förderung: Neue Erzieherinnen bei der Lebenshilfe
Lokales Segeberg Quereinstieg dank Förderung: Neue Erzieherinnen bei der Lebenshilfe
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15:00 07.10.2019
Jessica Gerlitz (2.v.li.) und Anastasija Krenz (3.v.re.) haben in der Kita Im Streem in Wahlstedt ihre Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Darüber herrscht Freude bei (v.li.) Mario Fritze (Stadt Wahlstedt), Projektleiter Günther Klingner, Franka Rupnow (BBZ Oldesloe) und Sylvia Johannsen (Lebenshilfe). Quelle: Dirk Marquardt
Bad Segeberg/Wahlstedt

Manchmal dauert es eben, bis man den Weg zu seinem Wunschberuf beschreiten kann. Auch die gelernte Bäckereifachverkäuferin Jessica Gerlitz und die Frisörin Anastasija Krenz haben diese Erfahrung gemacht. Denn eine Stellenanzeige in Basses Blatt Mitte August veränderte das berufliche Leben der Frauen. Darin suchte die Lebenshilfe nach Interessenten, die im Rahmen eines Bundesprogramms Fachkräfteoffensive zu Erziehern ausgebildet werden möchten. Eine Voraussetzung war eine abgeschlossene Berufsausbildung. Beide überlegten nicht lange, erhielten von der Lebenshilfe den Zuschlag und stehen jetzt am Anfang ihrer dreieinhalbjährigen, praxisorientierten Ausbildung.

Dank Förderung ein Gehalt von 1100 Euro

„Ich hatte schon seit drei, vier Jahren den Gedanken im Hinterkopf, Erzieherin zu werden“, sagt die Jessica Gerlitz. Doch Haus, Beruf und ihre drei Kinder machten es bisher unmöglich, sich für diese Laufbahn zu entscheiden – zumal während der Schulzeit das Einkommen entfallen würde. Da kam die Fachkräfteoffensive gerade recht. Denn in dieser Ausbildung ist die 36-Jährige bei der Lebenshilfe Bad Segeberg angestellt und erhält im ersten Jahr durch die Bundesförderung ein Gehalt in Höhe von 1100 Euro. Damit kommt sie zurecht. Auch Anastasija Krenz ist dankbar für die Chance, dass durch die spezielle Ausbildung ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung geht. So kann die Mutter eines achtjährigen Sohnes Familie und Ausbildung gut vereinbaren.

Praxis in den Lebenshilfe-Kitas

„Der Abschluss dieser anspruchsvollen Ausbildung zu staatlich anerkannten Erziehern kommt einem Bachelor im Studium gleich“, sagt Franka Rupnow, Abteilungsleiterin der Berufliche Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe. Dort gehen die Frauen an zwei Tagen in der Woche zur Schule. Die anderen drei Tage ist Praxis in den Wahlstedter Lebenshilfe-Kitas in der Poststraße und Im Streem angesagt. Dazu kommen spezielle Praxistage mit Lehrkräften der Berufsschule und Onlineschulungen.

Günther Klingner, Leiter des Familienzentrums der Lebenshilfe in Wahlstedt, kümmert sich als Projektleiter um die vier angehenden Erzieherinnen. „Mittelfristig werden uns massiv Erzieherinnen fehlen“, sagt Klingner. Die Lebenshilfe versorge sich so mit selbst ausgebildeten Fachkräften.

Schon jetzt Anfragen für das nächste Jahr

„Wir müssen uns um gutes Personal kümmern und freuen uns sehr, dass es gelungen ist, vier Auszubildende eingestellt zu haben – mit einem Gehalt, von dem man leben kann“, sagt Sylvia Johannsen, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Bad Segeberg. Schon jetzt gebe es Anfragen für das nächste Jahr. Bis 2022 laufe die aktuelle Bundesförderung. Ob und wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest.

191 000 Erzieher fehlen

Das Bundesprogramm Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher läuft unter dem Motto „Nachwuchs gewinnen, Profis binden“. Im zuständigen Bundes-Familienministerium geht man davon aus, dass nach aktuellen Berechnungen bis zum Jahr 2025 etwa 191 000 Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland fehlen.

Um den Weg in diesen Beruf zu erleichtern, sorgt die Initiative mit finanziellen Zuschüssen dafür, dass eine Ausbildungsvergütung gezahlt wird. Das sind im ersten Ausbildungsjahr 100 Prozent, im zweiten 70 und im dritten 30 Prozent.

Die fehlende Vergütungwurde oft als Hinderungsgrund genannt. Immerhin denken 22 Prozent aller Frauen und acht Prozent der Männer unter 45 Jahren darüber nach, den Erzieher-Beruf zu ergreifen.

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