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Segeberg Die bedrohte Idylle: Angst um Bad Segebergs Schöpfungsgarten
Lokales Segeberg Die bedrohte Idylle: Angst um Bad Segebergs Schöpfungsgarten
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18:31 10.09.2019
Schöpfungsgarten v. r. Michael Modrow, Andreas Hellberg, Ursula Bülow, Wolfgang Schröder und Karin Willumeit sorgen sich um ihren Schöpfungsgarten. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Es nimmt die Freude. Es hört nicht auf. Und es wirft die Frage auf, ob man heutzutage so ein offenes Naturgarten-Projekt in dieser Form durchführen kann. 2009 entstand der für die Öffentlichkeit bestimmte romantische „Generationen- und Schöpfungsgarten“. Mit liebevoller und naturnahen Bepflanzung sollten im Zentrum der Stadt Menschen Entspannung finden, vom Kita-Kind bis zum Rentner.

Doch die Idylle neben der Kita St. Marien wird fast regelmäßig von Randalierern heimgesucht. Die Ehrenamtler, die hegen und pflegen, sind immer wieder erschüttert, wenn ihr herrlich blühender Naturgarten missbraucht wird. Das offene Gartentor lockt auch Leute an, die man dort nicht gerne hat. „Gerade Ältere haben Angst, in den Garten zu kommen, wenn hier Remmidemmi ist“, erzählt Kita-Leiter Michael Modrow, der die Idee mit dem öffentlichen Garten vor zehn Jahren zusammen mit Pastor Kristian Lüders entwickelte.

Eine Gartenidylle für die Öffentlichkeit

Architekt Achim Kölbel schuf auf den 1400 Quadratmetern eine bunte Oase mit Buchsbaumhecken und Beerensträuchern, Hochbeeten und Blumenbeeten. Die Nachtigall ist zu hören, in milder spätsommerlichen Sonne umschwärmen Bienen die Kästen von Imker Wolfgang Schröder. Der Knöterich blüht noch vereinzelt, vor allem Topinambur, auch der blaue Storchenschnabel. Nicht jeder weiß das zu schätzen.

Hausmeister Andreas Hellberg zeigt die beschmierte Wand am Gartenhaus. Quelle: Glombik

Es gehe nicht darum, Jugendliche aus dem Garten fernzuhalten, doch als Gast habe man sich hier zu benehmen. Andreas Hellberg, Hausmeister der Kirchengemeinde, weist auf das mit unzähligen Schmierereien verunzierte Gartenhaus. „Hier wird Müll hinterlassen, hier werden Flaschen zerschmissen.“

Immer wieder Zerstörungen in der Gartenoase

Die Steinumrandung der Hochbeete werde beschädigt. Es empört Hellberg, dass von Ehremamtlichen gesetzte Pflanzen herausgerissen werden. Da das Areal zentral und gleichzeitig versteckt gelegen ist, treiben sich nachts auch immer wieder größere Jugendgruppen herum. Manchmal werde es schon nachmittags laut. Gartenfan Karin Willumeit: Man verliert einfach den Mut. Ich gehe hier mit Freuden hin und sehe, wie alles zerstört wird. Tomaten pflanzen könnten wir zum Beispiel gar nicht, hier sind nur die ganz einfachen Dinge möglich.“

Zwei Rasenmäher wurden gestohlen

Einmal wollten die Kita-Kinder Kürbisse ernten, doch die waren alle von Unbekannten zertreten worden. Da hatten die Kinder Tränen in den Augen, berichtet Modrow. Am Gartenhaus wurde unzählige Male das Schloss aufgebrochen, berichtet Hellberg. Zwei Rasenmäher seien über die Jahre gestohlen worden. Dabei sind es nicht immer die großen Zerstörungen wie im Juni, als Unbekannte Bienenkästen von Imker Wolfgang Schröder umwarfen. Auch ein junger Apfelbaum wurde umgetreten. Die Polizei vermutete alkoholisierte Jugendliche als Täter. Hellberg findet dort oft geleerte Marihuana-Tütchen. Die Ehrenamtler haben auch die Polizei gerufen, wenn Leute Feuerwerkskörper im Garten zündeten.

Nach einer Fete von Unbekannten im Garten, muss erst einmal der Müll aufgesammelt werden. Quelle: Andreas Hellberg (hfr)

 Trotzdem: Michael Modrow will – noch – nicht aufgeben. Er hofft weiter auf soziale Kontrolle, ruft dazu auf, Jugendliche direkt anzusprechen, wenn sie im Garten Müll liegen lassen oder randalieren. Vielleicht könnten hier auch städtische Streetworker einbezogen werden. „Wir wollen auch nicht andauernd die Polizei rufen.“ Appelle an die Verantwortung seien wichtig. Hausmeister Hellberg hat da kaum Hoffnung: Vor vier Wochen erst hätten Unbekannte versucht, frischlackierte Bänke anzukokeln.

Beschmiertes Haus im Hundertwasser-Stil bemalen?

Selbst der Grundgedanke des Schöpfungsgarten, dass Senioren Kindern zeigen, wie man zum Beispiel Kartoffeln anhäufelt, sei kaum noch erlebbar. Kartoffeln setzen? Bringt nichts, die würden ohnehin herausgerissen. Und da einige „Gäste“ den Garten als Klo benutzen, müssten Pädagogen, wenn sie mit den Kita-Kindern in den Garten wollen, erst prüfen, ob man das den Kindern überhaupt noch anbieten könne, erzählt Karin Willumeit.

Überlegt werde schon, den überdachten Veranda-Bereich des Gartenhauses ganz abzureißen, damit es dort die Garten-Zerstörer nicht mehr so gemütlich haben. Und das beschmierte Gartenhaus sollte man im Hundertwasser-Stil vielleicht von einer Schulklasse im Kunstunterricht bemalen lassen. So könnte man Schmierereien verhindern. Michael Modrow stellt sich inzwischen die Garten-Sinnfrage. „Es wäre sicher nicht das richtige Signal.“ Aber der nächste Schritt wäre tatsächlich, wir leisten den Offenbarungseid, wenn uns das alles nur noch frustriert. Aber noch sei es nicht soweit.

Von Wolfgang Glombik

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