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Segeberg Quickborn und Ellerau: Das neue Ehepaar
Lokales Segeberg Quickborn und Ellerau: Das neue Ehepaar
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18:06 18.02.2019
Künftig gehört Ellerau zum Verwaltungsgebiet Quickborn. Quelle: Burkhard Fuchs
Ellerau/Norderstedt/Quickborn

Die Verwaltungsehe mit der Stadt Norderstedt läuft für die Gemeinde Ellerau zum 30. Juni aus. Von Juli 2019 an übernimmt die Nachbarstadt Quickborn aus dem Kreis Pinneberg die komplette Verwaltung der 6180 Einwohner zählenden Gemeinde (die LN berichteten). Um diesen Übergang nach zwölfeinhalb Jahren Partnerschaft mit Norderstedt so reibungslos wie möglich zu gestalten, wird zurzeit eifrig zwischen den beiden Verwaltungen und der Politik Elleraus hin und her geplant und jede Menge besprochen.

Haushalte sollen von Umstellung nichts merken

Norderstedts Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek: „Für die Überleitung der Daten arbeiten wir eng mit der Stadtverwaltung Quickborn zusammen.“ Quelle: Fuchs

„Wir sind in engen Abstimmungsgesprächen“, sagt Elleraus Bürgermeister Ralf Martens. „Das läuft recht gut.“ Wichtig sei vor allem, dass die Mitarbeiter und die 102 Empfänger von Wohngeld, Sozial- oder Asylhilfeleistungen in den 57 betroffenen Haushalten in Ellerau von der Umstellung nichts merken und ab Juli weiterhin ihr Gehalt und Geld wie bisher ausgezahlt bekämen, betont Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl.

Dafür sorge zurzeit die Stadtverwaltung Norderstedt, indem sie die notwendigen elektronischen Daten nach Quickborn überträgt und somit „den Betrieb nach Übertragung für Ellerau sicherstellt“, sagt Norderstedts Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Das könnte allerdings nicht ganz problemlos über die Bühne gehen, da beide Verwaltungen unterschiedliche EDV-Systeme nutzten und Quickborn sich zudem mit dem kommunalen IT-Verbund KommunIT eines externen EDV-Dienstleisters bedient. Auch die Programme für die Volkshochschulen seien nicht kompatibel, sagt Ralf Martens. „Im Verwaltungsvertrag war das nicht geregelt.“

Zwei Lkw voll mit Aktenordnern

Zudem gilt es bis zur Übergabe, etwa zwei Lkw-Ladungen voll mit Aktenordnern vom Norderstedter ins Quickborner Rathaus zu transportieren. So groß schätzt Bürgermeister Köppl die Menge an schriftlichen Unterlagen ein, die es für Ellerau gibt. „Zum Glück sind die Akten für Ellerau in Norderstedt getrennt geführt worden.“

Mehr zum Thema: Hier lesen Sie mehr zum Ehestreit zwischen Ellerau und Norderstedt

Aber wie so oft liegt auch hier der Teufel im Detail. So musste der Standesamtsbezirk für Ellerau mit Norderstedt gekündigt werden, damit auch künftig Brautpaare aus der Gemeinde in aller Freude ihre gemeinsame Zukunft mit einer Hochzeit eingehen können. Die Vollstreckung bei säumigen Schuldnern ist neu zu regeln. Bislang hat dies Norderstedt für Ellerau gemacht. Quickborn hat diese Aufgabe aber der Kreisverwaltung Pinneberg übertragen, um Personalkosten zu sparen. Das wird wohl künftig kreisübergreifend für Ellerau gemacht.

