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Segeberg Rekord bei Karl-May-Spielen: So emotional war die letzte Vorstellung
Lokales Segeberg Rekord bei Karl-May-Spielen: So emotional war die letzte Vorstellung
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17:32 09.09.2019
Winnetou gibt Autogramme bei der letzten Show in diesem Jahr. Quelle: Glombik
Bad Segeberg

“Unter Geiern“ wurde zu einem Riesenerfolg. Die magische Marke von 400 000 ist durchbrochen. Mit 402110 Besuchern kamen in dieser Saison so viele Besucher wie noch nie zu den Karl-May-Spielen nach Bad Segeberg.

Bei der letzten Vorstellung am heutigen Sonntag gab Geschäftsführerin Ute Thienel im Konfettiregen und unter dem Jubel der über 7000 Zuschauer die Zahlen bekannt. Damit haben die Karl-May-Spiele das siebte Jahr in Folge ein Rekordergebnis eingefahren. Im vergangenen Jahr kamen noch 388 910 Besucher. Yvonne Steiner aus Hamburg wurde als 400 000. Besucherin von „Unter Geiern“ vorgestellt. Für sie gab es eine Beteiligung von einem Cent pro Besucher und somit als Gewinn 4000 Euro.

Die Karl-May-Spiele 2019 sind beendet. Sie waren ein großer Erfolg mit packenden Szenen.

Adler wollte nicht auf Winnetous Faust

Es war am Sonntag tatsächlich ein guter Tag für die Spiele. Da passte die Hymne „An guten Tagen“ von Johannes Oerding wie die Faust aufs Indianer-Auge. Wobei mancher eine Träne verdrückte, dass die erfolgreichste Saison nun vorbei ist. Vor allem der Adler war sichtlich sauer, dass die Saison nach 72 Vorstellungen nun zu Ende ist. Adlerweibchen Mali verweigerte einfach den gewohnten Flug durchs Stadion auf die Faust von Winnetou und setzte sich stattdessen auf das Dach des Leitstandes. „Sie hat einfach keine Lust auf Abschied“, flachste Winnetou (Alexander Klaws) vor ausverkauftem Stadion. Vielleicht bringt mein roter Bruder das Mäuschen ’rauf“, witzelte Sascha Gluth als Old Shatterhand. „Das mache ich den nächsten Sommer“, versprach Klaws. Damit ist klar: Er bleibt den Segeberger Spielen als Winnetou erhalten.

Norbert Schultze jr. geht nach 20 Jahren

Wie immer lebte die letzte Vorstellung vom Humor der Darsteller: „Das hätte Norbert nicht gewollt“ flehte zum Beispiel einer, als Hauptbösewicht Nicolas König drohte, ihn in das Höllenmaul zu werfen. Gemeint war Regisseur Norbert Schultze jr., der mit 77 Jahren und 20 Spielzeiten nach der Vorstellung von Ute Thienel in den verdienten Ruhestand verabschiedet wurde. Es ging ihm sichtlich nahe. Thienel: „Er hat die Karl-May-Spiele geprägt wie kein anderer. Länger und nachhaltiger als alle seine Vorgänger.“ Jetzt verabschiede er sich mit „einem Traumergebnis“.

Mit Ute Thienel haben sich Zuschauerzahlen verdoppelt

Für Bad Segebergs Bürgermeisterund Aufsichtsratschef Dieter Schönfeld geht es bei dem großen Zuschauererfolg der Karl-May-Spiele nicht nur um den finanziellen Erfolg, sondern vor allem um „den künstlerischen Erfolg des ganzen Teams“. Das sei doch das Entscheidende. Schönfeld: „Wir sind damit das erfolgreichste kommunale Freilichttheater der Bundesrepublik.“ In der Summe ist das immer eine Million plus x Reingewinn gewesen, die durch die Spiele für die Stadt erwirtschaftet wurden.

Die Verträgemit den Schauspielern würden meist über eine Saison abgeschlossen, Dauerverträge über mehrere Jahre gebe es in der Regel gar nicht. Beim Winnetou-Darsteller Alexander Klaws sei der Wunsch schon groß, dass es zu einem mehrjährigen Engagement komme. Schönfeld befürchtet, dass „wir künftig daran gemessen werden, dass immer eine vier vor den Zuschauerzahlen steht“. Dabei sei das keineswegs selbstverständlich.

Inzwischen ist Ute Thienel20 Jahre lang als Geschäftsführerin dabei. Schönfeld: „Sie kam 1999 aus Berlin, damals wurde sie hier ins kalte Wasser geworfen.“ In der Saison davor seien es nur 213 000 Zuschauer gewesen. 1999 war zudem der Kunstfelsen abgebrannt, „da musste Winnetou in improvisierter Kulisse reiten“, berichtet Schönfeld. Jetzt haben sich in der Zeit von Ute Thienel die Zuschauerzahlen fast verdoppelt. Entscheidend für ihren Erfolg sei ihre Personalpolitik, dass sie Schlüsselpositionen seit 20 Jahren personell nicht verändert habe, zum Beispiel mit Regisseur Nobert Schultze jr und Buchautor Michael Stamp.

Ute Thienel ist vom Status her Beamtin der Stadt, aber unter Wegfall ihrer Bezüge an die Kalkberg GmbH abgeordnet worden. Geschäftsführerverträge würden immer über fünf Jahre abgeschlossen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei ihr eine weitere Verlängerung geben wird“, so Schönfeld. wgl

Schultze jr. sagte selbst, dass sein Nachfolger es schwer haben werde, das Rekordergebnis noch zu toppen. „Als ich anfing, hatten wir 220 000 Besucher.“ In seinem Beruf gebe es kein Aufhören, er werde immer wieder gerne vorbeischauen. „Segeberg und Sommer, das gehört zusammen.“

Die letzte Vorstellung in der Saison: Winnetou gibt Autogramme Quelle: sg

Die Abschieds-Vorstellung des Ensemble war gespickt mit kleinen, versteckten Gags. In mancher Donnerbüchse steckten Blumen. Und einer der Höhepunkte war, als der junge Häuptlingssohn „Mo-haw“ vom Stamme der Schoschonen – gerade schlimm gemeuchelt von Hong-peh-te-keh, der Schwere Mokassin – im Sterben aushauchte: „Danke für diesen geilen Sommer.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Von Wolfgang Glombik

Die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg haben auf den letzten Drücker die Marke von 400.000 Zuschauern geknackt.

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