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Segeberg „YBS420“: Für über 25-Jährige verboten
Lokales Segeberg „YBS420“: Für über 25-Jährige verboten
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14:07 22.08.2018
Leon Paschen, Marian Kaletsch, Patryk Ramhold, Jonas Schultz (vorne, v. li.), Moritz Moeller und Jeremy Gießler, dessen Hand vor den Augen zum Image gehört (hinten, v. li.), wollen mit ihrem Konzert Jugendlichen eine Alternative zum Stadtfest bieten. Quelle: Foto: Petra Dreu
Bad Segeberg

„Eine solche Altersbegrenzung hat es noch nie gegeben, das wissen wir. Aber unser Konzert soll eins von der Jugend für die Jugend sein“, sagt Marian Kaletsch (18), der für das Konzert auf Sponsorensuche gegangen ist, denn: Wie schon bei dem Konzert in der Mühle wollen die jungen Rapper nicht nur einfach Musik machen, sondern von Lasertechnik bis hin zu Feuerfontänen und Seifenblasen alles auffahren, was zu einem guten Konzert gehört.

Mit selbst geschriebenen Raps haben 13 Schüler bereits Anfang des Jahres für einen vollen Saal in der „Mühle“ gesorgt. Am Freitag, 31. August, folgt ihr zweiter Streich in der Kalkberg-Oase. Der Eintritt ist frei, aber wer älter als 25 Jahre ist, muss leider draußen bleiben.

Viele Firmen haben die Rapper unterstützt. Edeka Burmeister hat sogar je zehn Kisten dreier Softgetränke gespendet, damit der Getränkepreis niedrig bleiben kann. Auch das Security-Team, das ebenfalls nicht älter als 25 Jahre sein darf, bekommen sie bei Mebo zu einem Sonderpreis. „Vorgeschrieben hat uns die Kalkberg-Oase Security nicht, aber man weiß ja nie“, wirft Jonas Schultz ein, der sich als Rapper den Namen „Johnny Z.“ gegeben hat.

Das neue Album kann über Spotify gestreamt werden

Dass das zeitgleich stattfindende Stadtfest und das Werner-Rennen in Hartenholm eine Konkurrenz für ihr Konzert sein könnten, glauben die jungen Männer nicht. Tickets für das Mega-Event könnten sich Schüler eh kaum leisten und die junge Generation sei auf dem Stadtfest auch nicht eingeplant. „Im Grunde sind wir eine Stadtfest-Alternative für die Jugendlichen, für die es dort keinen Platz gibt“, sagt Moritz Möller (18), der als Rapper auf den Namen „Ziro“ hört.

Pünktlich zum zweiten Konzert ist nach ihrem Erstlingswerk „YBS Allstars“ ihr zweites Album mit der schlichten Bezeichnung „II“ fertig geworden, das unter anderem bei „Spotify“ kostenlos gestreamt werden kann. Von sich und ihrer Musik sind die Schüler überzeugt. Schon gar nicht mangelt es ihnen an Selbstbewusstsein, besonders dann nicht, wenn sie über die Rapper sprechen, die schon einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben. „Viele Rapper geben sich nicht mehr genug Mühe“, sagt Marian Kaletsch.

"Der ECHTE Marian" ist Fan von Kollegah und Farid Bang

„Da steckt einfach keine Message mehr dahinter“, ist Leon Paschen (18) überzeugt, der als „Creme Fresh“ auf der Bühne steht. Jeremy Gießler (17) hat sich den Künstlernamen „R888“ zugelegt. Seine Kritik an der ersten Rapper-Generation ist noch härter: „Manche Rapper, die heute berühmt sind, sind völlig talentlos und sollten besser nicht berühmt sein.“

Marian Kaletsch (18), der als „Der ECHTE Marian“ in die Musikgeschichte eingehen möchte, outet sich als Fan der „Skandal-Rapper Kollegah und Farid Bang“, deren Texte alles andere als jugendfrei sind.

Die Verleihung des Musikpreises „Echo“ an die beiden Rapper hatte für einen Aufschrei bei anderen Künstlern gesorgt und dem Musikpreis ein generelles Ende beschert.

Konzert in der Kalkberg-Oase steht an

Die Reaktionen darauf können er und seine Mitstreiter nur bedingt verstehen. „Für mich ist der Proll-Rap eine Kunstform“, sagt Marian Kaletsch, den rein äußerlich und in seinem Sozialverhalten überhaupt nichts mit den beiden bekannten Rappern verbindet, denen man nachsagt, eine Schule mehr von außen als von innen gesehen zu haben.

Im Gegenteil: Marian Kaletsch ist wie die meisten Rapper des eigenen Labels „YBS420“, das als Abkürzung für „Young Bad Segeberg für 20 Dollar“ steht, Schüler der Dahlmannschule – und deren Schülersprecher. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Stadtschülervertretung und nicht nur musikalisch ein kreativer Kopf, sondern auch die Plakate, Banner, Aufkleber, Eintrittskarten und Flyer hat er selbst gestaltet.

Das Konzert in der Kalkberg-Oase, Hamburger Straße 66, beginnt am Freitag, 31. Oktober, um 20.30 Uhr, Einlass 20 Uhr. Ausweis mitbringen, denn Besucher über 25 müssen ja draußen bleiben!

Eine Strophe Rap

„Mama sagt ich soll mal früher aufstehn / Damit ich den Bus krieg und rechtzeitig rausgeh’ / Wie soll das denn gehen? / Sie kann nicht verstehn, dass ich ganz ausversehn’ / Meine Nacht vergehn’ lass und mach was ich am Tag nicht schaff’ / Dein Style könnte ich mit Leichtigkeit kopiern’ / Doch wenn er schlecht ist, bin ich eh nur am verliern’ / Bleib bis drei Uhr wach und feile am Text / Und morgens trinke ich Kaffee, ja das Koffein fetzt“ (Aus „Bei Nacht“, DEM feat. Creme Fresh)

Petra Dreu