Viele Dinge werden unterschiedlich gehandhabt

„Bis zum 1. Juli müssen noch reichlich Akten, analog und digital, von Norderstedt in die Rathäuser nach Ellerau und Quickborn geschafft werden“, sagt Elleraus Bürgermeister Ralf Martens. Quelle: Fuchs

Auch die Entstempelung der Autokennzeichen wird offenbar von jedem Kreis anders gehandhabt. Im Kreis Segeberg mache dies jede Gemeinde selbst – in Pinneberg die Kreisverwaltung, erklärt Köppl. Da werde sich wohl auch für Ellerau die Kreis-Pinneberg-Lösung abzeichnen. Und sogar der Atemschutz für die Freiwillige Feuerwehr ist unterschiedlich geregelt, wie Martens erfahren hat. Die Gasflaschen aus Kunststoff, die die Ellerauer Kameraden benutzen, kenne Quickborn mit seinem Metallflaschen-System nicht und könnte diese auch nicht wieder auffüllen. „Das Problem lösen wir jetzt, indem wir extra Kunststoffflaschen für 20 000 Euro bestellt haben und bei uns lagern werden“, sagt Martens.

In allen anderen Bereichen, insbesondere der Abfallentsorgung über den Wegezweckverband, Planung von Radwegen oder den Bebauungsplänen ändert sich nichts. Hier bleibt die Verwaltungshoheit beim Kreis Segeberg.

Einmal im Monat träfen sich die Vertreter aller Fraktionen aus Ellerau mit den Mitarbeitern der Quickborner Verwaltung, um solche Dinge im Detail zu erörtern und das weitere Vorgehen zu klären. Fest stehe bereits, dass acht von zehn Mitarbeitern, die bislang im Ellerauer Rathaus gearbeitet haben, dies weiterhin tun werden. Diese werden künftig nicht in Norderstedt, sondern bei der Stadt Quickborn angestellt sein. Zwei hätten sich freiwillig woanders hin beworben.

Zahl der Angestellten bleibt identisch

„Wichtig ist vor allem, dass die Mitarbeiter und Leistungsempfänger ab Juli weiterhin ihr Geld bekommen“, sagt Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl. Quelle: Fuchs

Es würde aber bei den zehn Vollzeitstellen bleiben, sagt Martens. Nur mit dem Unterschied, dass es künftig keine eigene Büroleitung mehr geben werde, wie bisher in Ellerau der Fall war. Vielmehr würden die einzelnen Fachabteilungen im Ellerauer Rathaus wie die Grundstücksverwaltung, der Kita-Bereich oder der Gremiendienst sich direkt mit den zuständigen Fachbereichen in Quickborn abstimmen. Dafür müsse nun auch noch in den nächsten Wochen die gesamte Computer-Hardware ausgetauscht werden, die in Ellerau noch der Stadt Norderstedt gehört.

Ein erster Testlauf mit den neuen Geräten und der neu installierten Software soll im April losgehen, damit zum 1. Juli alles problemlos starten kann, kündigt Martens an. „Wir werden dann probeweise zweigleisig fahren.“ Zudem bekämen die Kommunalpolitiker eigene Tablets, wie in Quickborn bereits üblich, um die Papierflut bei den Entscheidungsvorlagen einzudämmen.

Im Quickborner Rathaus werden dann noch weitere zehn Mitarbeiter für die neue Verwaltungsgemeinschaft arbeiten, erklärt Bürgermeister Köppl. In Norderstedt waren elf Vollzeitstellen mit Ellerauer Belangen beschäftigt, denen nun andere Aufgaben übertragen würden, wie Stadtsprecher Struppek erklärt.

Quickborn bietet einige Vorteile

Elleraus Bürgermeister Ralf Martens ist überzeugt: „Der große Vorteil für unsere Bürger wird sein, dass sie künftig genauso gut und kompetent wie bisher verwaltet werden.“ Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie ihre behördlichen Dinge künftig ebenso gut und schneller als bisher im Quickborner Rathaus erledigen könnten. Dieses ist viel dichter dran und besser erreichbar für die Bürger. Zumal die Quickborner Verwaltung sogar an sechs Tagen pro Woche, 52 Stunden in der Woche, geöffnet ist – einschließlich sonnabends.

„Wir haben bereits gute Erfahrungen mit den Verwaltungsgemeinschaften, mit unseren kleineren Nachbargemeinden Hasloh und Bönningstedt gemacht“, sagt Bürgermeister Köppl. Ziel sei es, dass Quickborn den Informationsvorsprung in die neue Verwaltungsehe einbringen wird.

Burkhard Fuchs

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